Ostermünchen – War das eine Freude am vergangenen Freitagmorgen: Die Kolbermoorer Schäffler tanzten vor der Schule auf. Und das Beste: Die Schäffler versprachen den Kindern sogar, dass es an diesem Tag keine Hausaufgaben geben würde.
In Kolbermoor wird der Schäfflertanz schon seit 1886 aufgeführt, und seit 1949 wird der Tanz turnusgemäß alle sieben Jahre aufgeführt, heuer also bereits zum 17. Mal. Die Tradition geht auf die Pestzeit des 16. Jahrhunderts zurück, als die Menschen aus Angst vor der „schwarzen Seuche“ ihre Häuser nicht mehr verließen. Die Zunft der Fassmacher und Schäffler wollte mit einem Reigentanz neuen Lebensmut schenken und die Menschen wieder auf die Straßen locken.
Und die Freude stand den jungen Schülern auch ins Gesicht geschrieben, als die Schäffler, angeführt vom Schäfflermeister, mit den Tänzern, einem Fähnrich, zwei Fassträgern und einem Kronenhalter sowie einigen Kasperln auf den von Kindern umsäumten Platz einmarschierten.
Laube, Kreuz, Quadrille und Krone – die Kolbermoorer zeigten optisch eindrucksvolle Choreografien. Höhepunkt war dann das Fassklopfen, mit dem das Handwerk der Schäffler nachgeahmt wird. Zwei Schäffler stellend dabei das „Reifenauftreiben“ auf einem Fass dar.
Mit Buchsbögen in den Händen bewegten sich die Tänzer im Takt des Klopfens kreisförmig gegeneinander. Der begeisterte Applaus der jungen Zuschauer ließ nicht lange auf sich warten.
Nach der Aufführung bei bitterkaltem Wetter hatten sich die Schäffler eine Stärkung redlich verdient: Im Schülercafé wärmten sie sich bei Kaffee und frischen Brezen, bevor sie die verbleibenden zehn Termine (!) des Tages wahrnahmen. Und zufrieden gingen die Schüler wieder in ihre Klassenzimmer, voller Freude über den praktischen Geschichtsunterricht und das hausaufgabenfreie Wochenende. Werner Stache