Bruckmühl – Mit der traditionellen Einladung der Senioren aus dem ehemaligen Göttinger Gemeindebereich zum gemütlichen Nachmittag in der Mehrzweckhalle der Grundschule Götting beendete die Marktgemeinde Bruckmühl ihre gesellschaftlichen Aktivitäten im abgelaufenen Kalenderjahr. Knapp 100 Gäste erlebten dabei ein Stück authentischer Gemeindegeschichte.
Die Historie des bunten Nachmittags geht auf Ereignisse des Jahres 1978 zurück. Zwischen 1969 und 1978 wurde in Bayern eine umfassende kommunale Gebietsreform durchgeführt. Diese begann ab 1972 auf freiwilliger Basis und wurde im Jahre 1978 mit Zwangseingemeindungen abgeschlossen.
Landkarte verändert
sich in den 1970er-Jahren
Unter der Leitung des damaligen Innenministers Bruno Merk erfuhr die Landkarte Bayerns eine entscheidende Veränderung: Die Zahl der Gemeinden wurde von 7.073 auf 2.052 reduziert, die der Landkreise von 143 auf 71 und die der kreisfreien Städte von 48 auf 25. Besonders betroffen waren die kleinen ländlichen Gemeinden, von denen es in Bayern bis dahin eine große Zahl gegeben hatte. Die Reform stieß jedoch vielerorts auf Widerstand, insbesondere in Gemeinden, die anderen angegliedert werden sollten.
Hiervon war auch die Gemeinde Götting betroffen. Die Göttinger Bürger wehrten sich vehement gegen die „feindliche Übernahme“, doch letztendlich waren alle Anstrengungen vergeblich. Am Montag, 1. Mai 1978, wurde Götting in den Markt Bruckmühl eingegliedert. Die nördlich von Bruckmühl gelegene Gemeinde Holzham hatte sich zuvor schon am Mittwoch, 1. Januar 1975, freiwillig angeschlossen.
In diesem Zuge gelang dem damaligen Göttinger Bürgermeister Josef Wörndl Senior noch ein genialer und entscheidender Schachzug. Er rang nach Erzählungen dem damaligen Bruckmühler Rathaus-Chef Karl Puff mit harten und kompromisslosen Verhandlungen das unkündbare Versprechen ab, dass die Marktgemeinde die Senioren (ab dem 65. Lebensjahr) der alten Gemeinde Götting – samt den dazu zählenden Ortsteilen Waith, Linden, Mittenkirchen und Thalham – alljährlich zu einem bunten Nachmittag kostenfrei einzuladen hat.
In diesem Zusammenhang kann das Göttinger Urgestein Heinz Salzborn mit einem Augenzwinkern noch eine nette Anekdote zum Besten geben: „Unser ehemaliger Gemeinderat Alois Fuchs hat in seiner Amtszeit Anfang der 2000er-Jahre gleich mehrfach den damals amtierenden Bürgermeister Franz Heinritzi mit der Frage und der gleich darauffolgenden Antwort auf die Palme gebracht: Was ist das Schönste an Bruckmühl? Die Kreisstraße nach Götting.“
An der traditionellen Veranstaltung nahmen neben Bürgermeister Richard Richter, seiner Stellvertreterin Anna Wallner sowie einigen Marktgemeinderäten auch Pfarrer Augustin Butaco teil. Bei seinem kurzen und launigen Grußwort zeigte sich das Rathaus-Oberhaupt sehr erfreut, als er auf seine Frage „Wie war denn bei euch in Götting das Weihnachtsfest?“ ein lautes und kollektives „Schön“ als Antwort erhielt. Auch richtete er einen „innigen Dank“ an die Göttinger Dirndlschaft und den Burschenverein, die unter der Gesamtleitung von Stefan Sedlmair für die Organisation und Durchführung sowie für die komplette Bewirtung der Veranstaltung verantwortlich zeichneten. Der katholische Geistliche nahm die Gelegenheit wahr, um zum Jahreswechsel passende Worte der Nähe und Nöte, des Dankes und der Hoffnung auszusprechen. „Gott war in jeder Situation bei uns, auch wenn in Teilen nicht alles leicht war“, blickte Pfarrer Butaco zurück. Auch appellierte er abschließend: „Nehmen Sie sich die Zeit und genießen im neuen Jahr die Augenblicke der Freude“.
Geschenke der
Dritten Bürgermeisterin
Für beste Unterhaltung mit einer großen Portion Schmunzelfaktor sorgten im geselligen Teil die Geschichtserzählungen „vom Glück“, über „Irritationen aufgrund verwechselter Weihnachtsgeschenke“ oder auch „von einer weiß-blauen Zipfe-Haub’n“ (Zipfelmütze). Die harmonischen und stimmungsvollen Brückenschläge zwischen den Vorträgen und Programmpunkten lagen in den bewährten Händen der sympathischen Musiker der routinierten „Goldbach Musi“ und der jungen „Goldbleamal Musi“.
Eine Überraschung hatte zum Ende des Nachmittags noch Anna Wallner, Dritte Bürgermeisterin, im Köcher. So konnten sich alle Besucher aus einem kleinen Glücks-Jutebeutel ein kleines süßes Schokopräsent samt individuellen irischen Segenswünschen mit nach Hause nehmen.