Feldkirchen-Westerham – Es war endlich so weit. Für Florian Genge (13), Charlotte Ebrecht (15), Luisa Plötz (17) und Moritz Zehetmeir (14) und ihre zwei Begleiter ging es am Montagmorgen, 5. Januar, mit dem Zug nach Berlin. Denn einen Tag später hatten sie im Bundeskanzleramt einen großen Auftritt vor sich. Sie trafen dort am gestrigen Dienstag als Sternsinger Kanzleramtschef Thorsten Frei. Und die vier waren schon im Vorfeld sehr gespannt, was sie dort alles erwartet. Ursprünglich war nämlich sogar ein Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz geplant.
Durch eine
Ziehung ausgelost
„Ich bin schon etwas aufgeregt und habe vielleicht auch ein wenig Respekt, wenn ich dann den Bundeskanzler sehe“, sagte Charlotte Ebrecht einige Tage zuvor. Doch sie glaubte, die ganzen Kameras und die anwesenden Reporter würden sie noch nervöser machen. Denn so etwas hat sie bislang noch nicht erlebt. Dem schlossen sich Luisa Plötz, Florian Genge und Moritz Zehetmeir an. „Bislang bin ich noch nicht aufgeregt. Ich denke, das kommt erst, wenn wir wirklich vor dem Kanzler stehen“, sagte die 17-jährige Luisa Plötz.
Alle vier waren sich einig, dass es eine Ehre ist, an diesem Tag in Berlin dabei sein zu dürfen. Doch wie kam es eigentlich dazu? Es ist eine Tradition, die es seit 1984 gibt. Immer zum Jahresbeginn bringen 108 Königinnen und Könige, jeweils vier Kinder und Jugendliche aus allen 27 deutschen Bistümern, ihren Segen „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ ins Bundeskanzleramt.
Für die Teilnahme bewerben sich alle katholischen Pfarrgemeinden, die dann durch eine Ziehung ausgelost werden. Dieses Jahr traf es unter anderem die Pfarrei St. Michael in Großhöhenrain, die die Erzdiözese München und Freising beim Sternsinger-Empfang vertreten darf. Welche Ministranten allerdings dann letztendlich nach Berlin fahren dürfen, wurde in einer externen Sitzung von den Oberministranten entschieden.
„In dieser Besprechung haben wir dann gesagt, dass es cool wäre, wenn in der Gruppe Leute dabei sind, die schon ein gewisses Alter haben. Denn für die Jüngeren wäre das Ganze vielleicht zu überfordernd gewesen“, erklärte Charlotte Ebrecht. „Und dann waren wir uns auch einig, dass Mädels und Burschen dabei sein sollen.“ Auf einer Liste standen dann alle potenziellen Ministranten. „Dann haben wir überlegt, wer sich von denen trauen würde, vor so vielen Leuten zu sprechen“, erinnert sich Florian Genge. Letztlich fiel die Entscheidung auf ihn, Charlotte Ebrecht, Luisa Plötz und Moritz Zehetmeir.
„Ich finde, es ist schon eine Ehre, wenn man von vielen Ministranten ausgewählt wird und ich jetzt ausgerechnet mitfahren darf“, sagte Florian Genge. Dem stimmte Luisa Plötz zu. Sie ist Oberministrantin und im Leitungsteam. Dass sie ausgewählt wurde, ist für sie etwas Besonderes. Denn wann ergibt sich solch eine Chance noch einmal, sagte sie.
„Habe mich sehr
geehrt gefühlt“
„Ich habe mich richtig gefreut. Ich habe einen kurzen Moment nicht gewusst, auf was ich mich da jetzt einlasse, aber dann wurde mir alles erklärt und dann habe ich mich sehr geehrt gefühlt“, schloss sich Charlotte Ebrecht an.
Der Vierte im Bunde sah das nicht anders. Obwohl Moritz Zehetmeir dem Bundeskanzler bereits begegnet ist, damals allerdings noch in seinem Amt als CDU-Vorsitzender. Während des bayerischen Wahlkampfs kam Friedrich Merz nach Feldkirchen-Westerham und hielt eine Rede. „Wir haben da mit der Blasmusik gespielt“, sagte Zehetmeir. Dennoch sei der jetzige Besuch im Bundeskanzleramt für den 14-Jährigen ebenfalls etwas ganz Besonderes.
Auch die Reise nach Berlin war für die vier spannend. Denn sie alle besuchten die Hauptstadt zum ersten Mal. Und dazukommt, dass sie die einzige Sternsinger-Gruppe sind, die einen Tag länger bleiben dürfen. Schließlich haben sie die weiteste Anreise. Und ein Tag mehr in Berlin sei super. Schließlich war der Dienstag ziemlich „durchgetaktet“. Alle 108 Könige wurden in einer Jugendherberge untergebracht und mit Polizeibussen zum Bundestag gefahren. Um 14 Uhr trafen sie dort den Kanzleramtsminister. Friedrich Merz war wegen dringender Termine verhindert. Sie sangen zusammen und gingen dann einzeln in Vierergruppen vor. Der Punkt, der für die vier Jugendlichen aus der Pfarrei St. Michael in Großhöhenrain am aufregendsten war.
Straffer
Zeitplan in Berlin
Am heutigen Mittwoch können sie es dann entspannter angehen. „In der Früh sind wir als Zuschauer beim ZDF-Morgenmagazin und schauen uns danach dann mit einem Bundestagsabgeordneten den Bundestag an“, erklärte Charlotte Ebrecht. Danach geht es dann wieder in die Heimat. Und dann wollen sie berichten, wie ihr einmaliges Erlebnis in Berlin für sie war.