Wohin mit dem alten Thermometer?

von Redaktion

Nachdem ein zerbrochenes Thermometer wegen Quecksilber-Austritts zu einem Feuerwehreinsatz in Bad Aibling führte, stellt sich generell die Frage nach der richtigen Entsorgung. Wie kann ich Gefahrstoffe aus meinem Haushalt im Landkreis Rosenheim richtig beseitigen?

Bad Aibling – Das Aufgebot an Einsatzkräften war groß, als die Sirenen am 5. November durch die Aiblinger Ghersburgstraße hallten. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst wurden damals wegen eines „Gefahrstoffaustritts“ alarmiert, wie ein Sprecher der Polizeiinspektion Bad Aibling vor gut drei Wochen auf OVB-Nachfrage mitteilte. Der Auslöser: Etwa die Menge eines Teelöffels an Quecksilber, einem hochgiftigen Gefahrenstoff, war in einem Gebäude ausgetreten.

Konkret handelte es sich um ein altes Thermometer, das bei der Räumung einer Wohnung zu Boden gefallen war. Als dieses auf der Treppe zerbach, trat der Gefahrenstoff aus. Dass die 56-jährige Frau daraufhin die Rettungsleitstelle alarmierte, wurde später von der Polizei sowie der Feuerwehr Bad Aibling lobend erwähnt. Denn Gefahrstoffe oder Problemabfall wie etwa das hochgiftige Quecksilber befänden sich sicher in zahlreichen Haushalten – und nicht jeder wisse, wie er damit umzugehen hat.

Doch freilich sollte es grundsätzlich möglichst nicht so weit kommen, dass, wie im Aiblinger Fall, sogar Spezialisten der Werkfeuerwehr „Infraserv“ mit Schutzausrüstung und speziellem Absauggerät anrücken müssen.

Verringerung des Schadstoffgehaltes im Restmüll

Doch wie kann man entsprechende Stoffe und Abfälle eigentlich richtig entsorgen? „Viele sagen: ‚Schmeiß‘ es einfach in den Restmüll oder schütt‘ es in die Toilette‘“, bemängelte kürzlich ein Mann aus Feldkirchen-Westerham, der sich im Nachgang des Aiblinger Quecksilber-Einsatzes in der Redaktion gemeldet hatte. Ihm zufolge wüssten viele Bürger überhaupt nicht, was sie mit entsprechenden, oftmals gefährlichen, alten Abfallprodukten machen müssten. Er selbst habe früher im Ausland gelebt, wo die Entsorgung entsprechender Gefahrstoffe teils deutlich einfacher für Bürger organisiert gewesen sei. Hierzulande stelle einen dies teilweise vor größere Herausforderungen.

„Vor Kurzem wollte ich selbst auch ein altes Thermometer entsorgen“, erzählt der Mann, der hierfür etwa zum Bruckmühler Wertstoffhof gefahren war. „Doch sie haben es nicht angenommen. Anscheinend kommt selten mal ein sogenanntes Mobil, das solche Abfälle erst mitnimmt“, wundert er sich. Doch da er extra einen Termin für die Annahme berücksichtigen müsste, fragt sich der Feldkirchen-Westerhamer: „Wer macht das denn dann? Warum kann man die Entsorgung nicht einfach gestalten?“

Zuständig für das Thema ist im Landkreis Rosenheim die Abfallwirtschaft des Landratsamtes. Hier werden Problemabfälle als Stoffe definiert, „die schädliche Einwirkungen auf den Menschen und die Umwelt haben und deshalb gesondert erfasst und entsorgt werden müssen“. Auch kleinste Mengen dürften demnach nicht über die Mülltonne oder das Abwasser entsorgt werden. „Problemabfälle aus Haushaltungen und ähnliche Abfälle aus Kleingewerbebetrieben werden im Landkreis Rosenheim seit vielen Jahren regelmäßig getrennt gesammelt und umweltschonend entsorgt“, erklärt Behördensprecherin Sibylle Gaßner-Nickl auf OVB-Anfrage. Dadurch werde eine deutliche Verringerung des Schadstoffgehaltes im Restmüll erreicht.

223 Tonnen
Problemabfälle im Jahr

Um die gesonderte Entsorgung zu gewährleisten, macht zweimal jährlich das Umweltmobil in jeder Gemeinde Station, in größeren Landkreis-Kommunen wie Bad Aibling, Bruckmühl, Kolbermoor oder Prien komme das Umweltmobil dreimal im Jahr, in Wasserburg gar viermal, so Gaßner-Nickl. „Die Termine werden jeweils zu Jahresbeginn per Postwurfsendung an alle Haushalte bekannt gegeben“, sagt sie. Zudem seien die Termine in der Abfall-App des Landkreises abrufbar.

Wer nicht auf die entsprechenden Termine warten möchte, könne Problemabfälle aller Art darüber hinaus einmal monatlich beim Betriebshof der Landkreismüllabfuhr in Raubling entsorgen.

Etwas einfacher verhalte es sich bei den mengenmäßig bedeutendsten Problemabfällen wie Farben, Lacke, Trockenbatterien und Altöl. Sie könnten bei den gemeindlichen Wertstoffhöfen abgegeben werden. Klar ist: Abgegebene Problemabfälle weisen im Landkreis eine nennenswerte Gesamtmenge auf. So wurden im Jahr 2023 insgesamt rund 223 Tonnen Problemabfälle bei den Annahmestellen erfasst und einer umweltschonenden Beseitigung beziehungsweise Verwertung zugeführt, teilt Gaßner-Nickl mit.

Im Übrigen werden jene Abfälle anschließend analysiert, im Problemmüllzwischenlager in Raubling verpackt, deklariert und zum Transport verladen. Den größten Anteil der Problemabfälle macht im Landkreis Rosenheim Altöl mit rund 71 Tonnen aus, gefolgt von Farben und Lacken mit fast 47 Tonnen und Batterien mit rund 41 Tonnen (Betrachtungsjahr 2023). Einen vergleichsweise geringen Anteil übernimmt dabei angesprochenes Quecksilber mit 0,06 Tonnen.

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