Maxis Kampf und neue Hoffnung

von Redaktion

Mehr als die Hälfte seines Lebens kämpft Maxi (7) aus Bad Aibling gegen den Krebs. Nach unzähligen Therapien und Rückschlägen gibt eine Stammzelltransplantation nun Anlass zur Hoffnung für die leidgeprüfte Familie – sie steht stellvertretenden für die vielen Eltern in der Region, die um ihre Kinder bangen.

Völlig erschöpft lag Maxi nach der Stammzellen-Transplantation in seinem Krankenbett. Stofftier „Esi“ fungierte als Seelentröster.Foto re

Bad Aibling – Mehr als die Hälfte seines noch jungen Lebens kämpft der siebenjährige Maxi Schmidt aus Bad Aibling schon gegen eine schwere Krebserkrankung an. Trotz so mancher Rückschläge im Verlauf des mittlerweile knapp vierjährigen Therapie-Marathons hat der Bub sein verschmitztes Lächeln und zusammen mit seinen Eltern Florian (41) und Maria (38) Schmidt sowie den Brüdern Moritz (5) und Ludwig (3) die Hoffnung auf ein gutes Ende nie verloren.

Nachdem Maxis Haare nach einer im Sommer erfolgten Transplantation in der Universitätsklinik Tübingen, bei der er 128.000 aufbereitete Stammzellen von seiner Mutter erhielt, wieder nachgewachsen sind und sich auch die entscheidenden Blutwerte für den Erfolg der Maßnahme in eine gute Richtung entwickeln, geht die leidgeprüfte Familie mit vorsichtigem Optimismus ins neue Jahr.

Positive Zeichen und
bürokratische Hürden

„Wir waren heuer mehr in Tübingen als zu Hause“, blickt Florian Schmidt auf die vergangenen anstrengenden Monate zurück und holt einen dicken Ordner aus dem mittlerweile etliche Regale füllenden Unterlagen-Stapel hervor, der Maxis Leidensgeschichte dokumentiert – insgesamt Tausende von Seiten. Diagnosen, Arztbriefe, Therapieempfehlungen, genaue Zeitpläne für die Einnahme von Medikamenten, eine schier unüberschaubare Anzahl von Laborwerten, Abschlussberichte von Kliniken und jede Menge Schriftverkehr mit Behörden und Krankenkassen, in denen es meist um Kostenzusagen oder Sozialleistungen geht, finden sich in den Akten. „Auch der erforderliche Papierkrieg belastet uns sehr“, räumt der Familienvater freimütig ein.

Dennoch will er kein Klagelied anstimmen, sondern schöpft zusammen mit seiner Frau neue Kraft aus einigen medizinischen Parametern, die der Familie Zuversicht geben, dass ihr tapferer Sohn seinen Kampf gegen die Geißel der Menschheit gewinnen kann. 575 sogenannte CD3-Zellen wies Maxi bei der bisher letzten Blutuntersuchung im November auf. Die sind maßgeblich an der Zerstörung von Krebszellen beteiligt. Am Tag der Stammzellen-Übertragung lag dieser Wert bei null, am 22. Juli hatte der Bub 26 jener Zellen in seinem Körper, am 15. Oktober 139.

Ähnlich erfreulich ist die Entwicklung bei den Leukozyten. Dabei handelt es sich um die weißen Blutkörperchen, die ebenfalls ein wichtiger Teil des Immunsystems eines Menschen sind. Der Normbereich liegt bei 4.500 bis 10.500, Maxis Körper weist aktuell 6.430 auf. „Das sind alles Anzeichen dafür, dass die Stammzellen-Übertragung erfolgreich war“, sagt Maria Schmidt. Bei der jüngsten Magnetresonanztomographie (MRT), bei der der gesamte Körper des Buben nach möglichen Tumorherden gecheckt wurde, entdeckten die Ärzte keine Auffälligkeiten. Sie stufen Maxi mittlerweile „in Remission“ ein. Das heißt, man kann nicht von einer vollständigen Heilung der Krankheit sprechen, allerdings davon, dass deren Symptome stark nachlassen beziehungsweise ganz verschwinden.

An einem solchen Punkt war der Siebenjährige nach der ersten Schockdiagnose im April 2022 bereits einmal angelangt. Damals kämpfte er monatelang gegen die Folgen eines Neuroblastoms in der linken Nebenniere – eine besonders aggressive Krebsart, die bereits Metastasen im ganzen Körper gebildet hatte. Im Herbst 2023 galt das Kind als „krebsfrei“, ehe es im Oktober 2024 einen schweren Rückschlag hinnehmen musste. Maxi litt an einem Gehirntumor. In einer rund sechsstündigen Operation entfernte ein 20-köpfiges Spezialisten-Team im Klinikum München-Großhadern die Geschwulst zu 95 Prozent. Eine 20 Einzelbehandlungen umfassende Strahlentherapie in Heidelberg, erneute Chemo-Blöcke, die Stammzellen-Übertragung in Tübingen und eine nachfolgende Immuntherapie, die erst kürzlich beendet wurde, prägten seither Maxis Weg durch das zu Ende gehende Jahr.

