Tuntenhausen – Auf viele Erfolge konnte Bürgermeister Georg Weigl bei der Jahresschlusssitzung der Gemeinde in seinem Jahresrückblick zurückblicken. Für ihn selbst war es die letzte Rückschau, da er 2026 nicht mehr kandidiert. Doch angesichts der Wirtschaftslage bleiben die Herausforderungen groß, wie er betonte.
Wie immer schaute der Rathauschef zunächst auf die Bundes- und Landespolitik. Die neue Bundesregierung habe die Erwartungen nicht so erfüllt, wie versprochen, konstatierte Weigl. Die wirtschaftliche Entwicklung bezeichnete er als unzufriedenstellend.
Wichtige Weichen für
die Zukunft Tuntenhausens
Sorgenfalten bereitet ihm eigenen Angaben zufolge hingegen besonders das politisch stark veränderte Umfeld. „Die Demokratie muss verteidigt werden“, forderte der Bürgermeister und appellierte an die Bürger, sich bewusst zu sein, in welch angenehmer Zeit wir bisher leben durften. „Doch unser Wohlstand ist mehr und mehr gefährdet“, warnte er.
Bezugnehmend auf die Gemeinde Tuntenhausen führte Weigl an, hier seien wichtige planerische Entscheidungen für die Zukunft des Ortes getroffen worden. Er verwies auf den neuen Flächennutzungsplan, der nach sechs Jahren Arbeit im Oktober 2025 das Plazet des Landratsamtes bekam. „Damit haben wir die strategische Ausrichtung der Gemeinde für die nächsten Jahrzehnte festgelegt“, betonte Weigl.
Ein ganz wichtiger Schritt ist laut dem Bürgermeister auch das Projekt Ostermünchen-Mitte. Hier sei im Hintergrund viel passiert, offenbarte der Bürgermeister: Aufgrund der schwierigen Situation auf dem Immobilienmarkt wurde das Areal in Teil A (Arzt, Apotheke, Tagespflege, gefördertes Wohnen) und B (reiner Wohnungsbau) aufgeteilt. Teil A übernimmt dabei die Gemeinde, Teil B die MVB Baukultur. Grundstücksneuvergabe, geänderter Bebauungsplan und städtebaulicher Vertrag – das alles sei aufwendig gewesen, berichtete Weigl. Der Bauantrag werde wohl im Januar kommen, im Frühjahr 2026 solle das Projekt der Bevölkerung vorgestellt werden.
Beim nächsten Großprojekt, der Erweiterung des Gewerbegebietes Oberrainer Feld, war laut Weigl leider eine erneute Überplanung nötig, wodurch es weitere Verzögerungen gab. Erschließung und Grundstücksvergabe sollen nun 2026 vor sich gehen.
Viel bewegt hat sich in Tuntenhausen auch in Sachen Energiewende. So ist die kommunale Wärmeplanung, die Kommunen bis 2028 vorlegen müssen, bereits im Sommer vorgestellt und verabschiedet worden. Bebauungspläne für zwei Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Mailling und Bichl sind schon realisiert, eine dritte bei Bach ist in Erstellung. In Schönau entsteht ferner ein Nahwärmenetz, das die Mehrzweckhalle künftig versorgen wird.
Bei der Wasserversorgung setzt die Gemeinde auf mehr Versorgungssicherheit: Ein Notverbund mit den Stadtwerken Bad Aibling wird aufgebaut, zugleich wird der Hochbehälter in Schönau saniert. Zwei der vier Kammern erhalten dabei eine neue Edelstahlauskleidung.
Zudem tritt die Gemeinde der Öko-Modellregion Glonn-Mangfalltal-Aying bei. Im Mittelpunkt des Projekts stehe hier die stärkere Vernetzung von Landwirten und Verbrauchern, erklärte Georg Weigl. Ziel der Staatsregierung sei es, den Anteil ökologisch bewirtschafteter landwirtschaftlicher Flächen auf 30 Prozent zu erhöhen.
Bürgermeister betont
soziales Miteinander
Mau sieht es allerdings in der Bautätigkeit in der Gemeinde in 2025 aus, wie Weigl zugab: „Wir haben nur wenige Neubauanträge.“ Zu guten Zeiten hatte Tuntenhausen an die 120, heuer nur noch 50 Bauanträge. Und darunter seien keine zehn Neubauten.
Als zufriedenstellend bezeichnete er dagegen die Gewerbesteuerentwicklung, die allerdings deutlich rückläufig im Vergleich zum Jahr 2024 sei. Gottlob, so der Bürgermeister, sei die Gemeinde nach wie vor schuldenfrei. „Aber die Kosten steigen“, sagte er. 2026 werde ein herausforderndes Jahr durch die erhöhten Umlagen und die reduzierten Schlüsselzuweisungen, die den Haushalt schwer tangieren würden. „Wir rechnen mit bis zu 2,5 Millionen Euro weniger an Einnahmen und einem Mehr an Ausgaben“, untermauerte der Bürgermeister die schwierige Finanzlage.
Erfreut zeigte sich Weigl darüber, dass die Gemeinde trotz zahlreicher Projekte keinen Investitionsstau aufweist. Möglich sei dies nur durch das gute soziale Miteinander in den Vereinen und Organisationen sowie durch das große Engagement der Bürger. „Die Gemeinde ist so erfolgreich wie ihre Bürger“, betonte Weigl. Ein Miteinander und eine starke Gemeinschaft seien der Grundstock für sozialen Frieden und den Erhalt der Dorfgemeinschaft.
Zum Abschluss wurde Weigl persönlich: „Das hier ist meine letzte Jahresschlusssitzung, bei der ich allen Kolleginnen und Kollegen für die angenehme und zielführende Zusammenarbeit zum Wohle der Bürger danke.“ Langanhaltender Beifall begleitete die Worte des scheidenden Bürgermeisters.