Typisierungsaktion für Leukämie-Erkrankten

von Redaktion

Ganz plötzlich bekam Benny Weber die Diagnose akute Leukämie. Während der 42-Jährige im Krankenhaus seine nächste Chemotherapie startet, organisiert sein Arbeitgeber, die Firma Eder in Tuntenhausen, eine Typisierungsaktion. Eine unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft gibt ihm nun Hoffnung.

Tuntenhausen – An der Eingangstür des Unternehmens Eder in Tuntenhausen hängt ein großes Plakat. „Willkommen bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS)“, steht in roter Schrift darauf. Damit macht das Unternehmen auf eine Typisierungsaktion aufmerksam, die derzeit für den Mitarbeiter Benny Weber läuft. Der 42-Jährige hat akute Leukämie und benötigt eine Stammzellspende.

Beim Besuch in der Firma zeigt sich, dass die Beteiligung an der Aktion groß ist. Im Büro der Geschäftsführerin Angela Eder haben sich wieder ein paar Freiwillige eingefunden, die sich registrieren lassen wollen. Dafür hat Eder zahlreiche Tests von der DKMS bereitliegen. Zusammen mit Marketingleiter Klaus Kunert initiierte sie die Registrierungsaktion. Nun wollen sie darüber aufklären.

Auch Benny Weber ist über Videoanruf dazugeschaltet. Er ist aktuell im Krankenhaus und durchläuft seine zweite Chemotherapie. Er will über seine Krankheit sprechen, auch wenn es ihm nicht leichtfällt. „Im Januar hatte ich eine Operation, wofür ich vorab einige Tests machen lassen musste“, sagt Weber. Er sei zum Hausarzt gegangen und habe seine Werte „checken“ lassen. Dabei stellte sich heraus, dass etwas nicht stimmte.

Schockierende Diagnose:
akuter Blutkrebs

Erst nach seiner Operation habe man nach der Ursache der schlechten Werte gesucht. Doch der Hausarzt fand nichts und überwies Weber an einen Hämatologen, also einen Arzt, der auf Erkrankungen des Blutes und blutbildenden Knochenmarks spezialisiert ist. „Das habe ich damals dann aber schleifen lassen, weil es mir körperlich einfach gut ging“, erinnert sich Benny Weber. Anfang Oktober suchte der 42-Jährige einen neuen Hausarzt auf, weil er Magenprobleme bekam. Nachdem ihm Blut abgenommen worden war, sei die Hausärztin besorgt gewesen und schickte ihn erneut zum Hämatologen, um sein Knochenmark überprüfen zu lassen. Weber ging diesmal hin. „Dann bekam ich die Diagnose akuter Blutkrebs.“

Seitdem würden viele Gedanken durch seinen Kopf kreisen. „Ich konnte das erst einmal gar nicht einordnen, was das jetzt für mich bedeutet“, so Weber. Immer wieder habe er auch über den Tod nachdenken müssen. Doch dann fokussierte sich Benny Weber auf seine Behandlung. Recht schnell kam er ins Krankenhaus und startete die Therapie. „Je näher der Tag rückte, an dem ich ins Krankenhaus musste, umso mehr wurde mir bewusst, dass ich da eine echt krasse Sache habe“, sagt Weber. Seine erste Chemotherapie hat Benny Weber bereits hinter sich. Seit drei Tagen ist er nun wieder im Krankenhaus, für die nächste Behandlung. Die zwei Wochen zwischen den beiden Therapien verbrachte der 42-Jährige zu Hause. „Ich habe es wirklich daheim genossen“, sagt er. „Aber sobald man wieder im Krankenhaus ist, gibt es Tage, an denen mir die Tränen kommen.“

Große Emotionen
beim Heilungsprozess

Sei es aus Anspannung, aus Verzweiflung oder aus Freude, dass es eine gute Nachricht für ihn gibt. Bislang läuft laut Weber alles nach Plan. Die Werte seien gut und auch der Heilungsprozess gehe gut voran. „Es ist eine sehr krasse Achterbahnfahrt der Gefühle“, sagt Benny Weber.

Groß ist die Freude auch über die Unterstützung seiner Kollegen und Vorgesetzten der Firma Eder, die die Registrierungsaktion bei der DKMS für ihn gestartet haben. „Ich bin stolz, in diesem Unternehmen zu arbeiten“, sagt er. „Die Art von Mitgefühl, Rückfragen, Anrufen und Nachrichten, die ich von meinem Team und meinem Abteilungsleiter bekomme, ist enorm.“ Auch Angela Eder und Klaus Kunert ist er für die ganze Organisation dieser Aktion dankbar. „Ich finde es super, dass da so viel Support und Unterstützung da ist“, sagt Weber.

Am vergangenen Dienstag startete die Registrierungsaktion zur Stammzellspende in der Firma Eder in Tuntenhausen. Die Resonanz sei von Beginn an gewaltig. „Wir mussten jetzt noch einmal nachordern, weil wir zu Beginn zu wenig bestellt hatten“, sagt Klaus Kunert. Nicht nur die Mitarbeiter der Firma beteiligen sich, auch Menschen von außerhalb, die davon mitbekommen haben, machen mit. Auf der Weihnachtsfeier des Unternehmens, bei der Mitarbeiter aus allen Filialen Deutschlands und Österreichs kommen werden, soll noch einmal auf die Aktion für Benny hingewiesen werden.

Viele Menschen
machen mit

Bei der Teilnahme an der Aktion fallen keine Kosten an. Jeder Test kostet zwar 50 Euro, doch die übernimmt die Firma Eder. „Wir haben bis jetzt 250 Tests, für die wir 12.500 Euro selbst bezahlt haben, geordert“, sagt Angela Eder. Und derzeit sehe es so aus, als müssten bald noch mehr Tests nachgekauft werden. Besonders freut sich Eder darüber, dass auch zwei benachbarte Firmen – die Metzgerei Gigglinger und Auto Eder Tuntenhausen – mit jeweils fünf Mitarbeitern mitgemacht haben. „Wir hoffen, dass durch diese Aktion auch andere Arbeitgeber, Firmen und Gemeinden nachziehen und mitmachen“, sagt Angela Eder. „Es ist natürlich mit einem finanziellen Aufwand verbunden, aber jeder Cent ist es wert, dass Benny und auch andere Hoffnung bekommen.“

Bis der passende Spender allerdings gefunden ist, hat Benny Weber noch viel vor sich. Doch der 42-Jährige blickt dennoch positiv in die Zukunft. „Die Medizin ist so weit vorangeschritten, dass es Heilung gibt oder zumindest einen Weg, wie man mit dieser Krankheit leben kann“, sagt er. Er sei in einem „medizinisch guten Alter“ und damit voller Hoffnung, dass er gesund werde. „Bei mir ist es angedacht, dass ich geheilt werde. Das ist der Plan und dafür lohnt es sich zu kämpfen.“

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