Bad Aibling – Ab dem 1. Januar werden die Bestattungsgebühren im städtischen Friedhof in Bad Aibling angepasst. Was nach einer nüchternen Information klingt, sorgte zuletzt während einer Stadtratssitzung für hitzige Diskussionen. Denn in der Tat führt eine veränderte Satzung zu teils gravierenden Preissprüngen. Im Kern muss die „Vergabe von Dienstleistungen Dritter am städtischen Friedhof“ für fünf Jahre neu vergeben werden. Bedeutet: Die Stadt muss hierfür einen Vertrag mit einer externen Bestattungsfirma schließen. Bislang war hierfür die „TrauerHilfe DENK“ zuständig. Und, so viel sei vorweg verraten: Bei dieser Zusammenarbeit bleibt es auch künftig – nur eben unter neuen Konditionen.
Wie sich die Gebühren
teils drastisch ändern
„Wir sind in die Ausschreibung gegangen, dabei hat sich nur eine Firma gemeldet“, erklärt Bad Aiblings Ordnungsamtsleiter Martin Haas. Von sieben Bestattungsinstituten, die man aktiv angeschrieben hatte, habe sich letztlich nur eines gemeldet. „Wenn wir ausschreiben, müssen wir auch vergeben“, sagt Bürgermeister Stephan Schlier (CSU). Aufgrund der neuen (und zugleich alten) Konstellation musste der Stadtrat nun über die Änderung der Satzung, die die Erhebung von Gebühren für die Benutzung der Bestattungseinrichtungen in den kommenden fünf Jahren regelt, abstimmen. Und dabei stieß einigen Gremiumsmitgliedern sauer auf, dass trotz des gleichbleibenden Anbieters die Preise teilweise massiv ansteigen.
Im Detail ändern sich die Gebühren in etlichen Bereichen, meist mit einer deutlichen Preisteigerung. So fallen neuerdings zwar im Vergleich zur alten Satzung beispielsweise für die Grabherstellung bei Verstorbenen bis zu sieben Jahren (bislang 77,35 Euro) keine Kosten mehr an. Für die Grabherstellung bei Verstorbenen über sieben Jahren steigen die Gebühren ab 2026 dagegen von rund 157 Euro auf 480. Ein weiteres markantes Beispiel ist die Urnenbeisetzung in Urnengräbern, Erdgräbern oder in Urnengrabgemeinschaften. Statt bislang 49,98 Euro fallen ab dem neuen Jahr hierfür Gebühren von 120 Euro an. Im Bereich „Exhumierung und Umbettung“ kostet etwa die Ausgrabung einer erwachsenen Leiche künftig 600 statt bisher 323,68 Euro. Auch kleinere Posten wie etwa die Gebühren für die Aufbahrung eines Verstorbenen oder einer Urne in der Aussegnungshalle weisen einen deutlichen Preissprung auf (von rund 26 auf nunmehr 65 Euro).
Stadtrat Florian Weber (Bayernpartei) wunderte sich deshalb über die „zum Teil gewaltigen Erhöhungen“. Doch laut Bürgermeister Schlier lege der Bieter die Preise fest, die Stadt habe darauf keinen Einfluss. Ein „Verhandeln“ seitens der Stadt, wie es sich Weber gewünscht hätte, sei laut Rathauschef bei einer Vergabe gar nicht erlaubt. „Die Unternehmen müssen für fünf Jahre kalkulieren. Wir könnten als Stadt selbst die Leistungen auch nicht günstiger stemmen. Aber natürlich stimmt es, dass wir nun teils erhebliche Sprünge haben.“ Laut Martin Haas hätte es wohl auch bereits früher Kostensteigerungen gegeben, wären die Unternehmen nicht an den Fünf-Jahres-Turnus gebunden. Was bei AfD-Stadtrat Andreas Winhart jedoch das „Gefühl“ hervorrief, „dass wir jetzt das nachzahlen müssen, was dem Unternehmen in den letzten Jahren gefehlt hat“. Er frage sich, wie es zu solch drastischen Kostensteigerungen kommen könne. „Ich finde das äußerst unappetitlich.“
Stadtrat Richard Lechner (SPD) wollte indes wissen, ob es auf den kirchlichen Friedhöfen in puncto Bestattungskosten anders aussieht. Hierzu betonte Bürgermeister Schlier: „Wer auf den kirchlichen Friedhof geht, wird sich dort auch nicht günstiger bestatten lassen können.“ Petra Keitz-Dimpflmeier (SPD) stellte bei aller Empörung über die erhöhten Gebühren klar, dass man sich auf den alten und neuen Bestatter verlassen könne.
Thalmayr: „Das ist
ein guter Anbieter“
Ähnlich sah es Martina Thalmayr (Grüne). „Ich glaube, dass wir mit dem Bestattungsinstitut nicht schlecht fahren und dass es ein guter Anbieter ist.“ Wenn ein Unternehmen fünf Jahre lang an die Preise gebunden ist, sei es klar, dass in dieser Zeit in vielen Bereichen Kostensteigerungen anfielen, so die Grünen-Stadträtin.
Dennoch stellten sich einige Gremiumskollegen, etwa Christian Schönberger (CSU), die Frage, ob Steigungen in jener Ausprägung tatsächlich noch gerechtfertigt sind. Eine Stellungnahme der Firma Denk zu den Gebührenanpassungen steht auf OVB-Anfrage derzeit noch aus.
Angesprochen auf eine mögliche Übernahme der Bestattungsangebote durch die Stadt in Eigenleistung erklärte Ordnungsamtsleiter Martin Haas jedenfalls noch einmal, dass es hierbei nicht nur Hürden im Bereich des Personals geben würde. „Es braucht ja auch einiges an Material, an Technik, Wartungen, Maschinen. Der Anbieter kann hier sicher günstiger kalkulieren, als wir, die alles neu anschaffen müssten.“
Der Stadtrat stimmte der Änderungssatzung über die Erhebung der Bestattungsgebühren letztlich mit 22:1 Stimmen zu.