Bad Aibling – Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man am Strand entlanglaufen, die salzige Meeresluft einatmen und den Sand unter den Füßen spüren. Dabei steht man hier, mitten in Bad Aibling – in Sichtweite zum Bahnhof, gar nicht auf Sand, sondern auf tonnenweise Salz – Meeres- und Himalayasalz. „Der Kern meines Konzeptes ist dieser Salzraum“, sagt Sevinc Kiyak. Die 26-Jährige steht in ihrem Laden am Maximiliansplatz 4, wo sie sich seit Ende Oktober ihren Traum erfüllt.
Kiyak ist in Bad Aibling geboren, in Feldkirchen-Westerham aufgewachsen und hat sich nun in den Räumlichkeiten selbstständig gemacht, die seit der Schließung eines Frauenfitnessstudios 2023 leer standen. „Vor den Sitzungen strömt hier an beiden Lagern Soleluft rein“, sagt die gelernte Kauffrau für Büromanagement, die in den vergangenen Jahren viele berufliche Erfahrungen, unter anderem in medizinischen Einrichtungen, sammelte. „Ich habe eine fünfjährige Tochter und liebe Kinder“, erklärt die 26-Jährige den ursprünglichen Beweggrund ihres kürzlich eröffneten „Salz(t)raum“, in dem sechs Tonnen Himalaya- und reines Meersalz den Boden bedecken.
Zu ihrem Geschäftsmodell gehört neben dem Salzraum mit Sole-Inhalation auch ein Eltern-Kind-Café, etwa mit Spielecke für die Kleinen. „Es ist ein Ort für Austausch, zum Wohlfühlen, Entspannen und Gesunden“, sagt die Inhaberin. Der Salzraum selbst, der auch barrierefrei zugänglich ist, unterstütze laut Kiyak nicht nur grundsätzlich das Wohlbefinden eines jeden.
Hilfe bei Atem- und
Hautbeschwerden
Dortige Sitzungen eigneten sich zudem gezielt bei Atemwegs- und Hautbeschwerden – auf natürliche Weise und für jedes Alter – eben auch und gerade für Kinder. „Hierher kommen Schwangere oder Eltern mit Neugeborenen, aber auch Kinder, Erwachsene bis hin zu Senioren.“
In der Regel werden hier 45-Minuten-Sitzungen im Salzraum gebucht, in den bis zu 20 Personen gleichzeitig passen. Während die Erwachsenen beispielsweise auf Liegen Platz nehmen, können Kinder im groben Salz herumtollen, die Kinderküche nutzen oder sich Bücher vorlesen lassen. „Dabei merkt man dann einfach, wie viel besser sie plötzlich atmen“, sagt Kiyak. Auch Allergiker oder Asthmapatienten würden hier endlich wieder freier Luft bekommen, schildert sie die Erfahrungen ihrer Besucher. Doch auch wenn sich der Raum gerade für Kinder eigne, die etwa an Neurodermitis oder Bronchitis leiden, müsse hier niemand Angst vor Ansteckungsgefahr haben. „Wenn jemand richtig krank ist, Fieber hat, kommt er natürlich nicht her“, betont die junge Unternehmerin. Darüber hinaus erfülle das Salz eine desinfizierende, reinigende und heilende Wirkung. „Und nach jeder Sitzung wird der Raum gelüftet“, sagt Kiyak.
„Viele Eltern sind einfach dankbar, dass sie hier jetzt etwas mit ihren Kindern zusammen machen können, sogar wenn sie krank sind“, erläutert die Inhaberin. Die Kinder könnten mit Freude für sich oder miteinander spielen, ähnlich wie am Meeresstrand, dabei spielerisch die Salzluft inhalieren und ihr Immunsystem stärken. Dabei können sie kindgerechte Spielgeräte aus Holz nutzen. Während sich die Öffnungszeiten im „Salz(t)raum“ in der aktuellen Anfangsphase noch anpassen werden, plant Kiyak bereits, ihr Angebot weiter auszubauen. So sollen im Salzraum künftig etwa auch Yoga, Klangschalentherapie und andere Anwendungen möglich sein.
Wohlfühloase
mitten in der Stadt
Sevinc Kiyak ist weder Therapeutin noch klassische Gastronomin. Wenngleich ihr Gewerbe im Bereich Gesundheits- und Medizinmanagement eingestuft ist. „Für die Geräte bin ich natürlich geschult, aber für einen solchen Salzraum braucht man keine spezielle Lizenz.“ Schließlich schade die Sole-Inhalation nicht. Im Gegenteil. So ist etwa auch im Deutschen Ärzteblatt zu lesen, dass sich das Inhalieren des Salzes insbesondere bei der Behandlung von Atemwegserkrankungen seit Langem bewährt habe.
Für die 26-Jährige geht es nun darum, ihre „Wohlfühloase“ in der Kurstadt zu etablieren. Und wer kann schon von sich behaupten, mitten im kalten Aiblinger Dezember barfuß über tonnenweise Meeressalz schreiten zu können und dabei sommerliche Meeresluft einzuatmen?