Fahrradstraße statt Radweg

von Redaktion

Die Freien Wähler Feldolling fordern den Ausbau des Geh- und Radwegs an der Ollinger Straße. Die Verwaltung stellte in der jüngsten Gemeinderatssitzung eine Fahrradstraße als kostengünstigere Option vor. Die Meinungen im Gemeinderat sind geteilt.

Feldkirchen-Westerham – An der Ollinger Straße muss sich etwas ändern. Das ist zumindest für die Freien Wähler Feldolling klar, weshalb sie im November 2025 einen Antrag zur Vervollständigung des Geh- und Radwegs entlang der Ollinger Straße stellten. Es sei die kürzeste Strecke, um von Feldolling nach Feldkirchen zu gelangen. Sie werde deshalb oft von Fußgängern und Radfahrern genutzt, berge aber im bebauten Streckenteil Feldollings ein großes Gefahrenpotenzial. Denn an manchen Stellen seien entgegenkommende Autos nicht immer frühzeitig zu erkennen.

Verwaltung ist bereits
seit 2016 am Thema dran

Die Fraktion fordert deshalb, dass ein notwendiges Budget in der kommenden Haushaltsplanung für 2026 berücksichtigt wird und auch die Realisierung zeitnah erfolgt, heißt es in dem Antrag. Seit 2016 befasst sich die Verwaltung bereits mit der Errichtung eines Geh- und Radwegs an dieser Stelle. „Grundsätzlich erscheint die Errichtung des Geh- und Radwegs sinnvoll und gemäß dem Beschluss wurde der erforderliche Grundstückstausch mit verschiedenen Eigentümern entlang der Ollinger Straße fast vollständig abgewickelt“, fasst Bürgermeister Johannes Zistl (OLV) die Stellungnahme der Verwaltung zusammen. Es sei nur noch ein Grundstück offen. Doch vielleicht braucht man dieses nicht mehr. Denn es gibt noch eine andere Möglichkeit als den Ausbau des Geh- und Radwegs.

„Im ISEK (das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept, Anm. d. Red.) wurde als Alternative zum Bau eines Geh- und Radwegs vorgeschlagen, die Ollinger Straße in Teilen zur Fahrradstraße umzustufen“, erklärt Zistl. Das wäre die kostengünstigere Variante, da es sich hierbei nur um eine organisatorische und nicht um eine bauliche Maßnahme handelt. Damit wäre dann auch kein weiterer Grunderwerb nötig. „Gleichzeitig wäre die Sicherheit für Fahrradfahrer und Fußgänger gestärkt“, so der Rathauschef.

Für die Fahrradstrecke spreche auch, dass sie speziell für Radfahrer vorgesehen ist. Heißt laut Zistl: „Autos sind in der Regel nicht erlaubt, können aber durch Zusatzzeichen zugelassen werden“, sagt Zistl. Weitere Besonderheiten sind zum einen, dass auf solchen Straßen nicht schneller als Tempo 30 gefahren werden darf. Das gilt sowohl für Radfahrer als auch für zugelassene Fahrzeuge. „Radfahrer haben aber immer Vorrang auf der Fahrradstraße“, sagt der Bürgermeister.

Das seien nur einige der Vorteile einer Fahrradstraße. Deshalb und auch aus Kostengründen empfehle die Verwaltung, die Errichtung solch einer Straße zu prüfen. Und vielleicht auch erst einmal auf Probe einzuführen. „Eine Planung zum Bau des Radwegs und der letzte Grundstückstausch sollen bis dahin nicht vorangetrieben werden“, sagt Zistl. Sollte die Fahrradstraße aber an dieser Stelle nicht funktionieren, kann der ursprüngliche Beschluss weiter umgesetzt werden.

Für die Antragsteller ist das allerdings keine Option. Für die Freien Wähler Feldolling ist die Sorge zu groß, dass es dadurch zu einer Verlagerung des Verkehrs kommt, wenn die Ollinger Straße zur Fahrradstraße und für andere Verkehrsteilnehmer gesperrt wird.

