Hoffen auf den Faktor „Zeit“

von Redaktion

Für Familie Reitberger aus Bruckmühl ist das Weihnachtswunder ausgeblieben. Ärzte empfehlen, ihren Sohn Martin (4), der an einem seltenen Gendefekt leidet, wegen Bewegungseinschränkungen operieren zu lassen. Die Familie will jedoch Zeit gewinnen und hofft auf alternative Behandlungsmethoden, um die Operation hinauszuzögern.

Bruckmühl – Es wäre für Familie Reitberger aus Bruckmühl ein absolutes Weihnachtswunder gewesen – doch das Wunder ist ausgeblieben. Das Ehepaar Manuela (42) und Markus Reitberger (43) hatte so sehr gehofft, dass sich die Ärzte gegen eine Operation von Martin, der an einem seltenen Gendefekt leidet, entscheiden. „Leider wurde uns kurz vor Weihnachten empfohlen, Martin operieren zu lassen“, erzählt Mama Manuela auf OVB-Anfrage. Und dennoch: Die Familie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass auch andere Behandlungsmethoden zum Erfolg führen könnten.

Erste Monate
verlaufen normal

Während Martins erste Lebensmonate völlig normal verlaufen waren, zeigten sich im Alter von 15 Monaten erstmals gesundheitliche Probleme, die binnen weniger Stunden in einer lebensbedrohlichen Situation gipfelten: Im Oktober 2022 bekam der Bub so hohes Fieber, dass das Ehepaar Reitberger mit Martin ins Krankenhaus fuhr. Noch auf der Fahrt in die Klinik verlor der Bub das Bewusstsein und fing an zu krampfen.

Im Krankenhaus angekommen, wurde der kleine Bub an diverse Maschinen angeschlossen, die plötzlich eine Nulllinie zeigten. Martin war klinisch tot. Doch den Ärzten gelang es, den kleinen Bruckmühler ins Leben zurückzuholen. Seither sind derartige gesundheitliche Extremsituationen zu einem ständigen Begleiter der Familie geworden, die aber nach einem Besuch im Medizinisch Genetischen Zentrum München zumindest weiß, welche Diagnose den Anfällen zugrunde liegt.

Denn Martin leidet an einer Entwicklungsverzögerung, einer sogenannten RORB-gen-assoziierten Epilepsie mit hoher Statusneigung. „Es nennt sich Mikrodeletion Rorb-Gen 22q11.23 – das ist sehr selten und kaum erforscht“, weiß Manuela Reitberger. Ein Defekt, der unter anderem dazu führt, dass dem Buben das Gehen oftmals schwerfällt. Ein Handicap, das in den vergangenen Monaten mehr und mehr zutage getreten war, weshalb Manuela Reitberger gemeinsam mit Martin mehrere Tage für eingehende Untersuchungen in der Schön-Klink Vogtareuth verbrachte.

Ergebnis der Untersuchungen: Martin leidet an beiden Seiten des kleinen Körpers an einer sogenannten Hüftdysplasie, was bedeutet, dass Martins Hüftköpfe nicht genau in den Hüftpfannen sitzen. Was wiederum nicht nur sein Gangbild in Mitleidenschaft zieht, sondern auch Schmerzen verursacht. Weitere Untersuchungen kurz vor Weihnachten sollten zeigen, ob Martin operiert werden muss. Oder ob es eventuell konservative Therapien gibt, die eine Operation verhindern können.

Familie in
großer Sorge

Dass die Ärzte dem Ehepaar jetzt empfohlen haben, Martin operieren zu lassen, bereitet Manuela und Markus Reitberger große Sorgen. Denn sie befürchten, dass der Bub durch eine Narkose in seiner sowieso eingeschränkten Entwicklung wieder weit zurückgeworfen werden könnte. So hatten Mediziner dem Bruckmühler Ehepaar einst prophezeit, dass Martin nie sprechen kann. Doch mittlerweile umfasst der Wortschatz des Buben mehr als 50 Wörter, wie Manuela Reitberger verrät. „Vor allem bei Wörtern, die ein ,S‘ oder ein ,T‘ enthalten, hat er Schwierigkeiten“, sagt Manuela Reitberger, die dennoch auf die Entwicklung stolz ist. Nun befürchtet sie aber, dass die Sprachentwicklung durch eine Operation „wieder in eine negative Richtung rutschen könnte“.

Die Familie setzt daher darauf, dass eine Kombination aus Osteopathie und Krankengymnastik eine notwendige Operation zumindest so lange wie möglich herauszögert. „Wir versuchen, zumindest etwas Zeit zu schinden“, sagt die 42-Jährige, die hofft, „dass seine bisherige Entwicklung dann vielleicht schon so gefestigt ist, dass dann nicht zu viel verloren geht“. Aus medizinischer Sicht sei es derzeit kein Problem, mit der Operation zunächst zu warten.

Osteopathische
Behandlung

Die erste osteopathische Behandlung hat der kleine Wirbelwind bereits hinter sich. Mit einem Ergebnis, das durchaus Hoffnung macht. „Er geht aktuell wieder gerade und ist zudem schmerzfrei“, verrät die 42-Jährige, die von den positiven Auswirkungen der Therapie selbst überrascht ist. „Ich hatte mich mit dem Thema Osteopathie bislang nicht so ausführlich beschäftigt. Es ist schon unglaublich, wie man sieht, wie ein humpelndes Kind nach der Behandlung plötzlich nicht mehr humpelt.“

Gesundheitliche
Wünsche

So könnte aus dem Weihnachtswunder vielleicht ein Neujahrswunder werden. Denn die größten Wünsche, die das Ehepaar Reitberger für 2026 hat, drehen sich um ihren Martin. „Ich würde mir wünschen, dass wir Martins Gesundheit noch besser in den Griff bekommen, wir es zudem schaffen, sein Immunsystem zu stärken.“ Was wiederum seine lebensbedrohlichen Anfälle reduzieren würde. Sie weiß aber auch, dass Martins seltener Gendefekt eine „Wundertüte“ bleiben wird: „Wir haben diese Wundertüte geöffnet und wissen jetzt nie, was man bekommt.“

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