Bad Aibling – In Bad Aibling wurde kürzlich die Auswirkung der nationalsozialistischen Herrschaft eindringlich thematisiert. Die Veranstaltung „Bad Aibling im Nationalsozialismus“ im Rahmen der Max Mannheimer Kulturtage zog großes Interesse auf sich und fand im Gemeindesaal der evangelischen Kirche statt. Begrüßungen erfolgten durch Irene Durukan, Felix Schwaller und Michael Beer. Der Historische Verein stellte Band 24 der Zeitschrift „Der Mangfallgau“ vor, geleitet von Manfred Schaulies. Der Band ist im Heimatmuseum erhältlich.
Inhaltlich standen zwei Themen im Mittelpunkt, die exemplarisch zeigen sollten, wie der Nationalsozialismus auf kommunaler Ebene wirkte und welche individuellen Schicksale damit verbunden waren.
Im Fokus standen die Schicksale des Bürgermeisters August Bastianelli und der jüdischen Familie Spatz. Anneliese Wittkowski präsentierte Bastianelli, da Historiker Alfred Breisl fehlte. Bastianelli, seit 1929 NSDAP-Mitglied und ab 1938 Bürgermeister, war ein überzeugter Nationalsozialist und setzte rigorose Maßnahmen gegen Andersdenkende um. Besonders hervorgehoben wurde eine öffentliche Demütigung von zwei Frauen im Jahr 1940. Sie wurden öffentlich geschoren, angespuckt und mit Dreck beworfen. Auch nach dem Krieg zeigte Bastianelli kein Schuldbewusstsein.
Die Familie Spatz lebte seit 1920 in Bad Aibling. Vater Spatz starb 1938, Sohn Heinrich wurde 1935 nach Polen ausgewiesen. Mutter Rosa wurde 1938 im Zuge der „Polenaktion“ ausgewiesen, ebenso Tochter Regina, die schwanger war. Beide überlebten überraschend in München, die genauen Umstände blieben unklar. Rosa Spatz‘ Schicksal verlor sich in Polen, während Regina 1939 nach New York emigrierte und 1979 starb.
Die Nachkommen der Familie Spatz in Amerika zeigten sich tief berührt von der Erinnerungskultur in Bad Aibling. Der Abend verdeutlichte die konkrete Manifestation des Nationalsozialismus vor Ort und betonte die Bedeutung der Erinnerungskultur als Beitrag zur Verantwortung.