Feldkirchen-Westerham – Das Kleine Theater der VHS Feldkirchen-Westerham, das seit fast einem halben Jahrhundert besteht, zündete mit dem Krimiklassiker „Arsen und Spitzenhäubchen“ ein Feuerwerk kriminell-vergnüglicher Szenen. Seit fast zwei Dekaden führt die Profi-Regisseurin Christine Koch eine Spielertruppe an, die sich von anspruchsvollen Aufgaben nicht schrecken lässt. So haben die Amateurschauspieler nach Ionescos „Nashörnern“ und Goldonis „Diener zweier Herren“ in den Vorjahren diesmal das Erfolgsstück „Arsen und Spitzenhäubchen“ des Deutschamerikaners Joseph Kesselring in Angriff genommen.
Christine Koch hat für ihre 16. Inszenierung das sehr unterhaltsame und schauspielerisch anspruchsvolle Stück voller schwarzem Humor herausgesucht, bei dem Spieltempo und -situationen stimmen müssen. Ein herausfordernder Spaß, der – das darf verraten werden – kürzlich bei der Premiere mit perfektem Tempo und Timing auf die Bühne des Schützenhauses Westerham gebracht wurde.
Der Inhalt des Stückes lässt sich kaum nacherzählen. Ein Versuch: Die ältlichen Schwestern Abby und Martha Brewster sind die hilfsbereitesten Damen, die man sich vorstellen kann, davon ist ihr Neffe Mortimer überzeugt. Er besucht die beiden fast täglich in Brooklyn, wo sie gemeinsam mit seinem verrückten Bruder Teddy im alten Familienanwesen leben. Die Schwestern sind äußerst gastfreundlich: Nicht nur Officer O’Hara und der Pastor Harper werden gerne bewirtet, die Schwestern Brewster haben immer ein Zimmer zur Untermiete für einsame Herren frei.
Mortimer muss allerdings feststellen, dass die Hilfsbereitschaft seiner Tanten das Normalmaß übersteigt und sie alles andere als harmlos sind. Panisch versucht er zu retten, was zu retten ist, und sei es auf Kosten seiner Verlobung mit der liebenswerten Elaine. Doch das ist nicht so einfach. Während Teddy im Keller den Panamakanal weitergräbt, taucht noch der sadistische und kriminelle Bruder Jonathan in Begleitung von Dr. Einstein auf. Und so ergeben sich weitere Probleme. Verwandtschaft kann eine schwere Last sein.
Eine bunte Schar skurriler Typen tänzelt, schreitet, tobt oder schleicht hier über die liebevoll ausgestattete Bühne, gestaltet im Spitzendeckchen- und Blütentapeten-Stil eines wohlhabenden Stadthauses im Brooklyn der 1940er-Jahre. Bühnenbau und Ausstattung besorgten Anian Golshani, Rainer Gruber, Ulf Harig und Irene Holzapfel, die wie Claudia Barth auch als Regieassistentin mitarbeitete. Die elf Darsteller überzeugten in allen aberwitzigen Verwicklungen, allen voran die beiden liebenswerten Tanten und Neffe Mortimer, den Pankraz Schaberl brillant nahe am Nervenzusammenbruch zeigt. Mit unerschütterlicher Freundlichkeit und Aufrichtigkeit verfolgen Christl Schuster und Kerstin Gruber als Schwestern Brewster ihre mörderischen Ziele. Detlef Biermann verkörpert als geistesgestörter Neffe Teddy einen Präsidenten, der verdächtig aktuell erscheint. Karl Scherlin in der Rolle des durchgeknallten Serienmörders Jonathan erschreckt mit dämonischem Furor, den nur Sonja Harigs versoffen-furchtsam-schmierige Schönheitschirurgin Dr. Einstein erträglich macht. Doch auch alle anderen Spieler zeigen sich in Höchstform: Susan Franke als O’Hara, eine Polizistin, die lieber Schriftstellerin wäre; die selbstbewusst-resolute Verlobte Elaine Harper, gespielt von Katharina Schaberl; Hans Selzer und Matthias Herden als Pfarrer Harper und Lieutenant Rooney überzeugen ebenso wie Georg Röhrmoser, der unbeirrt einen knapp dem Gifttod entronnenen Zimmerinteressenten wie auch den ahnungslosen Sanatoriumsdirektor verkörpert. Und die Verwahranstalt heißt hier natürlich: „Zum goldenen Tal“. Stürmischer, lang anhaltender Applaus belohnte das Ensemble für das Engagement und die intensive Proben- und Vorbereitungsarbeit, mit der diese komödiantische Glanzleistung erst möglich wurde.