Zu viel Reparatur – zu wenig Prävention

von Redaktion

Deutschland landet im „Public Health Index“ auf Platz 17 – von 18 Nationen. Der Bayerische Heilbäder-Verband kritisiert die Bewertungskriterien. Ins gleiche Horn bläst Bad Aiblings Kurdirektor Thomas Jahn.

Bad Aibling/Bad Füssing – Deutschland ist im neuen „Public Health Index“ (PHI) nur auf Platz 17 von 18 europäischen Ländern gelandet, was nun sowohl vom Bayerischen Heilbäder-Verband als auch aus der Kurstadt Bad Aibling deutliche Kritik hervorruft.

Der Public Health Index (PHI), herausgegeben vom AOK-Bundesverband und dem Deutschen Krebsforschungszentrum, vergleicht den Umsetzungsstand wissenschaftlich empfohlener Maßnahmen zur Unterstützung gesunder Lebensweisen verschiedener europäischer Länder.

„Obwohl Deutschland im internationalen Vergleich hohe Gesundheitsausgaben hat, ist der Gesundheitszustand der Bürgerinnen und Bürger unzureichend. Viele vorzeitige Todesfälle ließen sich durch eine wirksame Prävention vermeiden“, heißt es darin unter anderem.

Nicht viel Erfolg
trotz hoher Ausgaben

Wie der Bayerische Heilbäder-Verband (BHV) nun in einer Pressemitteilung erklärt, sei dies ein deutliches Signal – „allerdings weniger wegen des Rankings selbst, sondern weil der zugrunde liegende Präventionsbegriff wichtige, bereits vorhandene Strukturen völlig ausblendet“. Der Index bewerte demnach vor allem fiskalische Maßnahmen wie Tabak-, Alkohol- oder Zuckersteuern. Ganzheitliche Präventionsangebote, Lebensstilprogramme oder regionale Gesundheitsinfrastrukturen spielten hingegen keine Rolle. „Wenn Prävention allein über Steuern definiert wird, bleibt ein zentraler Teil der Gesundheitsvorsorge unsichtbar – nämlich dort, wo Menschen tatsächlich gesünder leben lernen“, wird BHV-Vorsitzender Peter Berek in der Mitteilung zitiert. 

„Unsere Heilbäder zeigen seit Jahrzehnten, wie wirksame Prävention funktioniert: niedrigschwellig, wissenschaftlich fundiert und unmittelbar im Lebensumfeld der Menschen“, so Berek. Diese Potenziale müssten endlich systematisch genutzt werden.

Dem Bayerischen Heilbäder-Verband gehören mehr als 70 Kurorte, Heilbäder und Kurbetriebe an. Gemeinsam generieren sie rund 23 Millionen Übernachtungen pro Jahr und eine jährliche Wertschöpfung von rund 4,5 Milliarden Euro, so der BHV. Demnach verfüge man über erprobte Programme zu Bewegung, Ernährung, Stressreduktion und mentaler Gesundheit.

Die Infrastruktur sei da, die Wirksamkeit belegt – „was fehlt, ist die Einbindung in eine bundesweite Präventionsstrategie durch die Krankenkassen“. Der Verband sieht die Kurorte und Heilbäder als sofort einsetzbare Partner, wenn es darum geht, Prävention aus der Theorie in die Lebenswirklichkeit der Bürger zu bringen.

Viel Zuspruch erhält der Verband dabei von Bad Aiblings Kurdirektor Thomas Jahn. „Bad Aibling, als ältestes Moorbad in Bayern, kümmert sich seit inzwischen über 180 Jahren um die Gesundheit vieler Gäste und Patienten“, sagt er gegenüber dem OVB. Der Kern von Heilbädern und Kurorten seien schon immer die Vorsorge, die Prävention und die Genesung von Menschen gewesen – „so auch in unserer Stadt“. Das sei laut Jahn in den vergangenen 30 Jahren im Zuge der verschiedenen Gesundheitsreformen leider vollkommen in Vergessenheit geraten, bemängelt der Kurdirektor. „Von den gigantischen Ausgaben im Gesundheitsbereich werden maximal 1,5 Prozent in Vorsorge investiert. Aktuell hat die Reparatur Vorfahrt vor der Prävention“, so Jahn.

Dabei böte man in Bad Aibling exzellente Vorsorge-Leistungen an. „Ein konkretes Beispiel ist unser Programm ‚Im Moor zum inneren Gleichgewicht‘, das wir in den Jahren 2014/2015 zusammen mit der LMU, unseren Kliniken, Ärzten, dem Kurmittelhaus und Therapeuten entwickelt haben. Die evidenzbasierten Daten zeigen sehr eindeutig, dass wir mit diesem Programm Burn-Out-gefährdete Personen wieder fitmachen und langwierige klinische Aufenthalte vermeiden können“, betont der Kurdirektor.

Trotz dieser Ergebnisse werde das Produkt von den gesetzlichen Krankenkassen nicht in den Regelbetrieb aufgenommen. „Fazit – die Kosten für eine klinische Therapie sind um ein Vielfaches höher als unser wissenschaftlich entwickeltes Präventionsprogramm“, so Jahn.

Entsprechende Programme würden dem Gesundheitssystem helfen, enorme Kosten einzusparen und die Menschen gesünder zu erhalten. „Deshalb ist der Public Health Index, der letzte Woche veröffentlicht wurde, viel zu kurz gesprungen – bezieht er sich fast ausschließlich auf die Verhaltenssteuerung von Menschen über die Verteuerung von gesundheitsschädlichen Produkten über Steuern“, bemängelt Aiblings Kurdirektor.

Jahn zu PHI: „Viel
zu kurz gesprungen“

„Heilbäder und Kurorte und so auch unsere Stadt, sind seit sehr vielen Jahren Orte, wo Prävention gelebt wird, der ganze Mensch gesehen und behandelt wird und die gesamten Gesundheitsdienstleister diesem Gedanken verpflichtet sind.“

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