Besinnliche Lieder und Kritik an der Formulierung „Kriegstüchtigkeit“
Theresia Englhart freute sich über den Besuch des Kriegsteilnehmers Josef Heller. Foto Stache
Adventsfeier des VdK Tuntenhausen mit Erinnerungen und mahnenden Worten – Kriegsteilnehmer Josef Heller unter den Gästen
Tuntenhausen – Fast wie eine große Familie kamen die Mitglieder des örtlichen VdK in der Mehrzweckhalle zu einer stimmungsvollen Adventsfeier zusammen. Besonders eindrucksvoll war die Anwesenheit eines Zeitzeugen schlimmer Ereignisse. Vorsitzende Theresia Englhart freute sich über den Besuch von Bürgermeister Georg Weigl, der Senioren- und Behindertenbeauftragten Erika Zimmert, Kreisgeschäftsführer Dietrich Mehl und Ehrenvorstand Ferdinand Edfelder.
Ganz besonders freute sich Englhart aber über den Besuch eines 98-jährigen Mitglieds, Josef Heller aus Biberg. Heller ist nicht nur Mitglied des VdK, er ist auch der älteste männliche Bürger der Gemeinde Tuntenhausen. Der Senior beeindruckte mit geistiger Frische und suchte sofort das Gespräch mit seinen Tischnachbarn. „Menschen seines Alters bezeichnet man gerne als Zeitzeugen“, erinnerte die Vorsitzende.
Heller berichtete auch von seinen Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs – von den vielen Schutzengeln, die er gebraucht habe, bis hin zu Momenten größter Angst. Trotz dieser prägenden Erfahrungen habe er seinen Humor nie verloren. So erzählte er mit einem Augenzwinkern: „Ich habe 1958 nach Biberg geheiratet – und dann ist ganz Biberg ,Heller‘ geworden.“
Bevor es aber zum adventlich beschaulichen Teil des Nachmittags ging, bedankte sich Englhart bei ihren Vorstandskollegen für die gute Zusammenarbeit. Ein Beweis dafür ist auch wieder der sehr große Erfolg bei der VdK-Sammlung „Helft Wunden heilen“. „Wir sind wieder an der Spitze im Landkreis“, sagte die Vorsitzende voller Stolz.
Bürgermeister Weigl hob in seinem Grußwort die Bedeutung solcher Zusammenkünfte hervor. In einer Zeit, in der Weihnachtsfeiern rarer würden, sei deshalb das gemeinsame Miteinander besonders wichtig. Mit Blick auf weltweite Konflikte erinnerte er an den Wert des Friedens. Der Zeitzeuge Josef Heller, einer der letzten beiden noch lebenden Kriegsteilnehmer der Gemeinde, stehe eindrucksvoll dafür, welche Schrecken ein Krieg hinterlasse, so Weigl.
Kreisgeschäftsführer Dietrich Mehl fand die Mitgliederzahl von 310 des Ostermünchner Verbandes beachtenswert, genauso wie die des Kreisverbandes Rosenheim mit über 11.500. „Das zeigt, dass der VdK auch in der heutigen Zeit mehr denn je gebraucht, wird“, betonte Mehl. Und er verwies auch darauf, dass der Verband einst als Friedensverband für die Kriegsopfer gegründet wurde. Deshalb verurteilte er auch das aktuelle Wort der „Kriegstüchtigkeit“, das die Politik häufig verwendet – vielmehr müsse man den Frieden bewahren.
Anschließend startete das Musik-Duo Sebastian Ametsbichler und Jakob Zehetmayr den adventlichen Teil des Nachmittags. Dazu gab für die zahlreichen Besucher Kaffee und Kuchen. Dazwischen lasen die Senioren- und Behindertenbeauftragte der Gemeinde, Erika Zimmert, ebenso wie einige Vorstandsmitglieder, besinnliche Gedichte vor. Und natürlich durfte das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern nicht fehlen.
Für die vielen Senioren war es ein gelungener Nachmittag mit einer bunten Mischung aus Besinnlichkeit, Austausch und Erinnerung. Theresia Englhart war am Ende zufrieden: „Ich hatte heute Morgen, als es schneite, schon Angst, dass niemand kommt“, gestand sie am Ende – doch angesichts der großen Teilnahme erwies sich diese Sorge als unbegründet.