Bad Feilnbach – Eine angeregte Diskussion rundete die Lesung „Philosophie auf boarisch“ beim „Kistlerwirt“ in Bad Feilnbach ab. Autor Ludwig Meindl aus Haag hatte vorweg die Devise aufgestellt, dass im Zuge der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Wandlungen auch das Bayerische „eine Renaissance, eine Neubelebung mit Niveau“ benötige, „wenn es künftig überleben will“.
„Es wird in Zukunft nicht mehr genügen, mit urigen Kraftausdrücken die Eigenständigkeit des Boarischen zu pflegen oder einem Anderssprachigen die richtige Phonetik eines Oachkatzlschwoafs einzutrichtern“, so Meindl. Zur Neubelebung gehöre eine Sprache mit Inhalt.
„Der Rolls-Royce
der Sprachen weltweit“
Das Bayerische verfüge mit seinen Aussagen wie „Sei duad’s wos“, „Werd scho werdn“, „Nix is“, „Vo nix kimmt nix“ über fundamentale Wahrheiten, die es bloß zu ergründen gelte. Das könne die „Philosophie auf boarisch“.
In der Lesung und der folgenden Dialog-Lesung mit Moderator Thomas Sax wurden die „Halloisten“ und der „Doagaffnslang“ aufs Korn genommen. Die „Hallo-Sager“ der Alltagskommunikation benutzen eine inhaltslose Floskel. Demgegenüber verfüge das traditionelle „Habe d’Ehre“ sogar über eine spirituelle Dimension, da es im Gruß die Ehre ausspreche. Diese Ehre gelte dem Gegenüber, aber auch dem Göttlichen in ihm, wie es das altindische „Atmanjali Mudra“ ausdrücke.
Gegenüber dem „Doagaffnslang“ der Mediensprache verfüge der bayerische Dialekt über viel mehr Inhalt, Humor und Eleganz. Sonderapplaus erhielt Autor Ludwig Meindl für sein Fazit: „Des Boarische ist der Rolls-Royce der Sprachen weltweit. In der Kommunikation überlegt der Bayer zunächst, wägt ab, was er sagen will und formt dann seine Gedanken in die adäquaten Worte. Der Doagaff, ob Moderator und Talkmann beim Fernsehen oder der „coole“ Alte mit Jugendslang sprudelt alles so heraus wie ein nie versiegender Wasserfall. In Bayerisch zählt eben Klasse statt Masse.“
Neben etymologischen Aspekten zu Aussprachemodalitäten und urigen Ausdrücken wie „hei“ und „wieslhaarig“ kam die Sympathie des Tirolerischen zum Bayerischen zur Sprache. Die Mentalität liege nicht weit auseinander. Ein Beitrag betraf die „Halloisten“ mit dem Hinweis auf das einzigartige „Grüß Gott“, das in Bayern lange Tradition habe. Es verfüge wie das „Habe d’Ehre“ über eine spirituelle Nuance.
Das Buch „Philosophie auf boarisch“ drücke „die Seele des bayerischen Gemüts“ aus, so eine Zuhörerin. Dialekt beinhalte Seele: „Man findet sich wieder im Buch, man muss nur drüber nachdenken.“ Moderator Thomas Sax verwies auf die generelle Potenz der Sprache, die heute im oberflächlichen Gebrauch oft unterschätzt werde: „Mit der Sprache kann man viel ausdrücken, aber auch viel kaputtmachen.“
Die Pädagogin Dr. Andrea Erhart aus Bad Feilnbach unterstrich die Bedeutung der Sprache für die Schüler, die heute vielfach von sozialen Medien beeinflusst seien. Umso wichtiger sei es, in der Familie auf eine „ordentliche Sprache“ zu achten, damit sich auch die nächste Generation noch gut auszudrücken wisse.
„Das Bewusstsein für Sprache muss gepflegt werden“, so Dr. Andrea Erhart. Ein Dank gelte Ludwig Meindl, Thomas Sax und Bernd Zapf, dass sie mit dieser Lesung einen Impuls gesetzt hätten.
Das Buch „Philosophie auf boarisch“ ist über www.philosophie-auf-boarisch.de zu haben, wo in der Regel die nächsten Lesungen angeboten werden und Lesungen gebucht werden können.