Tafel freut sich über mehr Platz und Würde
Sie alle stehen für die Kolbermoorer Tafel: (von links) Sebastian Kurz, Leiter des Geschäftsbereichs Arbeit und Teilhabe bei der Diakonie, Elisabeth Kalenberg, Hauptamtsleiterin der Stadt, Dagmar Badura, die die Tafel 2004 aus der Taufe hob, Markus Rinner, Rektor der Pauline-Thoma-Mittelschule, Bürgermeister Peter Kloo und Andreas Bobbert, Leiter der Tafel. Fotos Thomae
Lange Wartezeiten im Regen sind für die Kunden der Kolbermoorer Tafel seit gut zwei Monaten passé. Die Einrichtung ist in neue, helle Räume umgezogen. Das verbessert die Situation für die rund 220 Bedürftigen und die ehrenamtlichen Helfer in der Pauline-Thoma-Mittelschule.
Kolbermoor – Wer das Stichwort „Tafel“ hört, denkt meist an Einrichtungen, in denen Lebensmittel an Menschen ausgegeben werden, die sie sich normalerweise nicht leisten könnten. Dazu zählen viele, mehr als man gemeinhin vermutet: Nicht nur Bürgergeldempfänger, auch Senioren mit nur schmaler Rente, alleinerziehende Personen und Migranten. All das sind Menschen, denen die Tafeln, bei denen Lebensmittel gegen einen symbolischen Betrag eingekauft werden, helfen, mit ihrem knappen Budget irgendwie über die Runden zu kommen. Allein in Kolbermoor sind das rund 220 Menschen, die zumindest zu einem Teil ganze Familien zu versorgen haben.
Von engen Verhältnissen zu neuen Perspektiven
Doch Tafeln sind noch viel mehr, sie sind im Grunde auch eine ökologische Bewegung, die mithilft, dass Lebensmittel nicht einfach weggeworfen werden müssen. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge, landeten etwa im Jahr 2020 jährlich rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll – rund zwölf Millionen Tonnen davon allein in Deutschland. Und bezogen auf die Privathaushalte geht man von einer Verschwendung von 75 Kilogramm Lebensmitteln pro Kopf und Jahr aus.
Eine Tafeleigenschaft wird aber in der Regel völlig übersehen: Als fester wöchentlicher Treffpunkt bieten Tafeln nicht selten wichtigen Halt und Orientierung in einem Alltag, der ansonsten oft sehr ereignislos wäre. Und im besten Fall sind sie damit auch Orte der Geselligkeit, zumindest aber des Kontaktes zu anderen Menschen. Gerade der letzte Punkt aber setzt voraus, dass sich die Örtlichkeit der Tafel in ansprechender Umgebung befindet, nicht versteckt in irgendeinem Hinterhof, sondern frei zugänglich, offen und freundlich.
Das traf auch für die Tafel in Kolbermoor zu. In einem Hinterhof gelegen war sie nicht gerade, aber die Räumlichkeiten an der Carl-Jordan-Straße waren eng, viel zu eng: Kaum Platz für die ehrenamtlichen Helfer, um vernünftig arbeiten zu können, was oft lange Wartezeiten zur Folge hatte, bei der die Kunden im Freien stehen mussten, sowohl bei Gluthitze als auch bei Dauerregen. Und wenn jemand mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator in den Räumen war, waren diese praktisch blockiert.
Umso glücklicher schätzt man sich bei der Tafel, jetzt innerhalb der Pauline-Thoma-Mittelschule angemessene Räume gefunden zu haben: Hell, freundlich und vor allem groß genug. Deshalb gab es unlängst auch eine kleine Einweihungsfeier. Und dabei hob Andreas Bobbert, der die Kolbermoorer Tafel betreut, mehrmals hervor, wie dankbar man bei der Tafel sei.
Denn dem neuen Domizil gingen intensive Bemühungen der Stadt voraus, einen passenden Ort zu finden, sie stellte auch die Mittel bereit, mit denen die Räume für die Bedürfnisse der Tafel umgestaltet wurden. Die Tafel habe, so Andreas Bobbert, seitens der Stadt von Anbeginn an, also schon seit 2004, „eine bemerkenswert großzügige und wertschätzende Unterstützung“ erfahren. Dank, so Bobbert, gebühre aber auch der Schule, vor allem Schulleiter Markus Rinner. Der sei der Idee, die Tafel innerhalb der Schule unterzubringen, von Anfang an vollkommen aufgeschlossen gegenübergestanden.
Wartezeiten im Regen gehören jetzt der Vergangenheit an, auch für die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel ist das Leben viel einfacher geworden: Man kann arbeiten, ohne dabei einem anderen im Wege zu stehen, auch die Lagerung der Sachspenden ist dank der größeren Räume nun einfach und übersichtlich. Angemessene Räumlichkeiten sind für eine Tafel wichtig, mindestens ebenso entscheidend aber ist die sichere Versorgung mit den Lebensmitteln.
Breite Unterstützung
als Schlüssel zum Erfolg
Und auch hierfür bedankten sich Andreas Bobbert und Sebastian Kurz, Geschäftsbereichsleiter Arbeit und Teilhabe bei der Diakonie, die der Träger der Kolbermoorer Tafel ist: Geschäfte, Discounter aber auch viele Organisationen wie Kirchen und Schulen sicherten die Versorgung. Bedeutend seien auch die Geldspenden, die von Privatpersonen kämen, denn damit sei die Tafel in der Lage, auch dann wichtige Grundnahrungsmittel bereitzustellen, wenn sich diese gerade einmal nicht unter den Sachspenden befänden.
Auch wenn der Hintergrund eigentlich einer ist, der betroffen machen müsste: Die Kolbermoorer Tafel ist ein Erfolgsmodell, die in ihren neuen Räumen ihrer Aufgabe noch besser gerecht werden kann: Jenen, die aus den verschiedensten Gründen nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, zumindest einen festen Lichtpunkt zu bieten.
Gemeinsame Freude über die gelungenen neuen Räumlichkeiten der Tafel: (von rechts) Andreas Bobbert, der Leiter der Kolbermoorer Tafel, neben Hauptamtsleiterin Elisabeth Kalenberg und Bürgermeister Peter Kloo.
Nicht nur die Ausgabe der Lebensmittel ist nun großzügig, auch die ganze Logistik im Hintergrund, das Sortieren und die Lagerung der gespendeten Lebensmittel ist in den neuen Räumen angemessen zu bewerkstelligen.