Bad Aibling – Auch zu Beginn dieses Jahres sorgt die Fläche mit den Freisportanlagen im Norden des Areals, auf dem die St.-Georg-Schule steht, weiter für Unruhe bei einigen Anwohnern. Zuletzt hatten sie bei der Bürgerversammlung im Oktober 2025 nicht nur von zunehmender Lärmbelästigung durch Kinder und Jugendliche berichtet, die auf dem Gelände außerhalb der Öffnungszeiten herumtollen oder sich Ballspielen widmen würden. Auch seien sie mehrfach massiv beleidigt worden, nachdem sie die Jugendlichen auf ihr unerlaubtes Verhalten angesprochen hatten, hieß es damals. Nun lag das Thema erneut im Rathaus auf dem Tisch und der Stadtrat musste abermals entscheiden, ob und welche Gegenmaßnahmen ergriffen werden sollen.
Anlieger fordern
feste Ruhezeiten
Konkret hatten drei Anwohner Anträge eingereicht, die einheitlich eine Lärmbelästigung durch die Nutzung der Außenanlage – etwa durch das Spielen von Basketball, Fußball oder schlicht durch Geschrei – außerhalb der erlaubten Zeiten thematisieren. Verstärkt würde dies zudem durch schallreflektierende Fassaden mit Pegeln angeblich über 80 Dezibel und mangelnder Kontrolle trotz Beschilderung.
Die Anwohner fordern deshalb konkrete Maßnahmen zur Ruhezeiten-Einhaltung, etwa durch „systematische Überwachung und konsequente Durchsetzung der festgelegten Ruhezeiten“. Dabei geht es um die Zeiten, an denen die Anlage offiziell nicht genutzt werden darf – werktags ab 20 Uhr, samstags zur Mittagszeit sowie an Sonn- und Feiertagen. Auch könnte der Zugang zu besagten Zeiten beispielsweise durch Tore oder andere physische Absperrungen beschränkt werden, regelmäßige Kontrollgänge oder ein Wach- und Schließdienst könnten ebenso helfen.
Überdies sollten erweiterte Beschilderungen mit dem Verweis auf drohende Sanktionen bei Verstößen angebracht werden. Auch vom Erlass einer Sportplatz-Satzung war und ist die Rede, die es etwa ermöglichen soll, bei wiederholten Verstößen Bußgelder zu verhängen. Zudem fordern die Anwohner unter anderem eine städtische Anlaufstelle, etwa durch ein Online-Meldeportal für Lärmverstöße und mehr Einbeziehung der Bürger. Doch wie realistisch sind diese Anlieger-Vorschläge?
Stadtrat befasst sich seit
Jahren mit dem Thema
Klar ist: Den Forderungen der betroffenen Anwohner steht eine Aktion des Elternbeirats gegenüber, der sich für den Erhalt der öffentlichen Zugänglichkeit des Sport- und Spielplatzes einsetzt. Im Zuge dieser Aktion seien insgesamt 153 Schreiben (Stand: 22. Januar) von Angehörigen der Schulfamilie der Grund- und Mittelschule St. Georg eingegangen, erklärte nun Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) im Gremium. In diesem Schreiben erläutern Kinder und Eltern ihre persönlichen Erfahrungen und äußern Dankbarkeit für die vorhandenen Spiel- und Freizeitmöglichkeiten. Zudem erklären die Schreiber, dass sie die geltenden Regeln des Spielplatzes und die Öffnungszeiten einhalten werden, um den Anwohnern ihre nötigen Ruhezeiten zu gewähren.
Der Aiblinger Stadtrat hat in den vergangenen Jahren bereits dreimal über die Zulassung einer öffentlichen Nutzung der Freianlagen beschlossen. Dabei entschied sich das Gremium jeweils einstimmig dafür, dass die Freianlagen außerhalb der Unterrichtszeiten als öffentlicher Spielplatz zugänglich sein sollen. Dennoch gab es immer wieder Einwände, die sich insbesondere auf die Lärmentwicklung auf dem Basketballplatz im Norden des Gebäudes bezogen. Immerhin wurde die Verwaltung beauftragt, Beschilderung für die Spielanlagen (Öffnungszeiten analog zu anderen Stadtspielplätzen) zu beschaffen, die Anwohner zu informieren und Mitte 2025 einen Sachstandsbericht abzugeben. Doch auch danach blieb der Stadtrat bei seiner Haltung. Etwa eine Reduzierung der Nutzungszeiten auf 18.30 Uhr, um die Anlieger in den Abendstunden besser vor Emissionen zu schützen, wurde abgelehnt.
