„Wie eine zweite Familie“

von Redaktion

Interview Lisa Lederer und Marinus Halbig sind das neue Prinzenpaar in Bad Aibling

Bad Aibling – Es war ein großer Tag für Lisa Lederer und Marinus Halbig, als sie am 11.11., pünktlich um 11.11 Uhr vor einer großen Zahl neugieriger Närrinnen und Narren auf dem Bad Aiblinger Marienplatz in der Stadtmitte als neues Prinzenpaar präsentiert wurden. Sie regieren nun Bad Aiblings Narren im Fasching 2026. Vor den großen anstehenden Veranstaltungen, etwa dem Krönungsball im Kurhaus am Samstag, 10. Januar, erzählen die beiden im OVB-Interview, wie sie von ihrer besonderen Berufung erfahren haben, wie schwer es war, das Geheimnis zu hüten, und worauf sie sich im Jahr 2026 besonders freuen.

Ihr wurdet am 11.11. um 11.11 Uhr euren zukünftigen närrischen Untertanen vorgestellt. Wie habt Ihr die Vorstellung erlebt?

Marinus: Super schön, ich habe mich sehr gefreut, dass so viele Bekannte und Spezl da waren. Von vielen Bekannten wusste man ja schon im Voraus aus den vorherigen Jahren, dass sie (wie immer) kommen, aber natürlich waren einige dort, mit denen man nicht rechnet, und über die freut man sich natürlich dann besonders. Das erste Mal vor all den Leuten zu stehen, ist natürlich ein Wow-Moment. Bisschen Bauchweh kriegt man schon, aber sobald man auf den Marienplatz fährt, kann man ja eh nicht umdrehen. Und will’s ja auch gar nicht mehr.

Lisa: Müsste ich diesen Tag beschreiben, würde ich sagen, er war ein bisschen wie Geburtstag und Weihnachten gleichzeitig – einfach ein einmaliges und verrücktes Erlebnis. Meine größte Sorge, beim Walzer über den Marienplatz auf dem Pflaster zu stolpern, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Das großartige Wetter und die durchweg positive Resonanz der Mannschaft sowie meines Umfelds haben den Tag perfekt abgerundet. Abgesehen vom schlechten Schlaf in der Nacht zuvor hielt sich meine Nervosität in Grenzen. Ich habe mich einfach wahnsinnig darauf gefreut, das Geheimnis endlich zu lüften und die Reaktionen der Menschen zu sehen – zumal es in den letzten Tagen vor dem 11.11. wirklich schwer war, noch gute Ausreden zu finden.

Wie war die Fahrt im Oldtimer-Cabrio mit dessen Besitzer, Senator Günter Gruber, als Chauffeur?

Marinus: Günter als mein Nachbar hat sich mindestens genauso auf den 11.11. gefreut wie wir, es war total lieb und witzig mit ihm. An der Stelle auch nochmal vielen Dank an ihn! Günter Gruber hatte ein super Gespür dafür, wie viel „Narr“ oder „Majestät“ uns und dem Cabrio noch fehlte. Und das hat er uns mit Bravour entgegengebracht.

Lisa: Die Entscheidung, mit einem Cabrio auf den Marienplatz zu fahren, fiel schnell. Umso besser, dass unser Senator und zugleich Nachbar des Prinzen eines besitzt. Günter war sofort begeistert von der Idee und ließ es sich natürlich nicht nehmen, das Auto passend zur Faschingszeit zu dekorieren. Die Fahrt zum Marienplatz – inklusive einer extra Runde durch den Kreisel – machte in dem schicken Oldtimer ganz besonders viel Spaß.

Lisa, du hast ja bereits ausreichend Tanzerfahrung als Gardemädel. Inwieweit kommt dir diese Erfahrung für Walzer und Showteil des Prinzenpaares entgegen?

Lisa: Schwierig zu sagen. Bei den ersten Trainingseinheiten mit unserem Tanzlehrer hatte ich tatsächlich das Gefühl, als hätte ich in meinem Leben noch nie zuvor getanzt. Diese Tanzrichtung unterscheidet sich deutlich vom Gardetanz. Entsprechend musste ich – wie jede andere Prinzessin auch – wieder ganz von vorne anfangen. Meine bisherige Erfahrung half mir jedoch sehr bei den organisatorischen Abläufen rund um das Training. Dadurch konnten wir uns voll auf das Tanzen konzentrieren und machten schnell Fortschritte.

Marinus, wie sieht es bei Dir aus? Du bist aktiver Trachtler, da tanzt man ja auch. Hilft das auch bei den Tänzen im Fasching?

Marinus: Ja natürlich! Was allerdings am meisten bringt, ist eine musikalische Ader. Zu hören, wo eine 1 oder eine 3 im Takt ist oder wo man sich zeitlich im Lied/Tanz befindet, hilft total. Zumindest ging mir das so.

Wie oft seid Ihr im Training, wie viele Stunden opfert Ihr wöchentlich dafür?

Beide: In den Wochen bis Weihnachten einiges. Drei- bis viermal die Woche. Jetzt über die Feiertage und zwischen den Jahren war es ruhiger. In Stunden umgerechnet vielleicht acht bis zehn, ohne Fahrzeit.

Das Geheimnis, wer Prinzenpaar wird, ist ja stets streng gehütet. Wann habt Ihr erfahren, dass Ihr im Fasching 2026 „regieren“ sollt?

