Aus für Aiblinger Waldkindergarten

von Redaktion

Der Waldkindergarten „Wurzelburg“ in Bad Aibling schließt nach nur rund drei Jahren Betrieb. Grund ist die zu geringe Auslastung der Einrichtung. Für die betroffenen Kinder und das Personal wurden bereits alternative Plätze in anderen Einrichtungen gefunden.

Bad Aibling – Als Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier zur Eröffnung im November 2022 dem Waldkindergarten „Wurzelburg“ an der Ghersburgstraße einen symbolischen Brezen-Schlüssel überreichte, herrschte große Freude, da die Einrichtungsvielfalt in der Kurstadt dadurch um einen neuen Baustein erweitert wurde. Doch nach etwas mehr als drei Jahren wird das besondere Betreuungsangebot, bei dem die Kinder bei jeder Witterung im Freien spielen, essen und singen konnten, nun wieder eingestellt. Doch was sind die Gründe hierfür und was passiert jetzt mit den Kindern, die ihren Platz verlieren, und den Mitarbeitern der Einrichtung?

Noch nicht geschlossen – aber bald

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte SPD-Stadträtin Petra Keitz- Dimpflmeier, zugleich Referentin für Schulen und Kindergärten, in ihrem Jahresbericht die Probleme in der „Wurzelburg“ angedeutet. Dabei sprach sie etwa von einer geringen Nachfrage nach Plätzen, was sich entweder mit für Waldkindergärten üblichen „zu kurzen Betreuungszeiten“ oder aber mit der Lage und Ausstattung des Kindergartens erklären lasse. Doch auch wenn es noch nicht nach einer endgültigen Schließung aussah, hat das OVB nun erfahren, dass der Waldkindergarten in der Ghersburgstraße bereits jetzt schon gar nicht mehr geöffnet haben soll.

Auf OVB-Anfrage erklärt Susanne Neumann, Pressereferentin der Diakonie Rosenheim, dem Träger des Kindergartens, dass der Waldkindergarten in Bad Aibling „derzeit nicht geschlossen“ ist. Aufgrund der aktuellen Witterungsbedingungen halten sich die Kinder momentan nicht auf dem Waldgelände auf, sondern werden vorübergehend im sogenannten „Schutzraum“ im Bildungshaus in Bad Aibling betreut. Das Bildungshaus ist ebenfalls eine Einrichtung der Diakonie Rosenheim. Doch wie Neumann bestätigt, steht eine endgültige Schließung dennoch kurz bevor.

„Richtig ist, dass der Waldkindergarten zum 28. Februar 2026 geschlossen werden soll.“ Die Schließung erfolge in enger Abstimmung mit der Stadt Bad Aibling. „Hintergrund ist die sehr geringe Auslastung der Einrichtung: Aktuell werden dort elf Kinder betreut, darunter sieben Vorschulkinder“, erläutert die Pressereferentin. Eine reguläre Kindergartengruppe umfasse in der Regel rund 25 Kinder. Die Betreuung der Gruppe erfolgt derzeit durch drei Mitarbeiter. Die notwendige Anzahl derer sei dabei unabhängig davon, ob elf oder 25 Kinder betreut werden müssen.

Wie geht es für Kinder
und Personal weiter?

Laut Neumann wechselt das Personal des Waldkindergartens auf eigenen Wunsch innerhalb der Diakonie Rosenheim in andere Kindertageseinrichtungen. Und die betreuten Kinder? „Etwa die Hälfte der Familien hat bereits einen alternativen Betreuungsplatz gefunden. Für die übrigen Kinder stehen ausreichend Plätze im Bildungshaus in Bad Aibling zur Verfügung“, erklärt Jasmin Dechant, stellvertretende Geschäftsbereichsleiterin bei der Diakonie Rosenheim. Gerade für die Vorschulkinder sei das Bildungshaus eine sehr gute Anschlusslösung, da dort entsprechende Kapazitäten und stabile Gruppenstrukturen vorhanden seien, die eine „sehr gute Vorbereitung auf den Schulstart“ ermöglichen.

Der Standort des Waldkindergartens gehört der Stadt Bad Aibling. „Über die künftige Nutzung des Geländes entscheidet daher die Kommune“, heißt es seitens der Diakonie. Nach deren Kenntnisstand plane die Kurstadt jedoch, das Areal weiterhin für Angebote für Kinder und Jugendliche zu nutzen, etwa für Projekttage oder Ferienprogramme. „Für solche Nutzungen eignet sich das Gelände sehr gut, und wir würden es begrüßen, wenn dort auch künftig Angebote für Kinder stattfinden“, so Dechant.

Laut Diakonie wurde mit dem Waldkindergarten in Bad Aibling seinerzeit – „mit großer Unterstützung der Gemeinde Bad Aibling“ – ein besonderes Angebot der Kindertagesbetreuung geschaffen. Die Entscheidung zur Schließung des Waldkindergartens sei allein vor dem Hintergrund einer veränderten Nachfrage der Eltern getroffen worden. Angesprochen auf das nahende Aus der Einrichtung erklärt Bürgermeister Stephan Schlier gegenüber dem OVB, dass man mit den Plänen zur Schließung Ende Dezember auf ihn zugekommen sei. Diese seien mit „Personalproblemen“ für die Einrichtung im Freien sowie einer „schlechten Auslastung“ begründet worden, erzählt er. Klar ist: „Uns liegt derzeit noch keine Kündigung der Diakonie vor, hier sind grundsätzlich gewisse Fristen einzuhalten.“ Sollte es jedoch dazu kommen, gebe es aus seiner Sicht zwei mögliche Varianten. „Letztlich muss das dann im Gremium entschieden werden, aber eine Möglichkeit wäre, dass wir für den dortigen Waldkindergarten dann einen neuen Träger suchen“, sagt der Bürgermeister.

Aufgrund der Tatsache, dass die Aiblinger allerdings das Angebot eines Waldkindergartens nur bedingt annehmen wollten, schlägt Schlier alternativ vor, das Grundstück zur freien Nutzung allen Aiblinger Kindergärten anzubieten. „So könnten Einrichtungen das Grundstück beispielsweise für eine ‚Waldwoche‘ oder einzelne Tage buchen und man schafft dadurch einen ‚Mehrwert‘ für alle Kindergärten – unabhängig von ihrem Träger.“

Bürgermeister Schlier: „Noch keine Kündigung“

Und trotz der sich anbahnenden Schließung der „Wurzelburg“ will Schlier die „wichtigste Botschaft“ hervorstellen: „Für die Zukunft der Betreuungssituation tut uns die Schließung nicht weh, wir werden hier keine Probleme haben“, sagt er. Durch die bestehenden Einrichtungen stünden ausreichend Plätze zur Verfügung. „Hinzu kommen künftig die vier Gruppen in Harthausen Ost“, so der Rathauschef.

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