Hilfe für Trauernde in Bad Feilnbach

von Redaktion

Nach einem erfolgreichen Premierenjahr sucht die Seelsorgerin Sigrid Maria Rogatzki wieder neue Teilnehmer für ihre Trauergruppe in Bad Feilnbach. Das Angebot, das im März startet, soll Menschen nach einem Todesfall helfen, wieder Stabilität und Halt im Leben zu finden.

Bad Feilnbach – „Der Tod wird bei uns nicht nur gesellschaftlich absolut tabuisiert“, sagt Sigrid Maria Rogatzki. Die Diplom-Theologin und Pastoralreferentin hat als Krankenhausseelsorgerin für das Erzbischöfliche Ordinariat langjährige Erfahrung in Trauer- und Sterbebegleitung. Im Medical Park Blumenhof in Bad Feilnbach betreut und begleitet sie seit über 15 Jahren Karzinompatienten. „Für einen jungen Menschen existiert das Thema Tod in der Regel nicht, er sagt sich: ‚Das kann mir nicht passieren‘“, bedauert die 61-Jährige. Diese Herangehensweise sei auch kulturell bedingt, denn: „In Deutschland sind beispielsweise Emotionsausbrüche gar nicht toleriert, das ist in anderen Ländern anders.“ Doch Rogatzki weiß, dass der Umgang mit Tod und Trauer früher oder später auch hierzulande jeden Menschen trifft. Neben ihrer Kliniktätigkeit hat sie deshalb im vergangenen Jahr eine geschlossene Trauergruppe in Bad Feilnbach initiiert, in der sie acht Trauernden geholfen hat, mit einem speziellen Konzept besser „über ein schweres Jahr“ zu kommen. Nun soll am 26. März eine neue Runde, eine neue geschlossene Gruppe mit neuen Teilnehmern, starten, die sich über das Jahr verteilt regelmäßig mit Rogatzki trifft. Daneben bietet sie auch Einzelgespräche an. Und der Bedarf sei ihr zufolge bei zahlreichen Menschen gegeben. Sätze wie „Ach, dir geht’s immer noch schlecht“ würden Trauernde oftmals bereits nach wenigen Monaten von ihrer Umgebung zu hören bekommen. Auch hierbei könne die geschlossene Gruppe helfen. Nachdem im vergangenen Jahr acht Trauernde ungefähr alle vier Wochen in den Räumlichkeiten der Pfarrkirche Herz Jesu Bad Feilnbach zusammenkamen, sucht Rogatzki nun neue Trauernde, die sich über das Jahr verteilt treffen werden. Zielgruppe seien Menschen, die ihren Partner, ihre Mutter oder ihren Vater verloren haben. „Spezielle Trauerumstände, etwa nach einem Suizid, passen weniger in die Gruppe, hier biete ich dann Einzelgespräche an“, erklärt die Seelsorgerin. Ab sofort könnten sich alle Interessierten bei ihr melden. In vorherigen Einzelgesprächen stellt die erfahrene Theologin dann fest, ob man als Trauernder in das Konzept der geschlossenen Gruppe passt, oder ob sich Einzelbegleitungen oder andere therapeutische Ansätze besser eignen.

Die Trauergruppe selbst – so lauteten auch die Rückmeldungen aus 2025 – soll den Teilnehmern Stabilität und Halt verleihen. Dabei sei klar: „Jeder Mensch trauert anders“, so Rogatzki. In der Trauergruppe soll es auch um Vernetzung, um Austausch, um das Verstandenwerden gehen. Die Mitglieder können sich wiedererkannt fühlen, unternehmen etwas miteinander und stellen fest, dass sie mit ihren Themen, Gefühlen und Reaktionen keine Einzelfälle sind. Die Gruppe ist nicht konfessionsgebunden und kostet nichts. Eine kleine Spende ist laut Rogatzki willkommen, da somit etwa auch die Nutzung des Raumes finanziert werden könne. Wichtig: Die Pastoralreferentin arbeitet mit der Trauergruppe nicht therapeutisch oder diagnostisch, sondern begleitend. Dabei beinhalten die jeweils dreistündigen Treffen neben den Gesprächsanteilen der Mitglieder auch theoretische oder rituelle Aspekte. „In den Gruppenstunden wird nicht nur geweint, wir lachen auch“, sagt Sigrid Maria Rogatzki, die sich selbst als sehr optimistischen Menschen beschreibt. Neben einer Art „Notfallkoffer“, der den Mitgliedern für den Umgang mit Trauer an die Hand gegeben wird, will die Pastoralreferentin etwa mit der Gruppe erarbeiten, welche Ressourcen jeder Einzelne zur Verfügung hat. Dabei werde immer auch individuell auf die einzelnen Trauernden eingegangen. „Oftmals spielen etwa Schuldgefühle mit rein: ‚Das kann ich jetzt nicht mehr gutmachen‘“, berichtet Rogatzki.

Auch könnten Sterbefälle ganze Familien auseinanderreißen. So kommt es etwa vor, dass Eltern und Kinder völlig anders trauern und diese Unterschiede zu familieninternen Konflikten führen. Probleme wie diese gelte es deshalb zu lösen. Und für Sigrid Maria Rogatzki ist klar: Trauer hat auch immer einen körperlichen Aspekt. Beispielhaft nennt sie hierfür die Schockphase direkt nach einem Sterbefall, wobei Hinterbliebene oftmals durch das „Nicht-Wahrhaben-Wollen“ sowie emotionale Taubheit eine regelrechte Eisschicht um sich gefrieren lassen. „Man muss dann an den Punkt kommen, das Eis schmelzen zu lassen.“ Für die 61-Jährige sei hierfür das Weinen besonders wichtig, das sie mit dem „Tauen der Eisschicht“ bildhaft beschreibt. Auch hierfür sei Raum und Zeit in der geschlossenen Gruppe.

Kontaktdaten von Sigrid Maria Rogatzki

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