Ein Mädchen gibt dem Schicksal von Millionen ein Gesicht
Gymnasium Bad Aibling zeigt bewegende Ausstellung – Vortrag von Historiker Götz Aly als Höhepunkt
Bad Aibling – Das Gymnasium Bad Aibling präsentiert von Mittwoch, 10. Dezember, bis 16. Freitag, 16. Januar, die Wanderausstellung „Geliebte Gabi – Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz“. Die Schau, die schon im Bayerischen Landtag sowie im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg zu sehen war, wird nicht nur den eigenen Schülern, sondern ausdrücklich auch den umliegenden Schulen zugänglich gemacht. Auch für die Öffentlichkeit wurden Besuchsmöglichkeiten eingerichtet.
Im Zentrum der Ausstellung steht das Schicksal des kleinen Mädchens Gabriele Schwarz-Eckart, geboren 1937. Das Kind mit jüdischen Wurzeln wuchs in einer katholischen Pflegefamilie im Allgäu auf und erlebte eine behütete, unbeschwerte frühe Kindheit. Trotz ihrer Taufe wurde sie im Alter von fünf Jahren vom nationalsozialistischen Regime aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus der Familie gerissen und in Auschwitz ermordet.
Die dichte Dokumentation dieses kurzen Lebens macht es möglich, den Millionen Opfern des nationalsozialistischen Terrors stellvertretend ein Gesicht zu geben. Für junge Menschen entsteht ein eindringlicher Zugang zu einem Kapitel der deutschen Geschichte, das in Schulbüchern oft abstrakt bleibt. „Die Ausstellung hilft unseren Schülerinnen und Schülern, die emotionale Distanz zur Vergangenheit zu überwinden“, betont Schulleiter Mark Lörz.
Ein besonderes Angebot richtet sich an Schulklassen der gesamten Region: Der Eintritt sowie Führungen durch die Ausstellung sind kostenlos. Die Buchung eines Termins für Schulen ist unter der Telefonnummer 08061/90680 möglich.
Während den Unterrichtszeiten ist die Ausstellung den Schulen vorbehalten. „Wir wollen die Ausstellung aber auch der Öffentlichkeit zugänglich machen“, betont Lörz. Daher steht die Schule an den drei Samstagen, 13. Dezember, 20. Dezember und 10. Januar 2026 von 11 bis 14 Uhr für alle Interessierten offen. Auch hier ist der Eintritt frei.
Ein weiterer Höhepunkt ist der Besuch des Historikers und Publizisten Götz Aly, einem der bekanntesten deutschen NS-Forscher. Aly wird am Montag, 15. Dezember, ab 18 Uhr am Gymnasium Bad Aibling aus seinem kürzlich erschienenen Werk „Wie konnte das geschehen? – Deutschland 1933 bis 1945“ lesen.
Der Wissenschaftler beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der zentralen Frage, wie es möglich war, dass ein Volk, das vor 1933 nicht krimineller und nach 1945 nicht gewaltbereiter als seine Nachbarn war, einem systematischen Massenmord zulassen konnte und auch daran mitwirkte.
Schulleiter Lörz zeigt sich stolz, die Ausstellung und den hochrangigen Vortrag nach Bad Aibling holen zu können: „Für unsere Region ist das eine außergewöhnliche Gelegenheit.“