Aus der Mitte entspringt ein Bach

von Redaktion

Besonderes Schulprojekt: Gymnasium Bad Aibling begeistert mit berühmtem Weihnachtsoratorium

Bad Aibling/Heufeld – Festlicher Barockklang hat das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach in der Kirche St. Korbinian in Heufeld in den Mittelpunkt eines Schulprojekts des Gymnasiums Bad Aibling gestellt. Das Ensemble aus Chor, Orchester und Solisten des Gymnasiums präsentierte die ersten beiden Kantaten des Werkes und hat damit ein musikalisches Ereignis von hoher Qualität gestaltet.

Niveau liegt weit über
dem eines Schulchores

Die musikalischen Leiterinnen Susanne Tutert, Dietgart Luber und Regina Lederer haben Bewundernswertes zustande gebracht. Angesichts des hohen musikalischen Anspruchs und der großen Besetzung war die Aufführung nur als Gemeinschaftswerk möglich gewesen: Neben zahlreichen Schülern wirkten Ehemalige, Lehrkräfte und Freunde mit, sodass sich das Bild einer großen, engagierten Schulfamilie ergab. Und aus der Mitte entsprang diesmal nicht (wie im Film von Robert Redford) ein Fluss – sondern ein Bach.

Der von Susanne Tutert und Regina Lederer vorbereitete Chor zeigte sich in Klanggestaltung, Sicherheit und Beweglichkeit auf einem Niveau, das kaum noch an einen Schulchor erinnerte. Der hochpräsente Chor trug den Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“ ebenso souverän wie das jubelnde „Herrscher des Himmels“ mit seinen anspruchsvollen Fugati. Die vielen jungen Stimmen bewältigten auch die oft beträchtlichen Höhen mühelos. Die Choräle verbanden Klarheit und Textverständlichkeit und wurden zu Ruhepolen und innigen Momenten zwischen Rezitativen und Solonummern.

Das Orchester in voller Streicher-, Blech- und Holzbesetzung mit Pauke und Orgel stand dem Chor nicht nach. Als aufmerksamer Begleiter von Chor und Solisten gestaltete es Chöre und Arien mit differenzierter Artikulation und sauberem Spiel und zeigte sich den zahlreichen virtuosen Passagen gewachsen. In der „Sinfonia“, die dem Orchester allein vorbehalten war, ließ sich das erwartungsfrohe Eilen der Hirten zur Krippe musikalisch erahnen.

Auch die Solisten überzeugten nach Angaben des Berichts durchweg. Tenor Constantin Siebert gestaltete als Evangelist die Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilet“ und wetteiferte dabei in etlichen Koloraturen mit Flötistin Martina Riedl. Die Altistin und ehemalige Schülerin Elisabeth Eder bestach mit klarer, dynamisch fein abgestufter Gestaltung, etwa in „Bereite dich, Zion“. Bass Gabriel Rupp glänzte mit großer Ausstrahlung und klanglicher Vielfalt, insbesondere in „Großer Herr, o starker König“.

Eindringliche
Meditationen

Ergänzt wurde die Musik durch Texte von Regina Huber, die ausgehend von Passagen des Oratoriumstextes kurze, eindringliche Meditationen über die Botschaft der Weihnachtsgeschichte formulierte. Die aufwendige Vorbereitung und die lange Probenarbeit haben sich deutlich ausgezahlt: Die Aufführung ging über ein rein pädagogisches Schulprojekt weit hinaus und wurde zu einem musikalischen Erlebnis, bei dem junge und erfahrene Sänger und Musiker ihre Talente bündelten und sich gemeinsam ein großes klassisches Werk erarbeiteten.

Die Freude und Begeisterung der Mitwirkenden waren den Beteiligten anzusehen und übertrugen sich auf das Publikum in der voll besetzten Heufelder Kirche. Chor, Orchester, Solisten und alle weiteren Beteiligten wurden am Ende mit stehenden Ovationen und lang anhaltendem Jubel bedacht.

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