Tuntenhausen – In Großkrippen wird der von König Herodes angeordnete „bethlehemitische Kindermord“ in der szenischen Abfolge vor oder unmittelbar nach der Anbetung der Weisen aus dem Morgenland dargestellt. Die Historizität dieses Geschehens wird von der Exegese längst infrage gestellt. Der liturgische Kalender feiert das „Fest der unschuldigen Kinder“ bereits am Montag, 28. Dezember. In vielen Krippen wird diese verstörende Szene, wenn überhaupt noch, nur stark reduziert präsentiert. In der Spitalkrippe sind die römischen Soldaten in Marschformation als Eskorte dem Königszug beigegeben. In Tuntenhausen sind die Kindsmörder in die Uniformen der in der Entstehungszeit der Krippe gefürchteten Janitscharen gekleidet.
Daneben findet sich an der Predella des südlichen Chorumgangsaltars dieser Basilika eine zweite Darstellung, die Aufmerksamkeit verdient, da zentrale Motive aus dem bekannten Gemälde „Das Urteil des Salomo“ von Peter Paul Rubens aus den Jahren 1615/17 entnommen sind. Dessen Mitarbeiter Boetius à Bolswert hatte durch seine 1629/33 erschienene Kupferstichwiedergabe für eine weite Verbreitung des Gemäldes gesorgt. Es muss also nicht verwundern, wenn der Hofmaler Ulrich Loth das Motiv nach 1630 für den Münchner Hof umgesetzt und der Wasserburger Maler Gregor Sulzböck das Motiv als sogenanntes „Gerechtigkeitsbild“ einmal für das Rathaus in Wasserburg 1667 und einmal für das Rathaus in Dorfen 1686 wiederholt hat.
Aus der figurenreichen Vorlage hat der Künstler des Tuntenhausener Bildes nur die Person des Henkers mit nacktem Oberkörper und Kopfbinde herausgegriffen, der das Kind, um das sich zwei Mütter vor König Salomon streiten, teilen soll. Die wirkliche Mutter hebt flehend die Arme, während das tote Kind der anderen Frau am Boden liegt. Der Maler hat diese Szene unmittelbar von Rubens/Bolswert übernommen, in eine antike Stadtarchitektur hineingestellt und mit einem Soldaten in römischer Fantasierüstung und einigen toten Kindern kombiniert, um die Dramatik zu steigern.
Während eine Rechnung von 1643 für das Gemälde des nördlichen Seitenaltars Ulrich Loth als Maler ausweist, fehlen für den südlichen Seitenaltar jegliche präzisen Angaben. Aber die Malweise, der Architekturhintergrund und das Motiv von Rubens, das auch der Wasserburger Maler zweimal kopiert hat, könnten auf Gregor Sulzböck (um 1630 bis 1698) als Künstler hinweisen, zumal das Kloster Beyharting, dem Tuntenhausen unterstand, über Jahrzehnte Wasserburger Künstler beschäftigt hat.