Unterstellungen statt Argumente

von Redaktion

Nun liegt‘s also in der Hand der Bürger: Am 19. April 2026 dürfen die Kolbermoorer darüber abstimmen, ob die Planungen für eine neue Siedlung im Nordosten der Stadt fortgeführt werden sollen. Oder ob sie – zumindest für ein Jahr – in der Schublade landen. Ein Projekt, das angesichts des großen Mangels an Wohnraum und der Absicht, rund 50 Prozent der Wohneinheiten als kommunalen Wohnungsbau und Seniorenwohnen umzusetzen, durchaus sinnvoll erscheint. Was jedoch nichts daran ändert, dass einige, die derzeit darüber diskutieren und streiten, ein unrühmliches Bild abgeben.

So liegt das Projekt derzeit sogar seitens der Stadt auf Eis, da sich vor allem die CSU-Fraktion bereits im Wahlkampfmodus befindet. Und dafür offenbar willentlich vergisst, dass erst durch die Ausarbeitung des Bebauungsplans wichtige Fragen im Detail geklärt werden können. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Bürgermeister Peter Kloo (SPD) und dessen Parteigenossin Dagmar Levin-Feltz mit verbalen Attacken die Ablehnung des Antrags manifestiert haben, anstatt mit diplomatischen Worten bei Abweichlern um Zustimmung zu werben. Wobei dieses parteipolitische Geplänkel durchaus als harmlos bezeichnet werden kann. Zumindest im Vergleich zu dem leicht durchschaubaren Spiel, das die Bürgerinitiative N.O.T. Kolbermoor (BI) seit Monaten treibt. Denn die BI, die das Bauvorhaben mit allen Mitteln verhindern will, setzt schon lange nicht mehr auf Argumente, sondern in erster Linie auf den Versuch, Stadtvertreter und weitere Projektbeteiligte, beispielsweise durch fadenscheinige Anzeigen bei Behörden, zu diskreditieren.

Trauriger Höhepunkt: der Adventskalender auf der BI-Homepage, anhand dessen die Bürgerinitiative die Entwicklung nach eigenen Angaben „manchmal humorvoll, manchmal etwas satirisch, aber immer sachlich kritisch“ begleiten wollte. Herausgekommen ist eine Ansammlung teils wirrer Gedankengänge, Halbwahrheiten und unterschwelliger Unterstellungen, die das Herz eines jeden Wutbürgers höherschlagen lassen dürften.

Dass sich die Autoren bei der Ausformulierung der Texte in der Regel oftmals mit Formulierungen auf Stammtischniveau begnügen, wäre noch zu verschmerzen. Dass aber bereits hinter dem ersten Türchen des Adventskalenders einer Mitarbeiterin des Bauamts zwischen den Zeilen unterstellt wird, dass sie ein Auge auf eine der Wohnungen geworfen haben könnte und daher so vehement für das Projekt eintrete, ist wirklich erbärmlich.

So dürften sich die BI-Verantwortlichen eigentlich nicht wundern, dass sie jüngst eine „Verschärfung in der Atmosphäre der Diskussion“ wahrgenommen haben und nun über „unsachliche Kommentare“ jammern müssen. Ist dies doch scheinbar die einzige Sprache, die sie selbst sprechen und verstehen. Oder gibt’s im sprachlichen Repertoire der Siedlungsgegner auch sinnvolle und tragfähige Argumente? Die kommenden Wochen bis zur Abstimmung am 19. April 2026 werden es zeigen. Mathias Weinzierl

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