Als einen „harten Ritt“ für ihr Kind bezeichnet Maria Schmidt insbesondere die Strahlentherapie in Heidelberg. „Maxi harrte ohne Narkose, eng eingezwängt in eine eigens für ihn angepasste Kopfmaske, 45 Minuten lang auf dem Bauch liegend während jeder Behandlung aus“, berichtet die Mutter. Stark belastend für die gesamte Familie waren auch die vielen Krankenhaus-Aufenthalte und die ambulanten Nachkontrollen in Tübingen. „Das ist meine Hauptstadt“, sagt der Bub mittlerweile. Wie viel der Siebenjährige in den vergangenen Jahren durchgemacht hat, davon zeugen zwei lange Ketten mit sogenannten Mutperlen, auf die er sehr stolz ist. Auf der Onkologie in der Haunerschen Kinderklinik in München, wo er ebenfalls schon behandelt wurde, und in Tübingen erhalten die kleinen Krebspatienten für jeden belastenden Eingriff, den sie überstanden haben, eine solche bunte Perle. „Allein die Kette aus Tübingen ist mittlerweile über vier Meter lang“, berichtet Maxis Vater.

Als eine gute Voraussetzung für einen gelungenen Start ins neue Jahr empfinden Florian und Maria Schmidt auch die Tatsache, dass sich die Zahl der verschiedenen Medikamente, die ihr Sohn täglich einnehmen muss, im Vergleich zu Spitzenzeiten mittlerweile um ein Drittel verringert hat: von 21 auf 14. Große Hoffnung auf das Fortschreiten des Genesungsprozesses verknüpfen die Eltern mit einem Impfverfahren, das im nächsten Jahr ansteht. In Form von insgesamt 14 Spritzen wird ihrem Sohn dabei ein „personalisierter Tumor-Neoantigen-spezifischer Peptid-Impfstoff“ verabreicht. „Der wird aus Maxis Tumorzellen speziell auf ihn zugeschnitten. Die Produktion dauert einige Monate“, sagt Florian Schmidt. Die Maßnahme soll die körpereigene Immunabwehr des Buben im Kampf gegen Krebszellen zusätzlich stärken. Obwohl die Klinik in Tübingen diese Impfung als sinnvoll einstuft, muss Schmidt wegen der Kostenübernahme durch die Krankenkasse derzeit noch verhandeln. Für 2026 hat die Familie nur einen innigen Wunsch. „Wir wären überglücklich, wenn Maxi krebsfrei bliebe und sich bei uns wieder ein normaler Alltag einstellen könnte. Schon sehr lange sind wir in einer Art Kampfmodus gegen Maxis Erkrankung und manchmal ziemlich ausgelaugt“, beschreibt Maria Schmidt die aktuelle Situation. Alltag, das hieße für Vater Florian beispielsweise, wieder seine Arbeit in einer Münchner Firma aufnehmen zu können, die in der Halbleiter-Produktion aktiv ist. Wegen der erneuten Erkrankung von Maxi hat er diese Tätigkeit vor ein paar Monaten vorübergehend aufgegeben, um sich ganz seiner Familie widmen zu können.

Träume von einer
Fahrt in den Europa-Park

„Es wäre so schön, wenn wir wieder mal ein paar Tage gemeinsam wegfahren könnten, um zu entspannen. Vielleicht in den Europa-Park oder nach Kroatien“, wagt die Mama einen Blick in die Zukunft. Ihre Zuversicht, dass dies zeitnah gelingen könnte, lässt sich die Familie jedenfalls nicht nehmen. Für ihren Sohn haben die Eltern bereits einen Pass beantragt. „Der Weg zum Amt war eines der wenigen Highlights für uns in diesem Jahr“, gesteht Florian Schmidt.

Tapetenwechsel, das ist eine Vorstellung, die auch Maxi gefällt. „Ui, fortfahren“, sprudelt es spontan aus ihm heraus, als die Eltern in seinem Beisein von den Plänen erzählen. Und plötzlich strahlt der Bub mit dem langen Leidensweg über das ganze Gesicht. Es ist fast so, als wären die Mutperlen-Ketten für ihn einen Moment lang nicht bittere Realität, sondern lediglich Erinnerungen an einen bösen Traum.

Artikel 1 von 11