Tuntenhausen – Für zahlreiche Bürger der Gemeinde Tuntenhausen ist klar: Sie wollen eine bessere Nahversorgung in ihrer Kommune. Das zeigte sich deutlich in einem Bürgerentscheid vor rund drei Jahren. Denn da stimmten über 75 Prozent der Wähler für die Verbesserung der Nahversorgung im Lebensmittelbereich und damit auch für die Ansiedlung eines Discounters. Dieser Entscheid löste daraufhin eine Veränderung des Bebauungsplans am Moorweg in Tuntenhausen aus, wo nun etwas Großes entstehen soll.
Planungen
schreiten voran
Die Änderung des Bebauungsplans hatte die Eder Familienholding GmbH & Co. KG beantragt. Sie wollen dort im Bereich ihrer Firmenparkplätze westlich des Eder Profi-Baumarktes ein zweistöckiges Gebäude errichten. Geplant ist, dass im Erdgeschoss eine Verkaufsfläche für einen Lebensmittel-Discounter entsteht. Im Obergeschoss sollen ein Beratungszentrum für die Volksbank Raiffeisenbank und ein Konferenzzentrum für die Firma Eder einziehen. Pläne, die es seit Jahren gibt. Doch wie aktuell sind diese noch?
„Diese Planung besteht unverändert“, sagt Gregor Ries, Geschäftsführer der Eder GmbH, auf OVB-Nachfrage. In den vergangenen Jahren sei vieles passiert, um das Projekt voranzutreiben. „So sind viele Gespräche und daran anknüpfende Detailplanungen mit den potenziellen Mietern und Betreibern erfolgt“, sagt er. Weiter erklärt der Geschäftsführer, habe es mehrere Abstimmungstermine mit den geplanten ausführenden Unternehmen gegeben, und „darüber hinaus müssen sich auch alle weiteren Geschäftsbereiche der Eder GmbH auf eine solche grundlegende Veränderung des Standorts vorbereiten“.
„Die Erstellung von Planungen eines solchen Objekts und Bewertungen von Voraussetzungen, wie beispielsweise des Bodengutachtens, und die Auswirkungen auf die Bauausführung und Ähnliches brauchen immer mehr Zeit, als man denkt“, erklärt Ries. Allerdings sei der Baubeginn schon in greifbarer Nähe. Denn unabhängig von den vorbereitenden Arbeiten, wie den inzwischen durchgeführten Probebohrungen, war der Start der eigentlichen Baumaßnahmen für 2026 gesetzt. An diesem Zeitplan halte man auch jetzt noch fest, außer es funken unvorhersehbare Einflüsse dazwischen. „Derzeit bin ich aber recht zuversichtlich, dass wir tatsächlich auch 2026 starten können“, sagt Gregor Ries.
Wie es zu diesem Projekt überhaupt kam, daran erinnert sich der Geschäftsführer der Firma Eder noch gut. Grundlegend hätten ihnen „bekannte Kundenwünsche“ die Überlegungen angestoßen. Dass man damit auf ein großes Interesse bei den Bürgern stieß, hat sich dann noch mal bei dem Bürgerentscheid „eindrucksvoll bestätigt“.
Zunächst sei nur geplant gewesen, den Edeka-Markt am Moorweg 1 zu erweitern. Die Eder Familienholding investierte damals auf ihrem Grundstück und schuf den 1.200 Quadratmeter großen Supermarkt. Der Standort habe sich als erstaunlich umsatzstark erwiesen, denn von Beginn an habe es nicht an reichlich Kunden gefehlt. Schnell sei damals klar gewesen, dass der Markt erweitert werden müsse. Viele Ideen kamen damals auf. Geplant ist derzeit, dass ein 530 Quadratmeter großer Getränkemarkt an den bestehenden Laden angebaut werden soll.
Interesse bekundete dann auch der Discounter Aldi Süd, der gerne einen Markt mit rund 1.200 Quadratmetern Fläche in Tuntenhausen eröffnen wollte. Auch diese Investition wollte die Eder Familienholding gerne stemmen, denn „wir sind an einer geordneten und verbraucherfreundlichen Entwicklung des Einzelhandelsstandorts interessiert“, so Ries damals gegenüber dem OVB. Auch heute sei das immer noch ein zentrales Anliegen der Firma sowie die Zukunftsfähigkeit des zentralen Einzelhandelsstandorts in der Gemeinde Tuntenhausen zu sichern.
„Der Kunde erwartet heute für den stationären Einkauf ein attraktives und umfassendes Angebot, damit er einen Standort anfährt“, erklärt Gregor Ries. „Das ist ja auch der Grund, weshalb beispielsweise das geplante Beratungszentrum der Volksbank hier angesiedelt werden soll.“ Zudem sei der Standort optimal. Denn auf dem Areal der Firma Eder gibt es eine gute Parkmöglichkeit und es liegt nah am Ortskern von Tuntenhausen. Der Discounter sei somit fußläufig als auch mit dem Rad aus anderen Ortsteilen gut erreichbar. „Mit dem Ausbau erzielen wir außerdem die Wettbewerbsfähigkeit, die der Standort auf Dauer benötigt“, so Ries.
Dass das Großprojekt allerdings erst einmal einige Hürden überwinden musste, bis es in die Planungen gehen konnte, sei nicht optimal gewesen. „Bedauerlicherweise haben wir im Rahmen der Genehmigungsphase sehr viel Zeit verloren“, sagt Ries. Der Gemeinderat lehnte nämlich zunächst die Änderung des Bebauungsplans am Moorweg mit 11:10 Stimmen ab und damit sollte zunächst kein Discounter kommen. Allerdings waren viele Bürger mit dieser Entscheidung nicht zufrieden und es kam zu einem Bürgerentscheid, der sich mit 75,4 Prozent der Wähler für die Verbesserung der Nahversorgung in Tuntenhausen und damit für einen Discounter aussprach und die Weichen für den Bau stellte. Der Bebauungsplan „Moorweg“ wurde geändert und ein Baurecht mit Satzungsbeschluss wurde im Januar 2025 geschaffen.
Bürgermeister Weigl sieht Vorteil im Discounter
Über dieses „klare Bürgervotum“ freute sich die Firma Eder besonders. „Natürlich waren wir bereits im Vorfeld davon überzeugt, dass der geplante Ausbau des Standorts eine breite Zustimmung findet, denn der Erfolg ist ja ausschließlich davon abhängig, dass die Bürger die Ideen und daraus resultierenden Angebote auch annehmen“, sagt Gregor Ries. Der Geschäftsführer betont zudem, dass man durch dieses Projekt auch die Arbeitsplätze vor Ort sichern möchte. Dieser Aspekt sei in der damaligen Diskussion untergegangen.
Man wolle vor allem für die Gemeinde Tuntenhausen langfristig Perspektiven schaffen. „Kurze Wege für einen umfassenden stationären Einkauf und Arbeitsplätze vor Ort ohne lange Anfahrt sind sicher kein Nachteil für die Bürger von Tuntenhausen“, sagt er. Auch Bürgermeister Georg Weigl freut sich auf den Discounter: „Ein weiterer Supermarkt in Tuntenhausen würde die Nahversorgung in der Gemeinde deutlich verbessern und die Kaufkraft in der Gemeinde belassen.“