Gelebte Leidenschaft auf dem Eis

von Redaktion

Eisstockschießen am Irlacher Weiher – Für den Bad Aiblinger Hans Gindl ein Stück Lebensqualität

Bad Aibling – Bei strahlendem Sonnenschein sind Hans Gindl und seine Mitstreiter schon zum dritten Mal auf dem Eis. Die Grödeln an den Schuhen sorgen für den besseren Halt. Es steht 1:5. „Jetzt bloß zamreiß’n“, ruft ein Mitspieler, „a‘ Mass auf die Dauben!” Damit ist keine Mass Bier gemeint, sondern das zentimetergenaue Andocken an das Zielobjekt, die schwarze runde Gummischeibe, genannt „Daube“, manchmal auch liebevoll „Hasi“. Gindl holt aus, geht in die Knie und setzt den vier Kilo schweren Stock gefühlvoll aufs Eis. 

Eisstockschießen hat in Bayern eine 500 Jahre alte Tradition und ist tief in der Kultur verwurzelt. Auf den zugefrorenen Seen haben damit die Bauern und Knechte im Winter, wenn weniger Arbeit anstand, ihre Freizeit verbracht. Ursprünglich stammt das Eisstockschießen aus Skandinavien, wo es vermutlich schon im 13. Jahrhundert betrieben wurde.  Hans Gindl, Jahrgang 1954, sportliche Figur, ist seit 1970 leidenschaftlicher Eisstockschütze. „Man bewegt sich an der frischen Luft. Und der Aufwand hält sich in Grenzen“, sagt der ehemalige Bankkaufmann, der jetzt in Bad Aibling ein Sportfachgeschäft für Tischtennis- und Eisstockartikel betreibt. Die Geselligkeit spielt natürlich auch eine Rolle. Nach dem Trainerschein hat er viel in Schulen unterrichtet und den Sport auch im Verein ernsthaft ausgeübt. Heute kommt er nur noch zur Gaudi an den Irlacher Weiher. Meistens mit seiner Frau Heidi, der einzigen Frau in der Runde.  

Die Regeln gehen so: Am Anfang stehen alle im Kreis und schießen ihren Stock mit dem Fuß in die Mitte. Daraus ergeben sich zwei Teams, die gegeneinander antreten. Ziel ist es, möglichst viele Stöcke am nächsten an die „Daube“ zu bringen. Eine Runde besteht aus sechs sogenannten „Kehren“. „Neben Kraft ist vor allem auch Technik wichtig“, sagt Gindl. Verschiedene Beläge hat er zur Verfügung. Er nimmt den schwarzen Schnellen und schraubt ihn blitzschnell mit dem Griff fest. Jetzt muss er sich voll konzentrieren. Er holt aus. Der Stock ist hinter seinem Körper knapp über Schulterhöhe. Dann schwingt er ihn mit Wucht nach vorne und setzt ihn aufs Eis. Wie an einer Schnur gezogen strebt er Richtung Daube und scheint von ihr magnetisch angezogen zu werden. Maßarbeit! Der Eisstock landet genau an der „Daube”. 7:5. Gewonnen. Macht zweimal 20 Pfennig. Dann folgt die nächste Kehre. 

Den ganzen Nachmittag geht es hin und her. Bis sie rund fünf Kilometer zurückgelegt haben. Der Arm wird langsam schwerer. Jedes Spiel läuft anders. Nie wird es ihnen langweilig. Bis die Sonne am Irlacher Weiher an diesem wunderbaren Wintertag langsam untergeht.

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