Leben für Musik und Ehrenamt
Wenn Leonhard Eisner und seine Frau gemeinsam zu Hause vor dem Kachelofen musizieren, finden sie Entspannung. Foto Kotter
Leonhard Eisner aus Bad Aibling mit der Bezirksmedaille ausgezeichnet
Bad Aibling/Willing – Ehrenamtliches Engagement zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben, die Liebe zur Musik hat Leonhard Eisner aus Willing nach eigenen Angaben „von Kindheit an im Blut“ – wohl ererbt von seiner Mutter, die eine begnadete Zitherspielerin und Sopransolistin im Kirchenchor war. Zwei ebenfalls sehr musikalische Brüder taten ein Übriges, sodass der heute 65-Jährige bereits in der zweiten Klasse Blockflöte als erstes Instrument lernte.
Als er später das Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim besuchte, wo er 1979 sein Abitur machte, erlernte er das Musizieren mit Cello und Kontrabass. Bei der Willinger Musi, der er seit Jahrzehnten angehört, eignete er sich schließlich noch das Baritonspiel an.
Engagement in
der Verbandsarbeit
Als „Musikus aus großer Leidenschaft“ bezeichnete ihn kürzlich Oberbayerns Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger, als er dem IT-Fachmann, der in führender Position bei einer Firma mit Sitz in Kopenhagen tätig ist, die Bezirksmedaille in München verlieh. Sie erhalten Menschen aus der Region, die sich in besonderer Weise um das Ehrenamt verdient gemacht haben.
Auf Leonhard Eisner trifft dies in zweifacher Weise zu – in seiner Eigenschaft als Musiker und Chorleiter und mit Blick auf sein Engagement in der Verbandsarbeit. Mit 14 Jahren kam er zum Willinger Kirchenchor, an dessen Spitze er seit 1990 steht, und spielte als Jugendlicher auch bereits beim Musikverein Rosenheim. Seit 1980 gehört er der Willinger Musi an. Bis 1993 fungierte er als deren Jugendleiter, im Anschluss daran bis 2004 als Dirigent.
Eisner war früher auch Mitglied der Willinger Sänger, verstärkte die Oberlandler Stubenmusi und spielte im mittlerweile aufgelösten Kammerorchester Bad Aibling, das einst den Kulturpreis der Stadt erhielt. „Das Konzertante hat mich immer besonders interessiert“, sagt Eisner rückblickend über sein Wirken bei der Willinger Musi, wenngleich er auch auf Volksfesten und bei diversen anderen Festivitäten mit der Kapelle aufgetreten ist.
Lang ist auch die Liste seiner Ehrenämter in der Verbands- und Vereinsarbeit. Jahrzehntelang war der ehemalige Ministrant beispielsweise Mitglied des Willinger Pfarrgemeinderates, seit mehr als 40 Jahren ist er beim Willinger Veteranen- und Kriegerverein aktiv. Erst war er Kassier, seit 1994 ist er dessen stellvertretender Vorsitzender.
Sein Hauptaugenmerk gilt allerdings dem Bezirk Inn-Chiemgau des Musikbundes für Ober- und Niederbayern, an dessen Spitze er seit 1995 steht. Zuvor war er bereits mehrere Jahre als Bezirksjugendleiter aktiv. Er ist damit „Chef“ von 65 Kapellen in 52 Vereinen, weil einige Vereine gleich mehrere Kapellen unter ihrem Dach vereinen. Im Vergleich zu den künstlerischen Entfaltungsmöglichkeiten, die das Musizieren bietet, ist diese Arbeit für ihn eher „trocken“. Der Verband vergibt beispielsweise die alle Jahre stattfindenden Bezirksmusikfeste, befasst sich mit Organisations-, Rechts- und Satzungsfragen und steuert den Internetauftritt.
„An die 35 Termine nehme ich pro Jahr allein für den Bezirk wahr. Einmal waren es sogar 42“, bilanziert Eisner. Fester Bestandteil seiner Amtsführung ist, bei vielen Entscheidungen Kompromisse herbeizuführen. „Mein Herzblut gehört zwar dem Musizieren. Hat man aber Erfolge, ist auch das Organisieren ein Erlebnis“, räumt der frisch gebackene Träger der Bezirksmedaille ein.
„Wenn man nach einem Musikfest erschöpft nach Hause fährt und alles gut gelaufen ist, dann sind wir beide zufrieden“, erzählt Eisners Ehefrau Anni, die mit ihm die Liebe zur Musik teilt. Kein Wunder, schließlich war die gebürtige Dingolfingerin viele Jahre als Musiklehrerin tätig und spielt selbst einige Instrumente.
Zu Eisners Aufgaben gehört auch, Musikern aus dem gesamten Bereich des Bezirks Leistungsabzeichen für die Qualität ihres Spiels zu verleihen. „Vergangenes Jahr waren es 135, im Spitzenjahr 220“, berichtet er. Das sind Momente, in denen ihm stets bewusst wird, wie wichtig es ist, dass bei den Kapellen ausreichend Nachwuchs vorhanden ist.
Sorge um den
musikalischen Nachwuchs
Dass der Musikunterricht in Bayerns Grundschulen gekürzt wird, sorgt ihn. „Das ist ein falsches Signal“, ist Eisner überzeugt. Musikalische Früherziehung sei sehr wichtig, sagt der Bezirksvorsitzende. Und da wartet er auch gleich mit einem Wunsch an seine Heimatstadt auf. „Die Musikschule Kolbermoor geht mit gutem Beispiel voran. In Bad Aibling ist noch viel Luft nach oben.“
Wenn ihn seine vielfältigen Aktivitäten mal wieder besonders stark gefordert haben, wird das heimische Wohnzimmer für ihn nicht selten zu einem Rückzugsort, der ihm Entspannung bietet. Eisner holt dann seinen Kontrabass hervor, seine Frau Anni greift zur Gitarre. Und dann musizieren beide vor dem Kachelofen einfach drauflos und spielen sich den Alltagsstress förmlich von der Seele.