Zirkus bringt Spektakel und Erinnerungen

von Redaktion

Am unsinnigen Donnerstag gastiert der Zirkus Boldini in der Luitpoldschule in Bad Aibling. Für die Artistenfamilie ist der Auftritt eine besondere Rückkehr an den Ort, an dem die Kinder einst selbst die Schulbank drückten.

Bad Aibling – Zirkusluft weht am unsinnigen Donnerstag in der Bad Aiblinger Luitpoldschule. In der Turnhalle der Bildungsstätte stehen an diesem Tag gleich zwei rund einstündige Auftritte des Familiencircus Boldini auf dem Programm. Der Zirkus wurde im Jahr 1812 gegründet und bezeichnet sich selbst als drittältester Zirkus in Deutschland.

Seniorchef Philipp Frank und seine Frau Nina freuen sich mit ihren fünf Kindern Danny, Chiara, Philipp, Mindy und Nina auf den Auftritt in der Kurstadt. Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen. „Um uns im Winter über Wasser zu halten, sind wir auf den Schulzirkus angewiesen“, sagt Nina Frank über den ständigen Kampf ums Überleben des Familienunternehmens, das sein Winterquartier in Trostberg hat.

Eine Idee
mit positiven Folgen

Vergangenes Jahr war bereits ein anderer Zirkus in der Schule zu Gast. Die positiven Erfahrungen damit machten es Schulleiterin Hiltrud Volpert leicht, sich rasch mit den beiden Vorstellungen in diesem Jahr anzufreunden. Die Anregung hierfür kam von der Elternbeiratsvorsitzenden Claudia Vodermaier, die im Rahmen des Bad Aiblinger Ferienprogramms im Sommer 2025 den Kontakt mit der Familie Frank knüpfte.

Dort bot der Zirkus in seinem eigenen Zelt, das auf dem Gelände der Ausstellungshalle stand, einen Mitmach-Zirkus an. „Wir warten bei diesem Programm mit Darbietungen auf, die die Kinder bei uns erlernen können“, erläutert Nina Frank das Prinzip. Vodermaier besuchte mit ihren Sprösslingen die Vorstellung und war begeistert. „Damals reifte in mir der Gedanke an ein Gastspiel an der Schule“, berichtet sie.

Nachdem sie mit dem Vorschlag bei der Schulleiterin ein offenes Ohr fand, stand den Auftritten in der Turnhalle nichts mehr im Weg. „Das ist für die Kinder schon ein besonderes Erlebnis, wenn sie maskiert in die Schule kommen und Zirkus erleben dürfen“, ist die Elternbeiratsvorsitzende überzeugt.

Pädagogischer Wert und
persönliche Verbindung

Schulleiterin Volpert kann dem Programm auch aus pädagogischer Sicht Wertvolles abgewinnen. „Wir stehen an dem Tag kurz vor den Faschingsferien, die den Abschluss des ersten Schulhalbjahres bedeuten. Da ist der Zirkus auch als Belohnung für den Lerneifer der Kinder zu sehen“, sagt die Schulleiterin.

Die Luitpoldschule ist der Zirkusfamilie nicht unbekannt. Die Geschwister Danny und Chiara, die ihre Mutter kürzlich zu einem Vorgespräch wegen des Auftritts in die Schule begleiteten, erinnern sich noch gut daran, wie sie hier die Schulbank drückten. „Wenn es meistens auch nur für eine Woche im Jahr war, so war der Schulbesuch in Bad Aibling immer etwas Besonderes. Die Lehrkräfte waren hier im Gegensatz zu manch anderer Schule immer sehr nett zu uns“, sagt Chiara Frank. „Die haben uns nie das Gefühl gegeben, dass wir ihnen gleichgültig sind, weil wir eh nur ein paar Tage da sind“, ergänzt ihr Bruder Danny.

Mutter Nina Frank verdeutlicht, dass die Ausbildung der Kinder, die in eine Zirkusfamilie hineingeboren werden, eine besondere Herausforderung ist. „Die haben ständig andere Lehrer als Bezugspersonen. Ich bin sehr stolz darauf, dass meine Töchter und Söhne trotz dieser Umstände alle den Realschulabschluss geschafft haben“, sagt sie. „Eine Leistung, die Respekt verdient“, meint die Schulleiterin.

Nicht zuletzt wegen der vielen guten Erinnerungen an Bad Aibling hat der bevorstehende Auftritt für die Familie einen besonderen Charakter. Bodenakrobatik, Jonglieren, Seiltanz, Clown-Sketche sowie Nummern mit den rund 20 Pferden, Kamelen, Alpakas und Hunden, die zum Zirkus gehören, sind die Grundlage für das Programm. „Hunde und Kamele haben wir diesmal allerdings nicht dabei“, schränkt Danny Frank ein.

Akrobatik, Jonglage
und schöne Erinnerungen

Seine Schwester Chiara, die die Luftakrobatik als ihre Lieblingsdisziplin bezeichnet, findet es toll, dass die Familie an diesem Ort mit Kindern in die Zirkuswelt eintauchen und eine Kostprobe ihres Könnens zeigen kann, die die Besucher für drei Euro Eintritt erleben dürfen. Bei einem Fototermin legte sie spontan einen Spagat auf der Treppe im historisch anmutenden Eingangsbereich des Schulgebäudes hin.

Chiara Frank hat eine besonders schöne Erinnerung an die Luitpoldschule, die mittlerweile rund 20 Jahre zurückliegt. „Als ich hierher am ersten Tag zum Unterricht kam, hatte ich vor lauter Aufregung mein Pausenbrot zu Hause vergessen. Meine Lehrerin schenkte mir spontan Muffins, die sie anlässlich ihres Geburtstags für das Kollegium gebacken hatte, damit ich auch etwas zu essen habe. Ich habe mich so gefreut und werde das nie vergessen“, versichert die 26-Jährige.

Über etwas Süßes dürfen sich übrigens auch die Schüler zum Abschluss der Vorstellungen freuen. „Der Elternbeirat schenkt ihnen Schokoküsse“, verrät dessen Vorsitzende und fügt hinzu: „Es soll ja ein besonderer Tag für die Kinder sein.“

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