Personelle Engpässe im „KiWest“
Im Kindergarten „KiWest“ gibt es teilweise eingeschränkte Öffnungszeiten (Symbolbild). Foto dpa
Bürgerversammlung Kindergarten und Parkplätze beschäftigen Feldkirchen-Westerham
Feldkirchen-Westerham – Maximilian Wiedemann hatte in der Bürgerversammlung von Feldkirchen-Westerham einige Anträge an die Gemeinde. Darunter war auch der Wunsch nach einer Verbesserung der Personalsituation im Kinderhaus Westerham (KiWest). Denn so gehe es nicht mehr weiter. „In den vergangenen Monaten kam es wiederholt zu personellen Engpässen, die teilweise zu eingeschränkten Öffnungszeiten und zur Überlastung des bestehenden Teams führten“, so Wiedemann. „Diese Situation gefährdet die pädagogische Qualität, die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden sowie die Verlässlichkeit der Betreuung für die Familien.“ Er fordert die Gemeinde auf, sowohl zur Personalsituation als auch zu den „Hintergründen der vielen Kündigungen endlich Stellung“ zu beziehen.
Maßnahmen
wurden ergriffen
Dass die Situation so ist, wie Wiedemann schildert, bestätigt Bürgermeister Johannes Zistl. Mehrfach seien Führungskräfte und eine stellvertretende Leitung gesucht und neu eingestellt worden. Anfang des Jahres habe dann alles gut ausgesehen. Bis sich die neue Leitung aus persönlichen Gründen wieder verabschiedete. Zistl könne deshalb den Antrag von Wiedemann gut verstehen.
„Was mir als Bürgermeister und als Träger der Kindertageseinrichtungen bewusst ist, ist, dass hier natürlich ein hohes Vertrauen notwendig ist“, sagt er. „Man gibt das Wertvollste, was man hat, nämlich seine Kinder, in die Betreuung, und wünscht sich, einen
festen Ansprechpartner und eine Vertrauensperson, die nicht ständig wechselt.“ Als Familienvater könne er verstehen, dass es schlimm sei, wenn man sein Kind nicht in die Einrichtung bringen kann, weil es zu wenig Personal gibt.
Was genau hinter den Schließungszeiten und den personellen Engpässen vom KiWest steckt, erklärt Ines Bertozzi, geschäftsleitende Beamtin und Trägervertretung der Kindertageseinrichtungen. Hinsichtlich der einzelnen Kündigungen im KiWest kann Bertozzi keine Erklärung abgeben. Diese Daten sind vertraulich und unterliegen dem Datenschutz.
Um die Betreuungssituation zu entlasten und zu stabilisieren, dazu habe man einige Maßnahmen ergriffen. So finden unter anderem viermal im Jahr Treffen der Leitungen und Trägervertreter mit einer Fachberatung zur Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung statt. Außerdem können alle Einrichtungen jederzeit Fachberatung, Supervision, Einzelcoaching und Gruppencoaching in Anspruch nehmen. „Aus jedem Bereich darf nur ein Mitarbeiter gleichzeitig Urlaub nehmen“, erklärt Ines Bertozzi. So können sich die Einrichtungen bei Personalmangel gegenseitig helfen.
Zudem wurde ein Organisationskonzept bei Personalmangel entwickelt, welches wie eine Ampel aufgebaut und für die Eltern einsehbar ist. Ist die Ampel auf Grün, bedeutet das, dass vom Personal keiner ungeplant fehlt. „Dann gibt es Orange, wo man sagt: Okay, der Krankenstand ist relativ hoch“, so Bertozzi. „Und dann gibt es noch Rot, da wissen die Eltern, dass es eng ist und Maßnahmen zu erwarten sind.“ Über diese werden die Eltern frühzeitig informiert.
„Wir haben auch psychische Gefährdungsbelastungen ermittelt und einen Maßnahmenplan erarbeitet, der umgesetzt wird“, sagt Bertozzi. Zudem werden auch Gespräche mit Mitarbeitern geführt, die „auffällig häufig erkranken“. „Ich möchte betonen, dass der Gemeinderat einen sehr guten Anstellungsschlüssel beschlossen hat“, so Bertozzi. „Nur durch diesen grundsätzlichen überdurchschnittlichen Anstellungsschlüssel in den Kitas ist es im Moment möglich, dass alle Gruppen geöffnet werden können, denn wir haben aktuell einen gewissen personellen Engpass und einen hohen Krankenstand.“
Nicht nur Maßnahmen gegen Kündigungen wurden ergriffen, sondern auch die Gewinnung von Fachkräften. „Seit September letzten Jahres haben wir 87 eingegangene Bewerbungen verarbeitet und 33 Einstellungen umgesetzt“, sagt Ines Bertozzi. „Im gleichen Zeitraum haben uns 16 Kündigungen erreicht in allen vier Einrichtungen und zwei Renteneintritte.“ Für die Gewinnung von Fachkräften werden nun auch Quereinsteiger übernommen.
Gibt es „eingeschränkte Öffnungszeiten“?
Und wie sieht es mit den „eingeschränkten Öffnungszeiten“ aus, die Maximilian Wiedemann erwähnte? Stunden, in denen die Einrichtung KiWest aufgrund von unplanmäßigen Situationen vollständig geschlossen werden musste, hat es in diesem Jahr kaum gegeben, erklärt Bertozzi. „In der Krippe wurde zum Beispiel am 31. Januar ab 14 Uhr geschlossen. Die reguläre Öffnungszeit ist bis 16 Uhr.“ Auch im März habe die Krippe einmal etwas früher schließen müssen.
„Im Mai, Juni und Juli hatten wir tatsächlich eine schwierigere Phase, wo wir nochmals Personal gesucht haben“, sagt Bertozzi. „Da waren es 4,7 Prozent an geschlossenen Stunden, wo wir wirklich nachmittags zu hatten“, sagt Bertozzi. Sie betont, dass das KiWest nie für einen ganzen Tag schließen musste. Eher gab es vereinzelte Tage, an denen die Einrichtung ab 14 oder 15 Uhr frühzeitig schließen musste. Seit August hat sich diese Situation allerdings beruhigt. Frühzeitige Schließungen gab es seitdem nicht mehr.