Bad Aibling – Nach den positiven Erfahrungen während der rund sechsmonatigen Pilotphase, die jetzt zu Ende ging, setzen die Stadtbücherei Bad Aibling und die örtliche Kolpingsfamilie ihre Zusammenarbeit bei der „Aktion Trostkoffer“ fort. Das beschloss der Vorstand des Vereins nach einem Erfahrungsaustausch mit Büchereileiterin Gabriele Huber einstimmig.
Das Angebot richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche, denen mithilfe des Trostkoffers Hilfe zuteilwerden soll, wenn sie unter einem Trauerfall in der Familie leiden. „Sich im Bedarfsfall einen solchen Koffer in der Stadtbücherei ausleihen zu können, das soll eine Dauereinrichtung in unserer Stadt sein, die wir gerne finanziell unterstützen“, sagt Bad Aiblings Kolpingsvorsitzender Franz Besel.
Starke Partner für
ein sensibles Thema
Jeder Koffer enthält altersgerechte Begleitliteratur, die Betroffenen über ihren Schmerz hinweghelfen soll. Außerdem gehören ein Trauertagebuch, in dem man sich Kummer förmlich von der Seele schreiben kann, Trostengel „Charlie“ und ein Flyer mit einem Begleittext zum Inhalt des Koffers.
Das Team der Stadtbücherei hilft Trostsuchenden in jedem Einzelfall individuell und unentgeltlich bei der Zusammenstellung von geeigneter Lektüre im Trauerfall. „Aktuell stehen uns hierfür 37 Bücher mit einem entsprechenden Bezug zur Verfügung“, berichtet Gabriele Huber.
Im Zuge ihrer Kooperation teilen sich die Stadtbücherei – auch ihr Förderverein engagierte sich hierfür mit einem Zuschuss in Höhe von rund 600 Euro – und die Kolpingsfamilie die anfallenden Kosten. Während die Bücherei die Koffer kaufte, Werbeflyer druckte und die Literatur besorgt, übernimmt die Kolpingsfamilie dauerhaft die laufenden Näh- und Materialkosten für die Trostengel und den Kauf der Trauertagebücher. Engel und Tagebuch dürfen Interessenten behalten, die sich einen Koffer ausleihen. Den Koffer selbst und die Bücher müssen sie wieder zurückgeben. „Wir lassen den Leuten Zeit und bedrängen niemanden“, versichert die Büchereileiterin. Derzeit stünden fünf Trostkoffer zur Verfügung, um auch Parallelbedarf abdecken zu können, so Gabriele Huber.
Nicht nur wegen der fachlichen Beratung in der Bücherei sehen die Projektpartner sie als ideale Anlaufstelle für die Ausgabe der Koffer. „Wir wollen auch für Menschen da sein, die der Kirche fernstehen. Die erreichen wir an diesem Ort leichter als in einem Pfarrbüro“, ist der Kolpingvorstand überzeugt. Wer zusätzlich zur Lektüre ein Gespräch mit einem Seelsorger wünscht, findet auf dem Flyer, der zur Ausstattung des Koffers gehört, entsprechende Telefonnummern zur Kontaktaufnahme. „Das geht ganz unbürokratisch. Niemand muss Scheu vor einem solchen Anruf haben“, versichert Franz Besel.
Bis Ende des vergangenen Jahres wurde der Trostkoffer fünfmal ausgeliehen. „Das klingt erst mal nach eher wenig Interesse, dennoch sind wir mit dieser Zahl sehr zufrieden“, sagt Büchereileiterin Gabriele Huber. Das Projekt befinde sich ja noch in der Anlaufphase. Dass der Bedarf in Bad Aibling gar nicht so gering ist, zeigt eine Zahl aus einer benachbarten Kreisstadt. Die dortige Kolpingsfamilie hatte den Aiblingern auf deren Nachfrage von zwei Ausleihen im ersten Jahr berichtet.
Einig sind sich die Büchereileiterin und der Verein, dass die Werbung für das Projekt noch intensiviert werden muss. So sollen die Flyer heuer unter Einbeziehung der evangelischen Pfarrgemeinde nicht nur verstärkt in allen Gotteshäusern und Pfarrbüros in der Stadt ausgelegt und dem Seelsorgepersonal an die Hand gegeben werden, das die Begleitung von Angehörigen oft schon während des Sterbeprozesses übernimmt. Auch in Altenheimen und bei Pflegediensten soll offensiv auf das Angebot hingewiesen werden. Wer nähere Informationen wünscht, kann sich jederzeit auch unter der Telefonnummer 08061/490 1140 direkt an die Stadtbücherei wenden.
Ein wertvolles
Angebot für die Stadt
Gabriele Huber und die Kolpingsfamilie sind jedenfalls überzeugt, dass in Bad Aibling genügend Bedarf für das Projekt vorhanden ist. Bereits beim Start im Mai vergangenen Jahres sprach Bürgermeister Stephan Schlier „von einem sehr wertvollen neuen Angebot“. Die Kooperation zwischen Bücherei und Kolpingsfamilie begrüßte er ausdrücklich. „Ich danke allen Beteiligten, dass sie diese Aktion in guter Zusammenarbeit gemeinsam auf die Beine gestellt haben“, sagte das Stadtoberhaupt.