Feldkirchen-Westerham – In der Bürgerversammlung von Feldkirchen-Westerham stand vor allem das Thema Verkehrssicherheit im Fokus. Dazu gab es einige direkte Anträge von Bürgern an den Rathauschef Johannes Zistl. So sprach ein Bürger unter anderem die Staatsstraße 2078 an. Denn die sei alles andere als ungefährlich. Vor allem wenn man als Autofahrer von der Westermeyerstraße auf die Staatsstraße 2078 Richtung München abbiegt. „Da gehen auch die alten Leute mit ihren Wagerln rüber und da wird es schon mal gefährlich“, sagt der besorgte Bürger. Nun möchte er wissen, was die Gemeinde unternehmen kann, damit die Straße sicherer wird.
Weitere Möglichkeiten schwierig?
Bürgermeister Zistl kann dem nur zustimmen. „Die Situation mit den Wagerln erlebe ich regelmäßig. Mich wundert es, dass da noch nichts Schlimmeres passiert ist“, sagt er. Die Staatsstraße ist immer wieder Thema im Gemeinderat. Zuletzt ging es um die kürzlich eingeführte Verkehrsberuhigung in der Nacht. Das Landratsamt Rosenheim hat am 11. Juli eine nächtliche Geschwindigkeitsbeschränkung aus Lärmschutzgründen angeordnet. Seitdem darf zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nur noch Tempo 30 auf der Staatsstraße durch Feldkirchen gefahren werden. Doch der Bürgermeister betont, das Ganze ist erst einmal nur auf Probe.
Die Regelung ist bis zum 31. Juli 2030 befristet. Auf OVB-Nachfrage bei der Gemeinde erklärt Pressesprecherin Karolin Lohwasser, wie es nach Ende der Probezeit weitergeht: „Sollte in diesem Zeitraum eine Sanierung des betroffenen Straßenabschnitts erfolgen, will das Landratsamt die Verkehrslärmsituation erneut prüfen.“ Die Gemeinde setzt sich weiterhin dafür ein, dass die nächtliche Tempo-30-Regelung dauerhaft bleiben wird. Doch die endgültige Entscheidung trifft das Landratsamt Rosenheim. Derzeit läuft eine digitale Umfrage, bei der die Anwohner nahe der Staatsstraße mitteilen können, ob die Temporeduzierung überhaupt eine Verbesserung bringt.
In der Bürgerversammlung betonte Johannes Zistl, dass die Gemeinde sich auch über weitere Maßnahmen zur Verkehrssicherheit auf der Staatsstraße 2078 Gedanken gemacht hat. Doch viele Möglichkeiten gibt es laut ihm nicht. So sei man in Kontakt mit der Regierung getreten und habe verschiedene Szenarien angesprochen. „Wir haben über eine Lkw-Maut, über einen Autobahnausweichverkehr, über ein Abfahrtsverbot am Wochenende und so weiter gesprochen“, sagt Zistl. „Sämtliche Anträge sind abgelehnt worden.“
Doch der Bürgermeister will das Thema Lkw-Maut noch nicht ganz fallen lassen. Denn mit einer Ausdehnung der Mautpflicht auf die Staatsstraße könnte sich der Schwerlastverkehr in der Gemeinde reduzieren. Allerdings gibt es ein Problem: In Bayern wird auf Staatsstraßen keine Maut erhoben. „Ich glaube aber, nachweisen zu können, dass der Lkw-Verkehr seit der Maut auf der Autobahn in Westerham zugenommen hat“, so Zistl. Pressesprecherin Karolin Lohwasser erklärt im Nachgang der Bürgerversammlung, was genau dahintersteckt.
„Der Bund kann Straßen außerhalb des eigentlichen Mautnetzes mautpflichtig machen, wenn sie als Ausweichstrecken stark von Lkw genutzt werden („Mautflucht“)“, so Lohwasser. Die Entscheidung darüber trifft allerdings das Bundesverkehrsministerium mit den zuständigen Behörden in Bayern. Deshalb ist die Gemeinde mit dem staatlichen Straßenbauamt in Kontakt getreten und hat nachgefragt, wie es sich mit einer möglichen Ausnahmeregelung verhält.
„Diese wurde beantwortet, dass der Schwerlastverkehrsanteil im bayernweiten Vergleich zwar einen erhöhten Anteil aufweist, allerdings ist der Schwerlastverkehr auf der A8 auf einem dauerhaft, hohen Niveau“, sagt die Pressesprecherin. Und auf der Staatsstraße sei dieser auf einem konstanten Niveau.
Weiter erklärt Karolin Lohwasser, dass der Schwerverkehrsanteil „hier mit rund sechs bis sieben Prozent etwas über dem bayernweiten Durchschnitt von 5,7 Prozent“ liegt. Grund dafür sei eine erhebliche Verkehrsverlagerung von mautpflichtigen Straßen auf die Staatsstraße. Der erhöhte Lkw-Verkehr durch die Gemeinde sorge für eine Belastung für Umwelt und Anwohner. „Wir werden nun einen neuen Antrag stellen mit der Bitte um Prüfung, wie sich die Zahlen des Schwerlastverkehrs in Feldkirchen-Westerham ab 2024 im Vergleich zu den Zahlen auf der A8 verändert haben“, erklärt Karolin Lohwasser die nächsten Schritte. „Hintergrund dessen ist, dass durch die Beaufschlagung der CO2-Kosten in die Maut (wirksam ab 2024) eventuell sich der Schwerlastverkehr doch mehr von der A8 auf die Staatsstraße 2078 verlagert haben könnte.“ Die Gemeinde möchte dies durch eine Verkehrszählung überprüfen lassen.
Beteiligung an
der Bauausstellung
Laut Bürgermeister Zistl gibt es aber noch eine weitere Möglichkeit, wie der Verkehr auf der Staatsstraße sicherer gemacht werden kann. In der Bürgerversammlung erklärte er, dass die Gemeinde an der Internationalen Bauausstellung (IBA) der Metropolregion München teilnimmt. „Ziel der Beteiligung ist, dass man die Straße so umgestaltet, also zum Beispiel mit vielen Querungshilfen, mit engeren Straßenteilen, mit anderem Fahrbahnbelag und Geschwindigkeitsbeschränkung, dass der Lkw- und Autoverkehr den Eindruck hat, dass er an der falschen Stelle ist und nicht mehr durchfährt“, erklärt der Rathauschef.
Ob die Staatsstraße durch die Gemeinde zu einem „Ortszentrum“ umfunktioniert wird, ist aber noch nicht klar. Doch Hoffnung gibt es, wie Zistl kürzlich in einem Post auf seiner Facebook-Seite mitteilt. „Ausgerechnet wir als Gemeinde Feldkirchen-Westerham wurden als eine der ersten 16 Projektkandidaten ausgewählt und sind damit eine Runde weiter“, so der Bürgermeister. „Durch diese Aufnahme als Projektkandidat bei der IBA haben wir jetzt die Möglichkeit, neue Kontakte, neue Unterstützungen und neue finanzielle Mittel zu akquirieren.“ Es bleibt also abzuwarten, wie es mit der Staatsstraße 2078 durch Feldkirchen-Westerham weitergeht.