Lisa: Bereits im Frühjahr wurde ich darauf angesprochen. Da mein Freund jedoch tänzerisch kein großes Talent mitbringt, blieb die Suche nach einem Prinzen zunächst offen und zog sich bis in den Herbst. Marinus und ich kannten uns zuvor nicht, und er wollte mich vor seiner Zusage erst einmal kennenlernen. Schon nach wenigen Minuten stand für ihn fest, dass er dabei ist. Aufgrund des späten Zeitpunkts ging es anschließend von null auf hundert los: vier Trainingseinheiten pro Woche, ergänzt durch zahlreiche weitere Termine. Ich bin sehr glücklich mit meinem Prinzen. Ich denke, wir ergänzen uns gut – meine Erfahrung trifft auf Marinus’ Lockerheit. Uns verbindet nicht nur die Vereinszugehörigkeit zu Bad Aibling, sondern auch die Tatsache, dass wir beide absolute Vereinsmenschen sind. Zudem konnten wir unseren Trainingsrückstand bereits vor einigen Wochen vollständig aufholen.

Marinus: Mitte September.

Habt ihr „Bedenkzeit“ gebraucht, um euch zu entscheiden?

Lisa: Ich war tatsächlich sehr überrascht, da ich nie damit gerechnet hätte, einmal gefragt zu werden, ob ich Prinzessin sein möchte. Entsprechend fühlte ich mich zugleich geehrt und überfordert. Nach knapp fünf Tagen Bedenkzeit überwog schließlich die Lust am Tanzen. Rückblickend war es genau die richtige Entscheidung – bis heute macht es einfach riesigen Spaß.

Marinus: Ich habe den Steve (Stefan Seidl, Präsident der Aiblinger Faschingsgilde) gefragt, bis wann er es wissen muss. Er meinte, bis Sonntag. Das waren vier Tage Bedenkzeit. Darauf sagte ich: „Okay, bis dahin weiß ich’s.“ Am Samstag hatte ich dann schon zugesagt.

Wie schwer war es, bis zum 11.11. niemand anderem davon zu erzählen?

Marinus: Schon ziemlich. Vor allem, weil ich bei den Vereinen immer Ausreden brauchte, warum ich dann und dann am Termin xy nicht kommen kann. Die Tatsache per se, dass ich der Faschingsprinz bin, das ging ganz gut.

Lisa: Ich wollte es bewusst so wenigen Personen wie möglich erzählen, da ich Überraschungen einfach liebe. Mein Freund wusste natürlich Bescheid – in einem gemeinsamen Haushalt ließ sich das ohnehin nicht vermeiden. Meinem Bruder, der in Augsburg lebt, musste ich es ebenfalls irgendwann anvertrauen, da wir in Friedberg waren, um die Stoffe für unsere Outfits auszusuchen, und ich ihn anschließend besuchte. Vor allen anderen konnte ich die Neuigkeit tatsächlich geheim halten. Das erforderte eine gute Abstimmung zwischen mir und meinem Freund sowie einige kreative Ausreden. Erst in diesem Jahr ist mir bewusst geworden, wie groß das Interesse daran ist, wer Prinz und Prinzessin wird. Selbst die Freunde meines Freundes stellten mir beim gemeinsamen Fußballschauen immer wieder neugierige Fragen. Am meisten gefreut hat es mich jedoch, dass ich meine Mama wirklich überraschen konnte. Sie hatte absolut nichts geahnt und konnte ihre Freude kaum verbergen – ein paar Tränen inklusive.

Als erstes Großereignis steht der Krönungsball am 10. Januar an. Was überwiegt bei euch, Freude oder Nervosität?

Marinus: Freude. Des wird super!

Lisa: Ich hoffe, dass mir meine Erfahrung dabei helfen wird, die Nervosität abzulegen. Seit Beginn des Dezembers fühlt sich alles noch einmal deutlich näher an, weshalb ich mir hin und wieder viele Gedanken mache. Gleichzeitig überwiegt jedoch die Vorfreude: Wenn bereits der 11.11. so besonders war, frage ich mich, wie erst der Krönungsball werden wird. Zunächst freue ich mich jedoch auf die Generalprobe – und ganz besonders auf den Moment, in dem ich zum ersten Mal mein wunderschönes Prinzessinnenkleid präsentieren darf.

Worauf freut ihr euch im Fasching 2026 besonders?

Marinus: Schwer zu sagen. Auf die Bälle. Auf die Zeit mit der Garde und der Gilde.

Lisa: Ich freue mich auf den Einzug am Krönungsball – und auf jeden einzelnen Moment, besonders mit der Mannschaft, die für mich wie eine zweite Familie ist.

Es ist noch weit weg, aber am Faschingsdienstag endet mit dem Kehraus Eure „Regentschaft“. Bleibt Ihr der Gilde danach in einer anderen Funktion erhalten?

Marinus: Bisher noch nicht. Außer dem Amt als Ex-Prinz ist noch nichts fix.

Lisa: Auf jeden Fall – ohne Fasching geht für mich einfach nichts. Ich werde wieder in meine alte Rolle als „rasende Reporterin“ schlüpfen. Das Amt der Medienministerin hat mir in den vergangenen Jahren bereits großen Spaß gemacht.

Uwe Hecht

Die Veranstaltungen der Faschingsgilde Bad Aibling

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