Adventskranz mit Meditation und Genuss

Der Festsaal wurde an diesem Tag zu einer Adventskranzwerkstatt. Foto Fleckenstein

Der Festsaal wurde an diesem Tag zu einer Adventskranzwerkstatt. Foto Fleckenstein

Ein alter Brauch lebt wieder auf: Beim Großen Wirt in Bruckmühl binden 15 Teilnehmer ihre Adventskränze selbst. Bei Glühwein und Plätzchen entstehen Unikate, die anschließend mit einem festlichen Menü gefeiert werden.

Von Tom Fleckenstein

Bruckmühl – Frische Tannenzweige verströmten ihren Duft, während Weihnachtsmusik erklingt. Kürzlich herrschte im Festsaal beim Großen Wirt in Kirchdorf (Bruckmühl) eine ganz besondere Atmosphäre. Das Wirtshaus verwandelte sich in eine Adventswerkstatt – mit einem kulinarischen Höhepunkt.

Hochkonzentriert gingen die 15 Teilnehmer an einer langen Tafel zu Werk. 13 Frauen und zwei Männer hatten sich vorgenommen, ihren Adventskranz dieses Jahr selbst zu gestalten. Denn kaufen kann jeder. Am Ende winkte zur Belohnung nicht nur der individuell gestaltete Schmuck für die Stube zu Hause, sondern auch ein schmackhaftes Drei-Gänge-Menü.

Persönliche Kunstwerke
und Rituale

Regina Huber vom Gasthaus schneidet den Rohstoff klein, die Tannenäste fühlen sich flauschig weich an. Ihre Tochter Magdalena bringt Glühwein und alkoholfreien Punsch. Der Große Wirt wird seit über 120 Jahren von der Familie Huber betrieben. Sie lassen den uralten Brauch des Adventskranzbindens wieder aufleben. „Gemeinsam macht es doch viel mehr Spaß“, sagt Magdalena und stellt noch ein paar selbst gemachte Platzerl auf den Tisch.

Wie beim Bergsteigen sind hier alle per Du. Margit legt die Tannenzweige sorgfältig in Bündeln um den Rohling aus Stroh und bindet sie mit dem Draht fest. Für die Bruckmühlerin gehört die Arbeit zum festen Ritual. „Das ist wie Meditieren.“ Für die Veranstaltung konnte sie ihre Tochter Anna begeistern, die zum ersten Mal den Kranz selbst gestaltet. „Viel besser als kaufen“, sagt sie, „man kann sich kreativ austoben.“

Michele ist neben dem Autor der einzige Mann im Raum. „In Sardinien, wo ich herstamme, gibt es keinen Adventskranz“, erzählt er, während er sein rundes Kunstwerk mit Engeln aus Holz verziert. „Wir haben eine lange Tradition mit Krippen. Neapel ist dafür weltberühmt.“

Interessiert hören Gerti und ihre Schwester Moni zu. Sie sind aus Kirchseeon angereist und gehören wie viele hier zu den Stammgästen. Sie schätzen die Küche beim Großen Wirt. „Der Benno kocht wunderbar. Heute gibt es Rehragout“, verraten sie. Mit dem Heißkleber befestigen sie die Kerzen sowie Sterne und kleine Kiefernzapfen. Profis wie Margit schwören auf Bienenwachskerzen: „Das ist nachhaltig und riecht auch besser.“

Um 18 Uhr sind die meisten Adventskränze fertig gebunden. Ob große oder kleine Kerzen, grün oder rot, mit Schleifen und Nikolaus oder ganz schlicht – jeder Adventskranz ist anders. Alle Teilnehmer des kleinen Workshops strahlen über ihr Kunstwerk. „Ich freu mich schon, wenn ich die erste Kerze anzünden kann“, sagt Marianne. Die Bruckmühlerin hat vor langer Zeit beim Großen Wirt gearbeitet: 1972, als die Gästezimmer für die Olympiade hergerichtet wurden. Den Kranz will sie einer älteren Dame aus der Gemeinde schenken, deren Mann vor Kurzem verstorben ist.

Auf dem Schild über dem Eingang beim Großen Wirt steht: „Gästezimmer, Brennerei, Oldtimer.“ Benno Huber zeigt vor dem Abendessen noch kurz seine Sammlung von Motorrädern. Das älteste stammt von der französischen Marke „Motobecane“ und ist über 100 Jahre alt, Baujahr 1922.

Am meisten hängt Benno jedoch an der „Miele“ aus den 1930er-Jahren. Tatsächlich hat „Miele“ einmal Motorräder gebaut, bevor die Firma sich auf Waschmaschinen spezialisierte. „Alle fahren einwandfrei“, berichtet er stolz. Die guten Stücke repariert und restauriert er selbst in seiner Werkstatt. Manchmal kommen Gäste mit ihren Oldtimern vorbei und drehen dann eine Runde über den Tatzelwurm am Sudelfeld.

Im Januar brennt Benno normalerweise den Hausschnaps. Obstler und Williamsbirne. Doch dieses Jahr war die Ernte zu mager. Zum Glück stehen noch Flaschen im Keller.

In der Küche steht unterdessen sein Sohn Benno am Herd und bereitet das Drei-Gänge-Menü für die glücklichen, aber erschöpften Adventskranzmacher. Als Vorspeise gibt es Rote-Bete-Tatar mit kross gebratenem Grünkohl, danach ein sanft geschmortes Reh und als Nachspeise ein selbst gemachtes Honigeis mit Pistazien, Kürbis und Karamellschnitte.

Ein Ort des
Zusammenkommens

Benno hat sein Handwerk in der Sterne-Gastronomie gelernt. Jetzt wagt er mit großem Erfolg den Spagat zwischen gehobener Gastronomie und traditioneller Wirtshauskost. Der Schweinsbraten darf dabei nicht fehlen. Alles stammt aus der Region, und die meisten Zutaten baut er selbst an.

Und so ist der Große Wirt in der Gemeinde Bruckmühl immer noch ein Treffpunkt für viele Vereine und Stammtische. Jetzt beginnt im Gasthaus die anstrengendste Zeit mit zahlreichen Weihnachtsfeiern. Umso wichtiger ist es daher auch für die Wirtsfamilie, zwischendurch einmal durchzuschnaufen.

Dann sitzen sie bei Kaffee und Platzerl um den Adventskranz. Der jüngste Spross in der Wirtsfamilie, Bennos zweiter Sohn Gustl, wurde am ersten Advent eine Woche alt. Für den Chefkoch in der Familie und seine Frau Andrea ist er jetzt schon das größte Weihnachtsgeschenk.

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Samstag, 11. Juli 2026
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