Zwischen Glauben und Zweifel in der „Hinterweltsboazn“

von Redaktion

Edelweißverein Bad Feilnbach begeistert mit Dreiakter – Theaterstück verbindet Unterhaltung und Nachdenklichkeit

Bad Feilnbach – Die Theaterer vom Edelweißverein Bad Feilnbach sind für ihre heiteren und gleichermaßen nachdenklichen Stücken weithin bekannt. Dazu gehört aktuell die Komödie in drei Akten von Heidi Faltlhauser „Hinterweltsboazn“, die den Heimgartensaal kürzlich bis auf den letzten Platz füllte.

Das Zitat des Philosophen und Theologen Thomas von Aquin „Für jemanden, der Glauben hat, ist keine Erklärung erforderlich. Für einen Menschen ohne Glauben ist keine Erklärung möglich“ könnte durchaus zum Dreiakter der in München geborenen Autorin Heidi Faltlhauser passen. Vor allem lässt das unter der Regie von Konrad Kriechbaumer und Elisabeth Dostthaler hervorragend inszenierte Stück am Ende manche Fragen offen, was zwischen Sterben und Übergang ins himmlische Paradies oder Verdammnis in der Hölle geschieht. Über den Sinn des Lebens, Sterbens und des Lebens danach macht sich zu Beginn eines jeden Aktes Lisi Dostthaler als Leichenfrau Gedanken – und findet keine Antwort.

In der Situation an der Schwelle vom irdischen Dasein in die nächste Welt befinden sich die unentwegt betende und zwiedere Pfarrersköchin Annamierl (Martina Wottka), die junge und liebenswerte Bedienung Lilli „Katharina Reger“, Gelegenheitsarbeiter und Gauner Rudi (Martin Stadler) und der gewissenhafte Buchhalter Blasius (Stephan Oberprieler). Allesamt sind kleine Sünder, die Zwischenstation in einer „Hinterweltsboazn“ einlegen. Es ist ein alles andere als gemütlicher und einladender Ort, an dem keiner lange bleiben möchte.

Vor allem hadern die vier „gestorbenen“ Protagonisten mit dem Grund ihres Aufenthalts in der Boazn und suchen nach Lösungen, um von dort wegzukommen. Hilfe erhoffen sie vom scheinbar einfältigen und stotternden Hausl (Hausierer) Nepomuk (Alois Huber). Allerdings vergeblich. Auch die niemals nüchterne, alkoholabhängige und resolute Wirtin der Boazn (Gitti Rasp) mit ihrer Lebenseinstellung „I woaß nix, i sog nix, i hoit mei Gosch!“ erweist sich als nicht ergebnisbringende Stütze.

Auf bestechende Art und Weise brachten die exzellent besetzten Darsteller schauspielerisches Können und Leidenschaft fürs Theater zum Ausdruck. Verschiedene Szenen gaben Anlass zum Grübeln und Nachdenken, aber auch zum gehörigen und gesunden Massieren der Lachmuskeln. Belohnt wurden manche herzerfrischende Stellen mit Szenenapplaus sowie die gesamte Inszenierung einschließlich meisterhaft gelungenes Bühnenbild und Bühnentechnik mit lang anhaltendem Schlussapplaus.

Peter Strim

Aufführungen

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