Bad Aibling – Zahllose Knäuel an Qualitätswolle, Stickgarn, Stoffe, Knöpfe oder handgestickte Glückwunschkarten. Im Bad Aiblinger Handarbeitsgeschäft „Wolle und mehr“ stöbern Kunden in ihrem „Wollparadies“, bedienen sich an den Regalen oder lassen sich in Ruhe beraten. Doch so viel Betrieb wie in diesen Tagen war hier zuletzt nicht immer. Auch deshalb wird das Traditionsgeschäft in der Münchner Straße in einigen Wochen schließen. „Wegen Geschäftsaufgabe“ läuft hier seit Mitte Januar der Räumungsverkauf.
Womit das Geschäft
zu kämpfen hatte
„Die finale Entscheidung ist erst recht kurzfristig gefallen“, sagt Inhaberin Monika Singhammer, während an diesem Vormittag reger Betrieb in ihrem Geschäft herrscht. Doch Probleme, mit dem Betrieb wirtschaftlich überleben zu können, habe es bereits länger gegeben. „Wir kämpfen im Prinzip seit Corona“, gibt die 62-jährige Kolbermoorerin Einblicke in ihre herausfordernde Tätigkeit. Und nicht nur die Pandemie hätte dem Traditionsgeschäft das Leben schwer gemacht. Auch etwa die diversen Sperrungen der Münchner Straße in den vergangenen Jahren seien für die Frequenz im Laden nicht gerade dienlich gewesen. Freilich habe man darüber hinaus auch mit dem grundsätzlich veränderten Kaufverhalten zu kämpfen, da immer mehr Kunden ihre Ware im Internet bestellten. „Die klassischen Vielstrickerinnen, also unsere Stammkundschaft, werden auch immer älter, und man merkt, dass dadurch die Nachfrage zurückgeht“, sagt Singhammer.
Eine weitere Herausforderung: „Das Geschäft ist unglaublich wetterabhängig.“ Während der Zulauf im Sommer naturgemäß zurückhaltend ausfällt, machten ihr zu warme Winter auch immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Sodass sich Kunden etwa erst dann so richtig für Wolle interessierten, wenn die Temperaturen dicke Pullover erforderlich machen. „Ich hatte jetzt eigentlich noch auf einen schön kalten Winter gehofft, damit wir auch über den Sommer kommen, aber daraus wird nun nichts mehr“, bedauert Singhammer, die gerne noch ein paar Jahre weitergemacht und ihr Wissen weitergegeben hätte.
Immerhin blickt die 62-Jährige auf eine lange Zeit zurück. Im Jahre 2003 machte sie ihr Hobby zum Beruf und eröffnete das Geschäft „Wolle und mehr“. Sie habe ihr Leben lang immer gerne gestrickt und es sei stets „eine tolle Sache“ gewesen, ihre Erfahrungen an Interessierte weiterzugeben. „Das war mein Leben“, blickt sie mit einer gehörigen Portion Wehmut zurück. Wie sie selbst stimmt die Entscheidung auch zahlreiche Kunden äußerst traurig. Deren Reaktionen reichen von „Das ist so schade“ über „Ich kann’s nicht glauben“ bis hin zu „Stimmt das wirklich?“
Doch die Entscheidung ist gefallen und bis der Laden am 28. Februar für immer schließt, läuft ein Räumungsverkauf mit reduzierter Ware, jeweils montags bis freitags von 9 bis 12.30 sowie 14 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr. „Jetzt muss alles raus, sonst muss ich das am Ende alles mitnehmen“, sagt Singhammer. Für den Fall, dass letztlich noch viel übrig bleibt, denkt sie bereits darüber nach, womöglich einen Stand auf dem Christkindlmarkt zu eröffnen oder anderweitig, vielleicht in Form eines Pop-up-Stores, ihre Produkte verkaufen zu können. Persönlich macht sie sich auch Gedanken, wie es für sie grundsätzlich weitergeht. „Ich überlege natürlich schon, wie ich auch weiterhin mein Wissen weitergeben kann, eventuell mit Kursen“, verrät die Inhaberin.
Wie Monika Singhammer
in die Zukunft blickt
Immerhin versucht sie auch, etwas Positives aus der Schließung mitzunehmen. „Natürlich freue ich mich auch darüber, etwas mehr Zeit zu haben.“ Jahrzehntelang bestand ihr Leben aus einer Sechs-Tage-Woche mit gerade einmal 14 Tagen Urlaub im Jahr. „Ich habe einen kleinen Mini-Camper und mein Ziel ist es, damit im Sommer ein bisschen unterwegs zu sein“, sagt die sympathische Frau, die nicht nur der Bad Aiblinger Geschäftswelt sicher fehlen wird.
Was mit der vermieteten Ladenfläche nach der Schließung von „Wolle und mehr“ passiert, ist indes bislang noch unklar.