Schlier: „Da wären die
Jugendlichen findig genug“
Die Stadtverwaltung hatte im Nachgang die „Hauptemissionsquellen von Lärm“ gemeinsam mit dem Hausmeisterteam vor Ort geprüft. „Es hat sich ergeben, dass das nordöstliche Zugangstor sich bereits leise schließt und zudem jetzt konsequenter außerhalb der Nutzungszeiten und in den Ferien abgesperrt wird“, erklärt die Stadtverwaltung. Das Hand- beziehungsweise Fußballtor habe durch die Aufhängung des Netzes eine erhebliche Lärmquelle dargestellt. Dies sei durch Einklemmkeile mittlerweile unterbunden worden. Überdies hat die Stadtverwaltung sowohl Polizei als auch Sicherheitswacht gebeten, sollte es der Dienstbetrieb zulassen, insbesondere in den Abendstunden den Sportplatz zu kontrollieren. Während der Dienstzeiten übernehmen dies die Hausmeister und das Ordnungsamt.
Bürgermeister Schlier stellte nun im Stadtrat klar, dass man „kein Problem mit Vandalismus oder Müll“ habe. Es gehe ausschließlich um die Zeiträume außerhalb der Nutzungszeiten. „Und da haben die Anwohner auch recht“, erklärte der Rathauschef. Denn Nutzungszeiten würden tatsächlich nicht eingehalten. Und obwohl sowohl Polizei als auch Ordnungsamtsleiter Martin Haas mehrmals vor Ort waren, hätte man hier schlicht ein „Problem des Vollzugs“, so Schlier. Personell sei eine engmaschigere Kontrolle nicht zu stemmen. Auch ein vorgeschlagener Zaun, der etwa per Chip nur zu den erlaubten Zeiten zu öffnen wäre, würde aus seiner Sicht nicht funktionieren. „Da wären die Jugendlichen sicher findig genug und klemmen eben rechtzeitig einen Stein zwischen die Öffnung.“
CSU-Rat: „Wir müssen die
Kirche mal im Dorf lassen“
Schlier war sich mit dem Gremium einig, dass man an der öffentlichen Nutzung der Anlage trotz der Beschwerden nicht rütteln wolle. CSU-Stadtrat Christian Schönberger drückte es noch drastischer aus. „Wir müssen die Kirche mal im Dorf lassen und Kinder einfach Kinder sein lassen.“ Man müsse nicht alles beschränken und Gelder, die hierfür aufgebracht werden müssten, könne man besser in Spielgeräte investieren. Da einige Eltern in ihren befürwortenden Schreiben vorschlugen, selbst auch für die Einhaltung der Nutzungsregelungen sorgen zu wollen, brachte Richard Lechner (SPD) gar eine Art „Elterndienst“ – vergleichbar mit freiwilligen Schulweghelfern – ins Spiel. „Das Thema Bußgelder können wir hingegen gleich vergessen“, betonte Lechner. Schließlich seien Jugendliche bis zum 14. Geburtstag nicht strafwürdig und somit auch nicht „ordnungswidrigkeitswürdig“. Auch Lärmmessungen könne man sich laut dem SPD-Stadtrat sparen, da Kinderlärm per Gesetz zu tolerieren sei. „Also bitte keine unnötigen Kosten.“
Stadtrat mit
klarer Haltung
Zweite Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) zeigte sich beruhigt, dass das Gremium die öffentliche Nutzung beibehalten will. „Natürlich müssen wir alles Mögliche tun, um den Lärm zu verringern.“ Jedoch sei zu beachten, dass Kindern und Jugendlichen generell zu wenig öffentlicher Raum zur Verfügung stehe. Thomas Höllmüller (CSU) schloss sich der Meinung seiner Vorredner an, schlug jedoch als Kompromiss für die Anlieger vor, womöglich samstags die Öffnungszeiten etwas zu verkürzen. Hierzu machte jedoch Rathauschef Schlier deutlich, dass die Probleme laut der Anwohner nicht in den erlaubten Öffnungszeiten auftreten würden.
Letztlich hielt der Stadtrat einstimmig am bisherigen Beschluss fest, die Freianlagen für die öffentliche Nutzung zur Verfügung zu stellen. Die Verwaltung soll jedoch prüfen, ob eine Fassadenbegrünung womöglich zur Minimierung der Lärmreflexion beitragen kann. Auch soll die Möglichkeit eines freiwilligen Elterndienstes ins Auge gefasst werden. Einen erhöhten Zaun um den Sportplatz lehnte das Gremium ohne Gegenstimmen ab. Auch einer verschärften Beschilderung erteilte der Stadtrat eine Absage. „Ich glaube nicht, dass ein anderes, abschreckendes Design der Beschilderung etwas verändert“, so Bürgermeister Schlier.