Sperrung wäre für
Landwirte problematisch

Fraktionsvorsitzender Josef Hupfauer ist sich sicher, dass die Umleitung vor allem die Feldkirchner Salzstraße sowie die Straßenmündung der RO13 in die Staatsstraße 2078 in Ast belasten wird. Letzteres habe jetzt schon eine hohe Verkehrslast. Die Ollinger Straße für den Verkehr zu sperren, sei auch besonders für Landwirte nicht optimal. „Das ist der falsche Weg“, sagt Hupfauer.

„Ein anderer Punkt ist, dass das schon fast eine Grundsatzentscheidung ist“, erklärt der Fraktionsvorsitzende weiter. „Wenn wir das jetzt mit einer Fahrradstraße lösen, dann kommen wir auf die Idee, dass wir bei ähnlichen Straßen in der Gemeinde den Bau weiterer Radwege sparen und Fahrradstraßen errichten.“

Für die Fraktion stelle sich die Frage, wie oft die Autofahrer noch „getriezt“ werden sollen, wenn mehr Straßen für den motorisierten Verkehr gesperrt werden. Hupfauer habe mit einigen Bürgern Feldollings darüber gesprochen und die seien von der Idee „schockiert“ gewesen. „Keiner konnte sich das vorstellen, und deshalb plädiere ich nach wie vor dafür, dass wir den Radweg bauen.“

Dem stimmte auch der Pro-Bürger-Fraktionsvorsitzende Franz Bergmüller zu. Seit über zehn Jahren habe der Gemeinderat den Geh- und Radweg schon anvisiert, nun sei es an der Zeit, diesen auch umzusetzen. Anders sieht das Thomas Henties (Grüne): Man müsse jetzt einfach mal ausprobieren, ob eine Fahrradstraße dort funktioniert. „Der ADFC hat mal gesagt, dass eine Fahrradstraße nur etwas bringt, wenn sie für den Durchgangsverkehr gesperrt ist“, sagt er und stimmt dem zu. Für die Bauern müsste man dann eine andere Lösung suchen. Und für die Kreuzung in Ast könnte ein Kreisel den starken Verkehr regeln. Auch eine Ampel sei an der Stelle laut Josef Kammerloher (Pro Bürger) eine Option.

Dazu stellte der Bürgermeister klar, worum es bei der Gemeinderatssitzung eigentlich gehen soll. „Die Ollinger Straße wird nicht gesperrt, auch nicht für den landwirtschaftlichen Verkehr“, sagt Zistl. „Die Beschlussfassung lautet, dass entweder Geld für den Radweg gestellt wird oder geprüft wird, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Fahrradstraße dort möglich ist.“

Für Heinz Oesterle (SPD) ist Letztere der richtige Weg. „Ich bin auch der Meinung, dass man das Ganze jetzt erst einmal prüft, schließlich gibt es noch rechtliche Fragen zu klären“, sagt der Fraktionsvorsitzende. Geld für die Erweiterung des Radwegs will er dieses Jahr „nicht in die Hand nehmen“. Die Kosten für den Bau dieses Radwegs schätzt die Verwaltung derzeit auf 200.000 bis 250.000 Euro. Für Georg Meixner „ein Haufen Geld“. Deshalb ist der Fraktionsvorsitzende der Ortsliste Vagen ebenfalls dafür, die Fahrradstraße erst einmal zu testen.

Projekt kostet
bis zu 250.000 Euro

Für die Erweiterung des Geh- und Radwegs spricht sich hingegen die Zweite Bürgermeisterin Christiane Noisternig (CSU) aus. „Wir hatten das schon seit Längerem vor und sollten das jetzt eigentlich auch durchziehen“, sagt sie. „Ich finde, dass speziell an der Stelle ein Radweg eine viel bessere Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer bietet.“ Ihre Fraktionskollegin Elisabeth Steingraber fügt hinzu, dass der Radweg an der Ollinger Straße ohne Probleme umzusetzen ist, „denn es geht nur noch um einen Grundstückstausch“.

Der Antrag der Freien Wähler Feldolling wurde mit knapper Mehrheit (13:12) abgelehnt. Dem Antrag der Verwaltung, die rechtlichen Möglichkeiten zur Umsetzung einer Fahrradstraße in einem „sinnvollen Bereich zwischen Feldkirchen und Feldolling“ zu prüfen, wurde mit 14:11 Stimmen zugestimmt.

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