Bad Aibling – Da ärgern sich nicht nur „Blaue“, sondern auch „Rote“ schwarz: Bislang unbekannte Personen haben rund um die Weihnachtsfeiertage Schmierereien in der Bad Aiblinger Innenstadt hinterlassen. Die Texte lassen vermuten, dass die Schmierereien aus den Händen von Bayern-Fans stammen. „Das ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier. Die Stadt will nun Anzeige bei der Polizei erstatten.
Eigentlich hatte es Irene Durukan, Grünen-Stadträtin und Vorsitzende des Vereins „Mut & Courage Bad Aibling“, auf Entspannung abgesehen, als sie sich am vergangenen Samstag zu einem Spaziergang durch die Innenstadt aufmachte. Doch was sie dort rund um die Bahnhofstraße entdeckte, ließ ihren Blutdruck ansteigen. „Mich ärgert so etwas einfach“, sagt die ehrenamtlich engagierte Aiblingerin über die Schmierereien, die ihr dort sofort ins Auge stachen.
Hinweise auf eine
Ultragruppierung des FCB
So hatten die bislang unbekannten Täter auf einer ausrangierten Telefonzelle an der Bahnhofstraße, die seit Jahren als Bücherschrank dient, mit roter Farbe in großen Buchstaben den Schriftzug „FCB“ auf die Glastür geschmiert. Nur wenige Meter weiter, an einer Stele der Stadt, die über das „Villenviertel“ informiert, ein ähnlicher Anblick. Auch hier hatten sich die Vandalen mit dem Schriftzug „FCB“ verewigt und dazu noch die Buchstabenkombination „RFM“ gesetzt, was für die Ultragruppierung „Red Fanatic München“ stehen könnte.
Was die Sprayer vom Stadtrivalen TSV 1860 München halten, haben sie dann an der Kreuzung Wilhelm-Leibl-Platz/Irlachstraße visuell kundgetan. „Blaue Fotzen“ ist dort auf zwei Hinweisschildern der Stadt zu lesen.
Angezeigt worden sind die Schmierereien bislang noch nicht, wie eine Sprecherin der Polizeiinspektion Bad Aibling verrät. Das will Schlier aber so schnell wie möglich in die Wege leiten. Auch wenn der Rathauschef die Erfolgsaussichten, die Übeltäter zu überführen, für „gering“ hält. Ihm selbst bleibe nur, an die Bürger der Stadt zu appellieren, derartige Straftaten zu unterlassen. Welchen Schaden die Unbekannten angerichtet haben, dazu könne er noch keine genauen Angaben machen, „da uns da noch der Überblick fehlt“.
Was ihn an diesem Vorfall besonders ärgert? Dass es eben kein Einzelfall sei, sondern immer wieder vorkomme. „So etwas passiert zurzeit immer wieder“, sagt Schlier und verweist auf weitere Schmierereien, die jüngst beispielsweise an Einrichtungen der Stadtwerke Bad Aibling aufgetaucht seien: „Sogar die Trafostation der neuen Photovoltaikanlage an der Autobahn ist bereits beschmiert worden.“ Auch im Bereich des Eishockeystadions seien derartige Schmierereien aufgefallen, seien dort aber „mittlerweile wieder rückläufig“.
Schlier, selbst Bayern-Fan, geht davon aus, dass die Schmierfinken aus der Region kommen. Was er sich hingegen nicht vorstellen kann, ist, dass sie in den Reihen des heimischen Vereins „FC Bayern Fanclub Mietraching“ zu finden sind. „Über die lasse ich nichts kommen“, stellt der Bürgermeister klar.
„Das hat mit dem Sport
überhaupt nichts zu tun“
Der Fanclub selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch Anfragen an den FC Bayern blieben bislang unbeantwortet. Nicht möglich war zudem eine Kontaktaufnahme zur FCB-Ultragruppierung „Red Fanatic München“, die auf ihrer Homepage keine Kontaktmöglichkeit bietet.
Irene Durukan jedenfalls hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Übeltäter irgendwann zur Vernunft kommen und anfangen, über ihr Handeln und dessen Konsequenzen nachzudenken. Wobei sie die Verschandelung des Bücherschranks an der Bahnhofstraße besonders getroffen hat, da hinter einer derartigen Einrichtung „so viel ehrenamtliches Engagement“ stecke. Durukan: „Auch mir ist Fußball grundsätzlich sehr wichtig. Aber das hat mit dem Sport überhaupt nichts zu tun.“