Bad Aibling – Für nachhaltigen Erfolg braucht es viel Erfahrung und großes Engagement, um nun schon seit 25 Jahren ein volksmusikalisches Programm auf die Beine zu stellen, das weit über die Landesgrenzen hinaus großen Zuspruch und Anerkennung findet. Roman Messerer und Christian Eisner bürgen im Rahmen des bairischen „Saitensprünge-Festivals“ für ausgezeichnete Qualität und versammeln Gruppen aus dem Tirolerischen und Bayern, die dafür würdige Botschafter sind.
Andreas Estner
überzeugt als Sprecher
Blitzsauber eröffnete der „Harte Kern“ aus Angerberg mit einem Marsch den Abend. Ausgestattet mit reichlich Blech, Schlagwerk, Klarinette, Harfe und Harmonika brachten die Musiker Schwung in den Saal. Die Gruppe hat sich den Kompositionen von Gottlieb Weißbacher verschrieben – man spürt deutlich die heimatliche Verbundenheit in ihren Stücken. Und wenn sie dann als „Weisenbläser“ aufspielen, erschließt sich dem Zuhörer ein gewaltiges Alpenpanorama, das man ergriffen vor Augen hat.
Altbairisches und alpenländisches Liedgut wissen die „Brucker Sänger“ im Doppelquartett mit viel Harmonie und Textverständlichkeit zu präsentieren. Seit 40 Jahren gibt es den Gesang schon, der aus dem Wildachinger Moarhof entsprang. Einfühlsam wurde „Fahr ma hoam“ gesungen, schlechthin die Hymne der Almbauern, und mit „Koa lustigas Lebn“ oder gar „A Gams hob i gschossn“ wurde die Jagerei eingehend gewürdigt. Begleitet von Roman Messerer auf seiner Zither wurde ihre klangliche Fülle abgebildet.
Für den Abend konnte als Sprecher Andreas Estner von „BR-Heimat“ gewonnen werden. Malerisch beschrieb er einen in den farbigen Herbst eintauchenden Almsommer, verband bayerische Geschichte mit den aus ihr entstehenden Bräuchen und schilderte melancholisch und tiefgängig die heimatliche Natur in ihrer ganzen Schönheit. Passender Witz und hinterkünftiger Humor würzten mitunter theatralisch seine vielbeklatschten Ausflüge durchs Programm.
Urgewaltig und ihren eigenen rhythmischen Gesetzen folgend mischten die „Strassner Pascher“ aus dem Salzkammergut mit ihren Gstanzln und Liedern den Saal auf und ihr begleitendes „Paschen“ mit den Händen in zwei Klangstufen kam großartig an.
Dieses Brauchtum, auch im Innviertel daheim, brachte so richtig Charakter und Stimmung in die „Saitenblicke“ und sogar aus dem Publikum mischte sich so mancher Juchizer in den Vortrag.
Um ihren Bekanntheitsgrad braucht auch die „Ausseer Bradlmusi“ keine Sorge haben. Eine fesche Tanzmusik lieferten da Gitarren, Zither, Kontrabass, Geige und Steirische ab, wie man sie vollendeter kaum zu hören bekommt. Das akkurate Zusammenspiel und ihre langjährige Verbundenheit lassen Polka und Walzer leidenschaftlich erklingen. Und besonders heimelig und gediegen präsentieren sie ihre Melodien mit vorzüglichem Gitarrenspiel. Da wurde es leise und andächtig im Saal.
Melodie des Herbstes
vor dem Abschied
Zwischen Wasserburg und Ebersberg im kleinen Ort Sensau thront die Martinskirche auf dem Weinberg und dient als Namensgeber für die „Weinberg-Zithermusi“. Sie spielte sozusagen als Gastgeber auf und überzeugte einmal mehr durch hohe Präzision und meisterliches Spiel. Mit durchdringender Musikalität eines fast schon metallischen Klangs der Kerschensteiner Zithern und einer souveränen Kontragitarre wird ein charakteristisch außergewöhnliches Zusammenspiel geschaffen, das sich besonders in ihren Märschen und Landlern voll entfaltet.
Noch einmal ließen am Ende dieser großartigen Veranstaltung die „Weisenbläser“ ihre Instrumente erklingen und ließen das begeisterte Publikum eine fast schon wehmütige Melodie eines sich verabschiedenden, farbenfrohen Herbstes dankbar und glückselig nach Hause tragen.