Feldkirchen-Westerham – Das Türschloss ist aufgebrochen. Ein Stück vom Dach ist abgerissen. Einige Fensterscheiben sind eingeschlagen. Arbeitsgeräte liegen verteilt im Wald. Zwischen Ästen und Sträuchern liegen leere Getränkedosen. Die Liste an Zerstörungen geht noch weiter. Für Familie Blaza ist das ein Alptraum. Ihr Bienenhaus, das in einem Waldstück nahe der Mangfall in Westerham steht, ist stark beschädigt. „Da blutet einem das Herz“, sagt die Familie gegenüber dem OVB.
Ort ist für jeden ohne
Hindernis zugänglich
Sie wissen nicht, wer für die Zerstörung an ihrem Bienenhaus verantwortlich ist. Es könne jeder gewesen sein. Schließlich steht das Holzhaus für die Bienen nicht auf einem eingezäunten Privatgrundstück, sondern nahe eines Waldes, der für jeden zugänglich ist. Dennoch ist es für Marion Blaza unbegreiflich, wie jemand so etwas tun kann.
Für sie und ihre Familie ist das Bienenhaus mehr als nur ein Unterschlupf für Insekten. „Mein Vater hat das Bienenhaus damals von jemandem übernommen“, erinnert sich Blaza. „Seit über 50 Jahren gehört es also nun schon zur Familie.“
Damals stand das Holzhaus für die Bienen noch auf einem Bauernhof. Als der Besitzer verstarb, übernahm es Marions Vater. Er baute das Häuschen ab und transportierte es zu dem Waldstück in Westerham, das die Familie seitdem pachtet. „Als kleines Mädchen habe ich immer vor dem Bienenhaus gespielt“, sagt Blaza. Auch ihr Sohn ist, seit er ein Bub war, immer mit zum Bienenhaus gegangen und hat schon früh mit angepackt. Nun ist er selbst Familienvater, doch um das kleine Holzhaus kümmert er sich auch heute immer noch gerne.
Doch nun ist ihr Bienenhaus, das seit 50 Jahren im Familienbesitz und mit vielen schönen Erinnerungen behaftet ist, zerstört. „Die Bienenkästen sind herausgezogen, die Bienenstock-wachsrahmen sind kaputt und auch das Bienenpodest ist zerstört“, so Blaza. „Das ist Sachbeschädigung und Vandalismus.“ Deshalb erstattet die Familie Anzeige bei der Polizei. Auch wenn sie nicht viel Hoffnung auf Erfolg haben. Schließlich läuft die Anzeige gegen Unbekannt.
Die Familie möchte damit aber auch ein Zeichen setzen. Sie möchten ihre Mitmenschen dafür sensibilisieren, mehr auf das Eigentum anderer zu achten. Solche „reine Zerstörungswut“ habe in der Welt nichts zu suchen. Nun stehen die Blazas erneut vor einer „Katastrophe“. Schon mehrmals kam es an ihrem Bienenhaus zu Vorfällen von Vandalismus. „In die Fluglöcher wurden auch schon mal Zeitungen gestopft, die dann angezündet wurden“, sagt Blaza. „Auch die Scheiben waren schon mal kaputt.“
Dass sich Leute so nah an das Häuschen trauen, kann sich die Familie nur so erklären: „Seit dem frühen Sommer haben wir dort keine Bienen mehr gehabt.“ Unter anderem sei dafür das „Bienensterben“ verantwortlich. Der Bund Naturschutz schreibt dazu, dass bereits 40 der bayerischen Wildbienenarten ausgestorben sind und viele weitere als bedroht gelten. Gründe dafür seien Pestizide, Lebensraumverlust, Klimawandel und fehlende Nistplätze. Von dem Bienensterben seien vor allem Wildbienen betroffen.
Umso trauriger für Familie Blaza, dass ihr Heim für die Insekten zerstört ist. „Jetzt müssen wir diesen Saustall erst einmal aufräumen und vieles neu machen.“ Es bleibt abzuwarten, ob sich dort bald wieder zahlreiche Bienen ansiedeln und das Haus auch in den nächsten 50 Jahren der Familie Blaza wieder schönere Erinnerungen beschert.