Eine musikalische Schicksalsgemeinschaft

von Redaktion

75 Jahre Adventssingen Hinrichssegen – Wie die Tradition einst ihre Anfänge nahm

Bruckmühl – Am Sonntag, 30. November, findet um 17 Uhr am „Großen Stern“ im Ortsteil Hinrichssegen das traditionelle Adventssingen statt, heuer zum 75. Mal. Ins Leben gerufen wurde es von Max Klose, dem sangesfreudigen Werkmeister der damaligen Tuchfabrik, die 1950 eröffnet worden war.

Ein Teil der Hinrichssegener Siedlungshäuser war seinerzeit bereits errichtet und bezogen. Gerd Schodlok, der Vorsitzende des veranstaltenden „Sozialwerks Hinrichssegen“, schildert, dass ein kleines Häuflein von Menschen, die nach Flucht und Vertreibung aus ihrer Heimat hierher versprengt worden waren, an diesem Ort unter einem Lichterbaum zusammenkamen. Als neue Schicksalsgemeinschaft wollten sie miteinander die Adventszeit einsingen, wie sie es aus der alten Heimat kannten.

Weihnachtsgebäck
erfreut die Kinder

Bereits 1951 folgte die Gründung der Singgemeinschaft Hinrichssegen. Dieser Chor gestaltete unter seinem Dirigenten Professor Ernst Hauser weit über 20 Jahre lang den musikalischen Teil des Adventssingens. Organisator dieser Veranstaltung wurde der Vorsitzende des Chores, Kurt Milde, der jedes Jahr mit seiner Adventsansprache die Menschen zum Nachdenken anregte. Er regte zudem an, dass jede Familie einen Beutel mit Äpfeln, Nüssen und Weihnachtsgebäck zum Lichterbaum mitbrachte, welche dann an die sehnsuchtsvoll wartenden Kleinen verteilt wurden. Nach der Eröffnung des Kindergartens wurden diese Beutel durch zusätzliche Gaben von Tuchfabrik und Sozialwerk ergänzt und vom Nikolaus verteilt.

Auflösung nach
Schließung der Fabrik

Nach der Schließung der Tuchfabrik 1971 und der darauffolgenden Auflösung der Singgemeinschaft übernahm deren langjähriges Mitglied, Anni Wallner, mit dem Kirchenchor Heufeld für mehr als drei Jahrzehnte die musikalische Gestaltung des Adventssingens. Die heute 87-Jährige erinnert sich: „Ich habe seit 1956 den Chor der Kirche St. Korbinian geleitet und wir sind gern für die musikalische Gestaltung des Adventssingens eingesprungen. Alle Chormitglieder waren stets mit Begeisterung dabei.“

Weiter führt sie aus: „Später kam der Heufelder Kinderchor dazu und er hat viel Freude und Frische reingebracht.“ 2008 gab sie den Stab an ihren Sohn Markus weiter. Unterstützt wurde sie in all diesen Jahren von den Heufelder Bläsern, anfangs unter der Leitung von Joseph Wagner, gefolgt von Josef Dumberger, ohne deren Mitwirkung diese Veranstaltung auch nicht mehr vorstellbar wäre.

1973 übernahm das Sozialwerk Hinrichssegen mit dem damaligen Vorsitzenden Hans Schodlok die Organisation des Adventssingens. Er ergänzte die musikalischen Beiträge durch adventliche Gedichte, vorgetragen von Kindern und Jugendlichen des Diabetiker-Jugendhauses. Nach dem Tod von Hans Schodlok übernahm sein Sohn Gerd Schodlok ab 2007 dieses Ehrenamt bis zum heutigen Tage. Auf dessen Bitten hin wirkte Hans Schnitzlbaumer mit den Goldbachzeiserln für zwei Jahre mit, bevor ab 2009 wieder der Heufelder Kinderchor (Leitung: Anni Heigl) und seit 2012 auch Tina Hermanns mit ihren Göttinger Chorkindern einen wichtigen Teil dieses Adventssingens übernahmen. 2017 richtete der evangelische Pfarrer Harald Höschler erstmals besinnliche Worte an die Besucher des Adventssingens, was sein Nachfolger Andreas Strauß bis heute beibehält.

Einen wichtigen Beitrag leistet seit Jahrzehnten die Familie Plank, die sich als stille Mitwirkende um die Beschallung kümmert und unzählige Jahre auch für die Beleuchtung des Baumes verantwortlich war. „Auch unser Lichterbaum weist eine abwechslungsreiche Geschichte auf“, erzählt Gerd Schodlok und fügt hinzu: „Anfangs wurde er Jahr für Jahr von der Tuchfabrik beschafft, später stellte die Familie Wiedhammer eine Fichte auf ihrem Grundstück zur Verfügung, die über lange Zeit zum weihnachtlichen Wahrzeichen Hinrichssegens wurde, bis ein Hagelschlag 2003 diesen Prachtbaum zerstörte. Danach spendeten uns viele Jahre die Bayerischen Staatsforsten auf Vermittlung von Förster Hans Mitterhuber schöne Tannen und Fichten. Seit einigen Jahren werden uns auch Bäume von Mitbürgern aus dem Gemeindebereich gespendet.“

Marktgemeinde
übernimmt den Transport

Eine besondere Spenderin tritt heuer in Aktion: Die Enkelin des Gründers Max Klose stellt zum 75. Jubiläum den Baum zur Verfügung. Seit geraumer Zeit übernimmt die Marktgemeinde Bruckmühl den Transport und die Aufstellung des Baumes sowie die Anbringung des Lichterschmucks und anfallende Stromkosten.

Neben den musikalischen Darbietungen der Musikgruppen können sich die Besucher auch am kulinarischen Programm erfreuen. Am Stand des Pfarrgemeinderats Heufeld gibt es Glühwein und Gebäck, und seit 2014 bietet die Handicap-Sportgruppe des SV DJK Waffeln an. „Die Erlöse dieser Stände dienen gemeinnützigen Zwecken“ betont Gerd Schodlok.

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