Bad Aibling – Erderwärmung, Klimawandel, Klimaneutralität sind angesichts zunehmender Naturkatastrophen und berechtigter Ängste besorgter Menschen mit Blick auf nachfolgende Generationen in aller Munde. Städte und Kommunen stellen sich früher oder später die Frage, wie sich der Weg aus der Klimakrise, für die alle Menschen und Gesellschaften Verantwortung tragen, „demokratisch“ und gerecht organisieren lässt.
Der Film „Zusammen“ von Regisseur Niklas von Wurmb-Seibel erzählt so einen Weg, der zahlreiche Interessenten zum Besuch einer Film-Matinee ins „Aibvision Filmtheater“ führte und gleichermaßen inspirierte. Eingeladen dazu hatten das „Bündnis 90/Die Grünen“, federführend Kreisrätin und Bad Aiblings Stadträtin Martina Thalmayr, die auch als Moderatorin in einem anschließenden Filmgespräch fungierte. Es ist eine eigene Art Film, die sich ausschließlich auf Erzählendes konzentrieren soll, wie der mehrfach ausgezeichnete Filmemacher und Autor aus Moorenweis, Landkreis Fürstenfeldbruck, zu Beginn eines kurzweiligen einstündigen Streifens betonte. Unter dem Aspekt „Wir müssen Unmögliches für den Weg aus der Klimakrise machen, um Mögliches für uns und die kommenden Generationen zu schaffen“, versuchte der Film, eine befremdende Kommunalpolitik mit Fokus auf verantwortungsvollen Umgang mit „unserem“ Planeten Erde zugänglicher zu machen. Repräsentatives Objekt, mit dem Film „Zusammen“ einen Weg erzählerisch zu beschreiben, war ein Projekt der Stadt Erlangen. Eine 25-köpfige Gruppe, bestehend aus zufällig ausgelosten Bürgern, darunter Stakeholder aus Hochschule und Politik, war beauftragt, Maßnahmen zu finden, mit denen die mittelfränkische Universitätsstadt bis 2030 klimaneutral werden kann. Ein Bürgerrat wurde gegründet, der sich mit Themen wie Energieerzeugung, Gebäudedämmung, Photovoltaik, Ernährung und Verkehr befasste und auseinandersetzte. Es entwickelte sich ein spannendes Experiment, verbunden mit Gegenwind und Konflikten, aber auch Begegnungen mit inspirierenden Menschen, die sich von Schwierigkeiten nicht unterkriegen ließen. Der Film spiegelt wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse auf der Suche nach Wegen zur Klimaneutralität wider. Ein Bewusstseinswandel müsse, auch unter dem Aspekt, Freiheitsrechte neu auszuloten, kommen. Dazu gehöre auch die Mobilitätswende. Zu diesem Thema bekam der Bürgerrat vonseiten des Handwerks, Handels und Gewerbes reichlich ablehnende Haltungen zu spüren. Von 41 erarbeiteten Maßnahmen, die zu den gesetzten Klimazielen geführt hätten, wurden lediglich 14 beschlossen.
Viel Arbeit, die der Bürgerrat investierte, wurde durch politische Entscheidungen verkleinert. 2024 war bereits ein Restbudget aufgebraucht und das programmierte Ziel gescheitert. Bei Finanzen gilt die Notbremse mit der Aufweichung des Ziels „Klimaneutralität bis 2030“ für die Stadt Erlangen. Letztendlich gehört „Klimaschutz“ nicht zur kommunalen Pflichtaufgabe. Der Bürgerrat habe sich als gutes Gremium erwiesen, wie aus dem anschließenden Filmgespräch mit Regisseur Niklas von Wurmb-Seibel und Martina Thalmayr hervorging. Seine Maßnahmen und Entscheidungen fielen wesentlich konkreter aus als etwa von Bürgerinitiativen. Der Bürgerrat habe durch Ernstnehmen der Menschen am Beispiel Erlangen die Stadt abgebildet und war bereit, evidente Entscheidungen mitzutragen.
Der Prozess „Einen Weg aus der Klimakrise zu beschreiten“, half Brücken zu schlagen. In einer Demokratie gehören auch Streit, Kompromisse und Unzufriedenheit dazu, welche der Film als erzählerisches Werk vermittelte. pes