Familie Kuhn plant Großes
Haben in Feldkirchen-Westerham viel vor: (von links) Cornelia und Martin Kuhn mit ihrem Sohn Valentin Kuhn. Foto Paul Günther Photodesign
Familie Kuhn plant in Feldkirchen-Westerham eine neue Bäckerei im Gewerbegebiet östlich der Fritz-Krause-Straße. Neben einem Verkaufsraum mit Café soll dort auch eine Backstube entstehen. Dahinter steckt eine besondere Idee.
Feldkirchen-Westerham – Es ist ein Unternehmen, das nun schon in fünfter Generation betrieben wird: die Bäckerei und Konditorei Kuhn. Von München bis zum Tegernsee gibt es insgesamt zwölf Filialen, in denen jeden Tag frische Semmeln, Brezen und verschiedene Brotsorten verkauft werden. Eine Filiale gibt es auch in der Westerhamer Straße in Feldkirchen-Westerham. Nun will die Familie Kuhn eine weitere Filiale mit Backstube bauen – und zwar im Gewerbegebiet östlich der Fritz-Krause-Straße. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellten Vater und Sohn vor, was sie genau vorhaben.
Familienunternehmen will
„zukunftsfit“ werden
Martin Kuhn (56) ist Bäckermeister mit Leib und Seele. Zusammen mit seiner Frau Cornelia und den Kindern Valentin und Regina führt er den Familienbetrieb mit 170 Mitarbeitern. Zwölf Filialen gibt es bereits. Doch hierbei braucht es nun eine Veränderung. „Wir haben eine Backstube in der Kreuzstraße in Valley, die einfach schlicht und ergreifend viel zu klein ist“, erklärt Martin Kuhn. Seit 2019 seien sie auf der Suche nach einem neuen Gebäude. Nun hat die Suche ein Ende. „Wir sind froh, dass wir hier in Feldkirchen-Westerham einen Platz für unser Bauvorhaben gefunden haben“, so der Bäckermeister. Mit ihrem Bauvorhaben wollen sie viele Verbesserungen erreichen. Vor allem für ihre Mitarbeiter.
„Grundsätzlich ist es so, dass, wenn wir bauen, wir das Ganze zukunftsorientiert ausrichten wollen“, sagt Sohn Valentin. So sei mit der neuen Filiale in Feldkirchen-Westerham unter anderem geplant, 70 Prozent der Mitarbeiter aus der Nachtschicht herauszubekommen. „Man muss es sich so vorstellen, dass der Mischer, der die Teige laufen lässt, um 22.30 Uhr beginnt und der Rest der Mannschaft kommt um 23.30 Uhr“, erklärt Valentin Kuhn. Das seien unchristliche Arbeitszeiten.
Dass man mehr in die Tagschicht gehen möchte, hat noch einen anderen Grund. Das Familienunternehmen will „zukunftsfit“ werden, um auch mehr junge Leute einstellen zu können, die laut dem Arbeitsschutzgesetz aber nachts nicht arbeiten dürfen. Und das ist für die Familie ein Problem, schließlich sind sie auch ein Ausbildungsbetrieb. Vor allem Valentin Kuhn ist an der Ausbildung beteiligt. Und die ist dem jungen Mann sehr wichtig: „Wir sind in unserem Betrieb noch wahnsinnig handwerklich und arbeiten zum Beispiel mit ganz vielen verschiedenen Sauerteigen. Und genau dieses Wissen, das ich habe, das möchte ich gerne jungen Menschen weitergeben“, sagt Valentin Kuhn. Aber das sei nur in einer Tagschicht und in den entsprechenden Räumlichkeiten möglich. Mit dem neuen Standort in Feldkirchen-Westerham könne das realisiert werden.
Wie genau die neue Filiale mit Backstube aussehen soll, darüber hat sich die Familie wohl viele Gedanken gemacht. „Wir haben grundsätzlich ein Wahrnehmungsproblem mit unserem Standort in der Kreuzstraße“, sagt Martin Kuhn. „Wir sind dort relativ versteckt, und unsere Kunden fragen: Wo produziert ihr denn eigentlich?“ Für ihren neuen Standort legte die Familie deshalb viel Wert auf Sichtbarkeit für die Kunden. Deshalb soll die neue Backstube mit einem Verkaufsladen und Café gepaart werden. „Wir wollen, dass die Kunden vom Laden in die Backstube hineinschauen können“, so der Bäckermeister. Damit wolle man den Kunden den handwerklichen Beruf wieder näherbringen. Und vielleicht auch den ein oder anderen jungen Menschen für diese „schöne Tätigkeit“ gewinnen.
Bei der Vorstellung, wie das neue Gebäude aussehen könnte, fällt sofort das Dach auf. „Mit dem ansteigenden Verlauf der Dachform können die entstandenen Dämpfe, die sich beim Backen entwickeln, in einer physikalischen Lösung über die Fenster oben einfach entlüften“, erklärt Martin Kuhn. Damit kann das Familienunternehmen an teuren Lüftungsanlagen sparen. Zudem wird ein Teil der Halle zweigeschossig, der andere bleibt eingeschossig mit hohen Wänden. Was für die Familie Kuhn auch für den Standort in der Fritz-Krause-Straße spricht, ist die gute Anbindung an den Bahnhof. Damit hätten die Mitarbeiter einen kurzen Weg von den Zügen zur Arbeitsstelle.
Für Michael Günzl von den Grünen bleiben zwei Fragen noch offen. Zum einen, woher der Strom kommen soll, und zum anderen, ob mit dem neuen Standort die Filiale in der Westerhamer Straße trotzdem weiterhin offenbleiben wird. Die Familie Kuhn stellt klar, dass diese Bäckerei erhalten bleiben soll. Für die Zukunft wolle man sich noch ein wenig vergrößern. Bereits 2026 sollen drei weitere Filialen an unterschiedlichen Standorten entstehen. Die verschiedenen Backöfen will die Familie Kuhn aufgrund des hohen Energiebedarfs mit Öl oder Gas beheizen. Aber auch PV-Anlagen sind für die weitere Stromversorgung geplant. Außerdem wären eine Energieerzeugung aus der Abwärme der Kühlungen sowie eine Wärmerückgewinnung aus Rauchgas möglich.
Zuspruch von
den Gemeinderäten
Josef Kammerloher (Pro Bürger) fragte nach, ob die Bewohner in der Nähe der zukünftigen Bäckerei vielleicht „irgendwelche Geruchsbelästigungen“ zu erwarten hätten. „Der Brotduft ist wasserdampfgeschwängert, und Wasserdampf verflüchtigt sich relativ schnell“, antwortet der Bäckermeister.
Von dem Projekt zeigte sich auch der Rathauschef begeistert. „Ich freue mich, dass ihr als Familienunternehmen in die nächste Generation investieren wollt, und ich finde es klasse, dass ihr zeigt, was hinter diesem Handwerk steckt“, sagt Johannes Zistl (OLV). Dem Antrag für die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans stimmte der Gemeinderat einstimmig zu. Und auch dem Antrag, dass die Kosten der Bauleitplanung, einschließlich aller erforderlichen Gutachten, vollständig über einen städtebaulichen Vertrag auf den Antragsteller umgelegt werden, wurde einstimmig zugestimmt.