Vier Reanimationen in fünf Schichten

von Redaktion

First-Responder-Einsatzteam aus Bruckmühl hat eine arbeitsreiche und zehrende Zeit hinter sich

Bruckmühl – Die Zeit rund um den Jahreswechsel 2025/2026 war für viele Bruckmühler eine Phase der Entspannung und Besinnlichkeit. Doch für die Mitglieder der sogenannten Blaulicht-Familie (Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste) gestaltete sich diese Zeit anders. Insbesondere das First-Responder-Einsatzteam (FR) der BRK-Bereitschaft Bruckmühl hatte alle Hände voll zu tun.

„Dass es aber gleich so heftig wird, damit hätte ich nicht gerechnet“, blickt FR-Einsatzfahrer Florian Müller auf die ersten bewegten Einsatztage zurück. Der 31-jährige Berufs-Rettungssanitäter wurde in seinen ersten fünf Dienstschichten gleich zu vier Reanimationen im Raum Bruckmühl/Vagen gerufen. „Das ist schon eine Hausnummer, so etwas erlebst du auch im Berufsalltag nur ganz selten in deiner Dienstzeit“, erklärt der junge Familienvater.

Auch für erfahrene Retter
schwer zu verarbeiten

Auf die Frage, was solche Einsätze mit einem machen, antwortet er nach kurzem Nachdenken: „Auch für einen langjährigen Rettungsdienstmitarbeiter sind solche Einsätze schon belastend, gar keine Frage. Das geht einem im Nachhinein doch ganz schön an die Nieren. Wichtig ist nur, dass man solche Einsätze nicht zu nah an sich und seine eigene Familie ranlässt, sonst kann es schwierig werden.“

Der Dienstplaner der Ambulanz Rosenheim ergänzt: „Bei solchen Einsätzen stehen aber auch ganz besonders die Angehörigen der betroffenen Patienten in unserem Fokus, für die können solche Lebenssituationen schon traumatisierend sein, die benötigen dann auch eine ganz besondere und empathische Fürsorge von uns und den Rettungskräften.“ In diesem Zusammenhang ist Müller die Feststellung wichtig: „Bei dem Thema Herz-Kreislauf-Stillstand geht es um jede Sekunde, die über Leben und Tod entscheidet. Da genügt es nicht, den Notruf zu wählen und zu warten, bis professionelle Hilfe kommt. In so einer Notsituation sind gerade auch die unmittelbar Betroffenen durch erste aktive Reanimationsmaßnahmen gefordert. Hier gilt es, mit einer Portion Mut die Sache anzupacken. Man kann hierbei nichts falsch machen.“

Am Heiligen Abend wurde „Rot-Kreuz Bruckmühl 79/1“ mit FR-Einsatzfahrer Bernd Rössler um 8.13 Uhr, um 9.52 Uhr und nahtlos anschließend um 10.22 Uhr über die Integrierte Leitstelle (ILS) Rosenheim zu Rettungseinsätzen wegen bewusstloser Personen gerufen. „Glücklicherweise bestätigte sich dann aber die bedrohliche Erstmeldung nicht vor Ort“, zeigt sich der 67-Jährige rückblickend erleichtert. „Bei allen drei Einsätzen hat die Rettungskette ab der Alarmierung über die Telefonnummer 112 wie ein Schweizer Uhrwerk ineinandergegriffen.“

Für den nach eigenen Aussagen „Spätberufenen“, der sich erst im Alter von 54 Jahren dem Bruckmühler BRK und dann dem FR-Einsatzteam angeschlossen hat, hat der freiwillige Notdienst gerade an Weihnachten eine sehr hohe Priorität. „Ich möchte aus rein persönlichen und innigen Beweggründen mit meinem Ehrenamt-Engagement dafür sorgen, dass es den Bruckmühlern an solchen besonderen Tagen einfach gut geht. In dieser Sache bin ich zu 100 Prozent Idealist.“

Nach Aussage von Manuel Böhm, FR-Beauftragter, wurde am 25. Dezember die 400er-Einsatz-Marke im laufenden Jahr 2025 für „Rot-Kreuz Bruckmühl 79/1“ geknackt. Bis zum Jahresende kamen dann noch 30 weitere Einsätze hinzu. Die vielen nachfolgenden Einsätze, auch gleich zu Beginn des neuen Jahres – bis zum 8. Januar waren es schon wieder 29 Alarmierungen durch die ILS Rosenheim –, forderten die Bruckmühler BRK-Kräfte extrem und deckten das gesamte Spektrum von internistischen Einsätzen, chirurgischen Hilfeleistungen sowie sonstigen Einsätzen ab.

„Unsere Tätigkeit fordert uns tagtäglich mit einem interessanten und breit gefächerten Einsatzspektrum. Wir wissen eben nie, was uns vor Ort erwartet, wenn wir in unseren Blaulicht-BMW einsteigen. Lohn unseres Engagements ist die spürbare Erleichterung, wenn wir an den Haustüren klingeln oder am Unfallort eintreffen“, bemerkt der Oberbrandmeister und Rettungssanitäter der Berufsfeuerwehr München.

Das First-Responder-Team Bruckmühl überbrückt mit seinem ausgebildeten Personal die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Die Bruckmühler Einsatzkräfte werden von der in Rosenheim ansässigen ILS bei Notfällen alarmiert, fahren aufgrund der räumlichen Nähe als Erste den Ereignisort im Gemeindegebiet an und übernehmen in der Folge sämtliche lebenserhaltenden Basismaßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes und Notarztes. Durch diese ehrenamtliche Tätigkeit aller Einsatzfahrer wird die oft lebensrettende Durchgängigkeit der Rettungskette vom Unfallereignis über die Erstversorgung durch den FR bis hin zur Klinikeinlieferung durch den Rettungsdienst und dortigen weiteren Behandlung gewährleistet. Die Bruckmühler „Schnellen Helfer vor Ort“ arbeiten dabei nicht nur mit den sieben Feuerwehren aus dem Bruckmühler Gemeindebereich, den Rettungswagen von Bad Aibling, Feldkirchen, Kolbermoor, Agatharied sowie den Maltesern und der Ambulanz Rosenheim zusammen, sondern auch noch mit den BRK-Kräften der Nachbarlandkreise und Rettungshubschraubern professionell Hand in Hand. Das Bruckmühler FR-Team führt dabei keine Krankentransporte durch.

Helfer müssen
sich selbst finanzieren

Im Gegensatz zu FR-Einheiten, die bei den freiwilligen Feuerwehren angegliedert sind, muss sich der Bruckmühler FR komplett selbst finanzieren (Dienstbekleidung, Einsatz-Equipment und Einsatzfahrzeug). Dies geschieht durch eine Mitgliedschaft beim FR-Förderverein (Jahresbeitrag: 15 Euro) oder durch Spenden.

Interessierte am Rettungsdienst sind jederzeit gern beim Bruckmühler BRK-Team gesehen. Ausbildungsmaßnahmen laufen federführend über die BRKBereitschaft Bruckmühl, der man zuvor als Mitglied beitreten muss. Dafür sind sowohl die Grundausbildung als auch eine weitere Spezialisierung beziehungsweise Weiterbildung zum First-Responder-Einsatzfahrer für die Interessenten kostenfrei.

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