Fleischpflanzerl und ein reichhaltiges Salatbuffet gehörten zum kulinarischen Angebot. Stefan Hering (links) und Stadtrat Rudi Gebhart bei der Essensausgabe.
Bad Aibling – Zu einer Begegnungsstätte für Menschen, die einsam sind und sich nach Geborgenheit in der Gemeinschaft und etwas menschlicher Wärme sehnen, wurde die Bad Aiblinger Weihnachtsstube am Heiligen Abend. Wie all die Jahre zuvor waren auch heuer zahlreiche Besucher gekommen, kein einziger Stuhl im Pfarrheim Sankt Georg blieb leer. Ein wunderschöner Christbaum, den die Stadt gestiftet hatte, und eine weihnachtliche Tischdekoration waren äußere Zeichen der Festtagsatmosphäre, die die Veranstaltung prägte.
Zahlreiche Helfer
packten mit an
Genau das wollten Astrid Kotter, die das Angebot unter dem Dach der Kolpingsfamilie im Jahr 2012 ins Leben gerufen hatte, und ein gutes Dutzend ehrenamtlicher Helfer als Zeichen der Wertschätzung den Gästen vermitteln. Dazu gehörten auch die kostenlose Bewirtung mit Fleischpflanzerln, die Stadtrat Rudi Gebhart zubereitete, sowie ein reichhaltiges Salat- und Nachspeisenbuffet. Plätzchen und Stollen an den Tischen sowie die von Gitti Lindner vom Hotel Johannisbad zubereitete Gemüsesuppe rundeten das kulinarische Angebot ab.
Der vielgliedrigen Kette helfender Hände, die der Einsamkeit an diesem Abend die Rote Karte zeigten, galt dann auch der besondere Dank von Bürgermeister Stephan Schlier, Pfarrer Philipp Kielbassa und des Bad Aiblinger Seniorenreferenten Dieter Bräunlich, die im Pfarrheim vorbeischauten und sich mit den Gästen unterhielten. Nach dem Segen, den der Stadtpfarrer spendete, würdigte der Bürgermeister vor allem auch die viele ehrenamtliche Arbeit, die Jahr für Jahr in die Organisation der Veranstaltung investiert werde.
„Das ist eine gewaltige Maschinerie, die da in Gang gesetzt wird. Obwohl sie sich immer bescheiden im Hintergrund hält, möchte ich Astrid Kotter stellvertretend für die gesamte Helferschar erwähnen. Sie ist als Organisatorin das Herzstück der Weihnachtsstube, bei der seit Wochen alle Fäden zusammengelaufen sind“, sagte Schlier.
Die Verteilung des Friedenslichtes durch Annemarie Wagemann, die ehemalige Seniorenbeauftragte der Gemeinde Stephanskirchen, und das gemeinsam gesungene Lied „Stille Nacht“, dem sich die Bescherung anschloss, bildeten zweifelsohne den emotionalen Höhepunkt des Abends. „Ihr habt das einfach toll gemacht“, lobte die 88-jährige Elke Lindl aus Bad Aibling, die längst zu den Stammgästen gehört, das Team.
Voll des Lobes war auch Isabell Hartmann (46), Pflegefachkraft aus Gräfelfing, die im Kinderpalliativzentrum der Universitätskliniken München arbeitet und in ihrem Berufsleben regelmäßig mit Tod, Trauer, Schmerz, Verzweiflung und Einsamkeit konfrontiert wird. Sie befindet sich derzeit auf Reha in Bad Aibling und hat durch einen Aushang im Schaukasten der Stadtkirche von dem Angebot erfahren.
„Da habe ich mich gleich angemeldet, weil ich sonst am Heiligen Abend ganz alleine in meinem Zimmer gewesen wäre“, sagt sie. Die Weihnachtsstube sei ein „tief berührendes Geschenk voller Herzenswärme und gelebter Nächstenliebe“ für sie gewesen. „Ich kann mir gut vorstellen, im nächsten Jahr extra aus München wiederzukommen“, so die alleinstehende Frau.
Großes Zeichen
der Wertschätzung“
Beschenkt fühlte sich an diesem Abend trotz all der Mühe auch das Helfer-Team. „Die Glückseligkeit der Menschen, das Leuchten in ihren Augen, eine Umarmung, ein Händedruck und auch manche Freudenträne beim Abschied als Zeichen der Wertschätzung für unsere Arbeit – das alles sind für uns Weihnachtsgeschenke, die man sich nicht kaufen kann“, sagte Astrid Kotter.
Als die Besucher bereits den Nachhauseweg angetreten hatten und die Aufräumarbeiten im Saal starteten, fand sich zu später Stunde noch ein besonderer Gast im Pfarrheim ein. Schäferhündin „Luna“, die den ganzen Abend auf ihr Herrchen Rudi Gebhart und seine Frau Christine, die in der Küche mithalf, verzichten musste.
Umso glücklicher war sie, als sie von Gebhart abgeholt wurde und sich nun ebenfalls über Gemeinschaft und natürlich jede Menge Streicheleinheiten aus den Reihen der Helfer freuen durfte. So wurde die Weihnachtsstube auch für Luna noch zu einer Art Wohlfühloase.