Amtskette gegen Bischofsmütze getauscht
Kolpingvorsitzender Franz Besel (links) überreichte Bürgermeister Stephan Schlier die „Dienstkleidung“ für seinen Nikolaus-Einsatz. Foto Kotter
Spontane Hilfszusage bei Friseurbesuch – Bürgermeister Stephan Schlier kommt als Nikolaus
Bad Aibling – Eigentlich wollte sich Bürgermeister Stephan Schlier im Friseurgeschäft von Monika Stacheder in Bad Aibling nur die Haare schneiden lassen. Den Salon verließ er letztlich nicht nur mit einem gepflegten Schnitt, sondern auch seiner Zusage für die Übernahme eines Ehrenamtes, auf das sich das Stadtoberhaupt sehr freut. Der Rathauschef tauscht am Samstag, 6. Dezember, die Amtskette gegen ein Nikolausgewand und verstärkt die Schar der Kolping-Nikoläuse, die alle Jahre in der Stadt und der näheren Umgebung Familien besuchen und um Spenden für einen guten Zweck bitten.
Insgesamt acht Termine im Stadtgebiet, in Großkarolinenfeld, Lohholz, Ellmosen und Willing weist Schliers „Dienstplan“ aus. Auf den Nikolausdienst kam Stacheder mit dem Bürgermeister bei dessen Friseurbesuch deshalb zu sprechen, weil sie seit vielen Jahren den Einsatz der Heiligen für die örtliche Kolpingsfamilie organisiert, der auch der Bürgermeister angehört. „Der hat sich nach dem Stand der Vorbereitungen erkundigt. Da habe ich ihm erzählt, dass wir wie immer viele Anfragen, aber heuer einen Engpass bei den Nikoläusen haben. Und dann hat er spontan seine Hilfe angeboten“, berichtet Stacheder, die sich sehr über das Engagement des Bürgermeisters freut.
Auch die eigenen Kinder
sind schon gespannt
Unerfahren ist Schlier in diesem Metier keineswegs. Lange bevor er an die Spitze des Aiblinger Rathauses gewählt wurde, war er in früheren Jahren schon als Kolping-Nikolaus unterwegs. „Das hat mir damals schon Spaß gemacht. Da habe ich auch Erfahrungen gesammelt, die ich jetzt bestimmt gut gebrauchen kann“, ist er überzeugt. Ob er der einzige Landkreis-Bürgermeister ist, der als Nikolaus Familien besucht, kann er nicht mit Gewissheit sagen, aber: „Mir ist zumindest nicht bekannt, dass jemand aus dem Kollegenkreis ebenfalls als Nikolaus unterwegs ist.“
Die Kolping-Nikoläuse sind an zwei Tagen im Einsatz. Dass Schlier nur in „Teilzeit“ zur Verfügung steht, hat einen einfachen Grund. Er ist selbst junger Familienvater und erwartet zusammen mit seiner Ehefrau Verena und den beiden Töchtern Veronika (4) und Sophia (2) am 5. Dezember den Besuch des Heiligen bei sich zu Hause. „Veronika hat im Kindergarten und beim Kindergottesdienst schon vom Nikolaus gehört und ist schon ganz gespannt auf ihn. Sophia ist noch zu klein, um sich vorab eine Vorstellung vom Nikolaus zu machen“, erzählt Schlier.
Dass der eigene Vater mit Bischofsmütze und Rauschebart vor seinen beiden Töchtern steht, war für die Familie Schlier allerdings nie eine Option. Nicht nur deswegen, weil sich der Bürgermeister als Vater auf die Rolle des Beobachters bei diesem besonderen Ereignis im jungen Leben seiner Töchter beschränken möchte. „Da wäre natürlich auch die Gefahr zu groß, dass sie mich vielleicht doch an der Stimme erkennen“, nennt er den Hauptgrund für diese Zurückhaltung. Denn den Glauben, dass an diesem Tag ein heiliger Mann vom Himmel zu Besuch kommt und Geschenke mitbringt, den will Schlier seinen Kindern noch eine Zeit lang belassen.