Melanie Winhart ist Oberbayerns beste Bäckerin

von Redaktion

Mit 23 Jahren ist Melanie Winhart aus Bad Aibling bereits Bäckermeisterin und die Beste in ganz Oberbayern. Nun will sie den traditionsreichen Familienbetrieb übernehmen und hat schon den nächsten Meistertitel im Visier.

Bad Aibling – Brezenbacken ist eine große Leidenschaft von Melanie Winhart aus Bad Aibling. Sie ist 23 Jahre alt und hält seit Kurzem den Meisterbrief im Bäckerhandwerk in Händen. Die schwierigen Prüfungen in Theorie und Praxis hat die junge Frau als beste Absolventin in ganz Oberbayern gemeistert.

Zu dieser beachtlichen Leistung gratulierten ihr bei einem Festakt für die insgesamt rund 1.500 frischgebackenen Handwerksmeister des vergangenen Jahres im Bereich der Handwerkskammer für München und Oberbayern, die in den Münchner Messehallen stattfand, auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl.

Zielstrebiger Weg
ins Handwerk

In wenigen Monaten will die 23-Jährige auch den Meisterbrief im Konditorhandwerk in Händen halten. Die Ausbildung zur Gesellin für diesen Zweig hat sie bereits erfolgreich abgeschlossen, am 27. Januar startet Melanie Winhart mit dem Besuch der Meisterschule in Straubing.

In die Fußstapfen ihres Vaters Franz (64) zu treten, der den seit mehr als 150 Jahren existierenden Familienbetrieb führt, stand für sie bereits unmittelbar nach dem Abitur fest, das sie 2020 am Gymnasium in Bad Aibling machte. Die coronabedingten Einschränkungen in der damaligen Zeit zwangen Melanie Winhart förmlich dazu, ihre Ausbildung im elterlichen Betrieb zu beginnen. „Das war letztlich aber kein Manko. Alles hat gut gepasst“, so ihr Fazit von der Lehrzeit.

Kaum hielt sie den Gesellenbrief 2022 in Händen, startete sie mit der Konditorlehre im Café Dinzler am Irschenberg, die sie im Sommer 2024 erfolgreich abschloss. Im vergangenen Jahr folgte dann der Besuch der Meisterschule für das Bäckerhandwerk. Neben der Fachausbildung in Theorie und Praxis wurden Melanie Winhart dort auch die erforderlichen Kenntnisse in Betriebswirtschaft und im Bereich der Arbeitspädagogik vermittelt. „Von der Mehlanalytik bis hin zur Mitarbeiterführung reichte die Palette des Wissens, die wir uns aneignen mussten“, berichtet die frischgebackene Meisterin.

Dass der Besuch der Meisterschule für das Konditorhandwerk im von ihr erhofften Szenario bereits nach rund einem Vierteljahr mit einem weiteren erfolgreichen Prüfungsabschluss enden könnte, hat laut Melanie Winhart einen einfachen Grund. „Bei dieser Ausbildung fallen für mich Betriebswirtschaft und Arbeitspädagogik weg. Diese Fächer sind identisch mit der Meisterausbildung für Bäcker.“

Dass sich seine jüngere Tochter für die Ausbildung im Handwerk entschieden hat, macht Vater Franz Winhart schon ein wenig stolz. „Ich finde es toll, dass sie das Risiko auf sich nimmt und den Familienbetrieb weiterführen will“, sagt er. Beruflich in die Fußstapfen eines Elternteils zu treten, dafür entschied sich übrigens auch Melanie Winharts ältere Schwester (27). Sie studiert Zahnmedizin und will später wie ihre Mutter als Zahnärztin arbeiten.

Das Brezendrehen gehört für die 23-Jährige zu den Lieblingsbeschäftigungen in der Backstube. „An guten Tagen schaffe ich 80 Stück in zehn Minuten“, berichtet sie. Papa Franz räumt ein, dass es da durchaus eine Art Wettbewerb zwischen ihm und seiner Tochter gebe. „Wir pushen uns gegenseitig. Manchmal ist sie schneller, manchmal ich“, so der Betriebsinhaber.

Ein Schild an seinem Firmensitz in der Kirchzeile in Bad Aibling weist übrigens darauf hin, dass die erste urkundliche Erwähnung des Gebäudes als Bäckerei aus dem Jahr 1765 stammt. Den steten Wandel in seinem Handwerk bekommt Franz Winhart hautnah mit, seit er 1987 seine Meisterprüfung abgelegt hat und die Bäckerei vom Vater übernahm. Besonders markant aus seiner Sicht: „In den Reihen meines Meisterjahrgangs befanden sich gerade mal drei Frauen. Beim Meisterkurs meiner Tochter war fast die Hälfte Frauen“, weiß er. „Das Bäckerhandwerk ist schon lange kein reiner Männerberuf mehr“, bringt die Tochter den Ist-Zustand auf einen kurzen Nenner. Das frühe Aufstehen, das mit ihrem Beruf untrennbar verbunden ist, stört die 23-Jährige nicht. Von Dienstag bis Freitag ist sie zusammen mit ihrem Vater und dem Rest des Teams ab 2.30 Uhr in der Backstube zu finden, an Samstagen bereits ab 0.30 Uhr. Sonntags und montags wird nicht gearbeitet.

Trotz der regelmäßigen Nachtarbeit bieten sich der Bad Aiblingerin ihrer Meinung nach genügend Möglichkeiten, mit Freunden zu feiern oder auszugehen. „Da gewöhnt man sich dran, das ist kein Problem“, sagt sie. Noch ist Familienplanung kein Thema für sie, dennoch ist sie bereits jetzt fest davon überzeugt, zu einem späteren Zeitpunkt als Betriebsleiterin auch Familie und Beruf gut in Einklang bringen zu können.

Wenn sie sich ab Sommer, ausgestattet mit dann zwei Meisterbriefen, voll auf die Arbeit im Betrieb konzentrieren kann, dürften Neuerungen im Warenangebot nicht lange auf sich warten lassen. „Wir sind schon am Ausprobieren. Es ist gut möglich, dass wir im Herbst beispielsweise eine neue Brotsorte anbieten“, sagt Melanie Winhart. Sehr zur Freude ihres Vaters, der den Innovationsdrang der Tochter voll unterstützt. „Wir haben so viele treue Kunden. Ich freue mich, für sie da sein zu dürfen und ihnen hin und wieder auch mal was Neues anzubieten“, gesteht die künftige Chefin.

Respekt vor
der Leistung

Großen Respekt vor ihrer Leistung zeigt Bürgermeister Stephan Schlier, der sich zudem darüber freut, dass mit dem Einstieg der 23-Jährigen in das Geschäft die Zukunft der Handwerks-Bäckerei in der Kurstadt längerfristig gesichert scheint. „Ich bin überzeugt, das werden auch die Kunden honorieren“, so Schlier. Auf der Homepage der Stadt wird die Bäckerei Winhart bereits jetzt als „ein Stück Geschichte“ bezeichnet. Eine Geschichte, die weit über die Mitte dieses Jahrhunderts hinaus fortgeschrieben werden könnte.

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