Einblicke in ein altes Handwerk
Harmonie, die stimmt und motiviert, erfuhr Wollkönigin „Janina I.“ (rechts) von den gelernten Weberinnen bei der Herstellung flauschiger Teppiche aus reiner Schafwolle. Foto Peter Strim
Die Schafwollspinnerei Höfer in Litzldorf ist ein Familienbetrieb in der Region. Nun gewährte sie Einblicke in die Herstellung ihrer Naturprodukte aus Schafwolle und zog damit zahlreiche Besucher an – auch eine königliche Hoheit.
Litzldorf – Die Schafwollspinnerei Höfer in Litzldorf zählt zu den Familienbetrieben in der Region, die hochwertige Naturprodukte wie Strickgarne und Strickwaren, Teppiche und Bettwaren, Filz, Bastelwolle und Düngepellets herstellen. Einblicke in den Produktionsprozess vom Rohstoff „Schafwolle“ bis zur fertigen Ware mit Wohlfühl- und Behaglichkeitseffekt gewährte die Familie Höfer kürzlich an drei Tagen, an denen sie ihre Türen öffnete.
Hoher Besuch
von der Wollkönigin
Überrascht und gleichermaßen erfreut zeigten sich Firmenleiter Matthias Höfer in der dritten Generation, dessen Ehefrau Simone, Vater Hans und Mama Martina sowie die 30 Mitarbeiter über den großen Besucherandrang. Begehrte Ziele waren der traditionsreiche Laden an der Aiblinger Straße, der Sonderverkaufsraum mit Entschleunigung-Café sowie die Produktionshalle, in der Maschinen, teils aus den Anfangszeiten stammend und von Opa „Mathias“ Höfer selbst konstruiert, immer noch zuverlässige Arbeit leisten. Vom Werdegang der Rohwolle bis zum Teppich oder zur flauschigen Bettdecke, gefüllt mit edler und hochreiner Schafwolle von vierbeinigen Grundstofflieferanten aus der Region, ließ sich die seit Oktober 2022 amtierende bayerische Wollkönigin „Janina I.“ Staudacher inspirieren. Die Eltern der 31-jährigen Repräsentantin der Vereinigung Bayerische Milchschafhalter führen in Achenmühle, Gemeinde Rohrdorf, eine alteingesessene kleine Schäferei mit derzeit 45 Muttertieren.
Über Jahrzehnte liefert die Schäferfamilie naturreine Wolle ihrer Tiere an die befreundeten Höfers in Litzldorf. Sie gehören mit zu den derzeit 130 Schäfern aus der Region, die jährlich gut 100 Tonnen Rohwolle von Berg- oder Merinoschafen sowie anderen Schafrassen nachhaltig an den Familienbetrieb liefern.
Bei einem Rundgang durch die Produktionsstätte lernten „Janina I.“ und auch viele andere Interessenten allen Alters nicht nur die Firmengeschichte und Produktionsabläufe an den Maschinen kennen, sondern auch Herz und Leidenschaft, verknüpft mit umfangreichem Fachwissen zur Schafwollverarbeitung, unter anderem durch Seniorchef Hans Höfer, hautnah.
Wertvolle Informationen, ebenfalls geprägt von Leidenschaft und Liebe zu ihrem Handwerk, gaben langjährige Mitarbeiter wie Produktionsleiter und Spinnmeister Andreas Grabl und sein Kollege Gerhard Ende an der großen Spinnmaschine. Ebenso Betty Franck, die seit über 20 Jahren als Spinnerin dicke Wollknäuel für flauschige Teppiche fertigt.
Bleibende Eindrücke hinterließen bei manchen, auch sehr jungen Zuschauern die taktvolle Geräusche der Weber, unter anderem Sabine Franck, die ihren Beruf in der einstigen Weberei „Weinberger“ in Rosenheim erlernte und, bei Bedarf mit mehreren Farben versehen, großflächige Teppiche an ihrem Webstuhl zaubert. Auch was das Nähen wärmender Bettdecken betrifft, schafften Fachkräfte an einer großen, mindestens 60 Jahre alten Nähmaschine, die, falls nötig, wie auch andere Maschinen, von den Höfers selbst repariert wird.
Vom Vlies zum
fertigen Produkt
Viele Besucher lernten im Rahmen der Führungen respektvoll ehrwürdiges Handwerk für hochwertige Produkte kennen und schätzen. Unter anderem mit jenen Maschinen, die einst der findige Opa „Mathias“ Höfer, ein gelernter Maschinenbauer, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, mit „nichts“ in der Hand und völlig verarmt, aus verschiedensten Teilen konstruierte und zusammenbaute.
Die im Einsatz befindliche Technik leistet seit Jahrzehnten zuverlässig ihre Dienste und stellt manches anfällige Hightech-Gerät, das nur unnötige Produktionsausfälle verursacht, in den Schatten. Stützende Säule war, wie berichtet, seine Frau Maria, die Wolle aus kardiertem Rohprodukt spann. Seit der Firmengründung 1947 hat sich ein erfolgreiches Familienunternehmen entwickelt.
Betty Franck, mit über 20 Jahren Berufserfahrung als Spinnerin, zeigt Besuchern, wie Spindeln mit dicker Schafwolle für Teppiche gesponnen werden.