Großhöhenrain – Florian Genge (13), Charlotte Ebrecht (15), Luisa Plötz (17) und Moritz Zehetmeir (14) waren schon sehr gespannt auf den Bundeskanzler Friedrich Merz. Die vier hatten mit 104 weiteren Kindern und Jugendlichen das große Los gezogen, am alljährlichen Sternsinger-Empfang im Bundeskanzleramt am Dienstag, 6. Januar, teilzunehmen. Doch am Abend zuvor erhielten die Sternsinger dann die Nachricht, dass sie dieses Jahr nicht vor dem Bundeskanzler singen können. Denn dieser sagte den Termin ab.
„Hausherr von Berlin“
ersetzt Friedrich Merz
Für Florian, Charlotte, Luisa und Moritz war es eine Ehre, als Sternsinger mit in die Hauptstadt fahren zu dürfen. Seit 1984 ist es Tradition, dass zum Jahresbeginn 108 Königinnen und Könige, jeweils vier Kinder und Jugendliche aus allen 27 deutschen Bistümern, ihren Segen „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ ins Bundeskanzleramt bringen. Für die Teilnahme bewerben sich alle katholischen Pfarrgemeinden, die dann durch eine Ziehung ausgelost werden. Dieses Jahr traf es die Pfarrei St. Michael in Großhöhenrain, die die Erzdiözese München und Freising vertrat. Genauer gesagt wurden Florian, Charlotte, Luisa und Moritz ausgewählt.
Und die freuten sich sehr auf ihren großen Auftritt vor dem deutschen Bundeskanzler. Dass dieser den Termin dann allerdings absagen musste, sei für die vier Ministranten aus Großhöhenrain nachvollziehbar gewesen. „Er hatte eine Friedenssitzung mit Frankreichs Präsidenten über die Ukraine“, erklärt Florian. Die vier hatten dafür viel Verständnis, schließlich sei es für eine gute Sache gewesen. „Wir waren aber natürlich schon ein bisschen enttäuscht“, sagt Luisa. „Es ist ja etwas Besonderes, den Kanzler treffen zu dürfen. War schon etwas traurig, aber es hat gepasst.“ Außerdem gab es für den Sternsinger-Empfang im Bundeskanzleramt auch einen tollen Ersatz. Denn anstelle von Friedrich Merz trafen die Sternsinger auf Thorsten Frei, Chef des Bundeskanzleramts. „Die Vertretung von Merz war ja keine unwichtige Person, sondern quasi der Hausherr von Berlin“, sagt Charlotte. Und die vier sind sich einig: Es war ein toller Empfang. Auch wenn die Aufregung zu Beginn groß war. „Wir waren immer noch aufgeregt, weil Kameras liefen und die Live-Übertragung trotzdem stattgefunden hat“, so Charlotte. Und vor der Kamera und der Presse stehe man ja auch nicht jeden Tag. „Auch als die Bilder gemacht wurden, mussten wir schauen, dass wir nicht irgendwie verkehrt stehen. Da hatte man schon Respekt davor“, sagt die 15-Jährige. Neben ihrem spannenden Auftritt beim Sternsinger-Empfang hatten die vier Ministranten am nächsten Tag auch noch einiges in der Hauptstadt zu entdecken. „Vor allem der Besuch beim ZDF-Morgenmagazin war ein Erlebnis und auch die Führung durch den Bundestag war sehr cool“, sagt Moritz. „Ich glaube, ich spreche für alle, dass es sehr schön war in Berlin.“ Danach ging es dann wieder zurück nach Großhöhenrain.
Nach der Messe am Sonntag, 11. Januar, luden die vier Sternsinger die Gemeindemitglieder in den Jugendraum ein, um über ihre spannende Zeit in Berlin zu erzählen. Für Begleiter Ulrich Dressler aus der Pfarrgemeinde St. Michael ein schöner Abschluss. „Gerade bei den Erzählungen hat man gemerkt, wie stark diese ganze Veranstaltung die Kinder geprägt hat und wie viel sie mitgenommen haben“, so Dressler. „Das wird jetzt erst richtig deutlich, da sie in Berlin viel unter ‚Zeitstress‘ standen, da wir viele Veranstaltungen hatten, die sehr stark hintereinander getaktet waren.“
Von 700 Pfarreien
ausgewählt
Auch für Dressler war es eine große Ehre, dass vier Ministranten der Pfarrei St. Michael nach Berlin durften. „Insgesamt gibt es 700 eigenständige Pfarreien und wir hatten das große Glück, dass wir das Bistum vertreten durften“, sagt er. Ganz Großhöhenrain hätte hinter den vier Sternsingern gestanden. Ohne diese Dorfgemeinschaft hätte der Ausflug in die Hauptstadt überhaupt nicht möglich sein können, erklärt Dressler.
„Sobald wir wussten, dass die Maßnahme stattfindet, wurden sofort neue Kleider genäht“, so Dressler. „Es wurden sehr viele Sachspenden getätigt, wie zum Beispiel der Samtstoff und die Bordüren.“ Um den „tollen Stern“ kümmerte sich ein Grafiker.
Und auch die Eltern packten mit an. „Ein ganz großes Lob geht auch an unsere Oberministranten, die uns das größte Problem abgenommen haben, nämlich die Auswahl der Ministranten“, sagt Ulrich Dressler. „Denn die haben ja entschieden, wer die Pfarrei in Berlin vertreten soll.“ Und für die Auserwählten Luisa Plötz, Charlotte Ebrecht, Moritz Zehetmeir und Florian Genge wird der Besuch im Bundeskanzleramt wohl ein unvergessliches Erlebnis bleiben.