Tattenhausen – Wer gedacht hatte, dass die Arbeit der Brenner-Bürgerinitiativen im Landkreis nur darin bestehe, hin und wieder Demos zu organisieren, wurde kürzlich beim Infoabend eines Besseren belehrt: Vor der mit gut 200 Besuchern brechend vollen Weinstube beim Tattenhausener Wirt berichtete Lothar Thaler von seiner Tätigkeit als Vorstand des Brennerdialogs Rosenheimer Land. Die hat Thaler inzwischen nicht nur in regen Kontakt mit dem Eisenbahnbundesamt und verschiedenen Politikern auf Landes- und Bundesebene gebracht, sondern er ist längst auch medial stark gefragt.
Rechtliche Schritte
werden gerade geprüft
Thalers Urteil über die Nordzulauf-Entscheider auf höherer Ebene fällt dabei ernüchternd aus: Fakten sind nicht bekannt oder werden ignoriert, Auskünfte werden verschleiert oder einfach nicht gegeben. So wie bei den Berechnungsgrundlagen zum Nutzen-Kosten- Verhältnis: Das ist nach einer jüngsten Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums auf wundersame Weise von ehemals 0,8 auf 1,4 angestiegenen – obwohl die veranschlagten Kosten sich im selben Zeitraum auf über zehn Milliarden Euro verzehnfacht haben.
Das Verkehrsministerium weigert sich aber hartnäckig, trotz Anfrage auf Basis des Umweltinformationsgesetzes, die Berechnungsgrundlagen zu dieser Fehleinschätzung herauszugeben. „Wir prüfen rechtliche Schritte“, so Thaler.
Es sei als großer Erfolg zu werten, dass es die Rosenheimer Bürgerinitiativen erreicht haben, auf die Umweltverträglichkeitsprüfung zum Brenner-Nordzulauf Einfluss zu nehmen, ihre Alternativvariante als Kernforderungen beim Eisenbahnbundesamt einzureichen und einen eigenen Experten (Gerhard H. Müller) in die Anhörung im Verkehrsausschuss zu entsenden.
Auch ist es inzwischen doch gelungen, bei dem einen oder anderen Politiker und Journalisten Zweifel an der Notwendigkeit zweier Hochleistungsgleise durch die Region zu schüren.
Unterstützt wird Thaler bei seiner politischen Arbeit von einer Reihe Beratern und Brennerdialog-Kollegen wie Professor Dr. Roland Feindor, Christoph Ohliger, Michael Hinterbrandner, Gerhard Müller (Bundesbahndirektor a.D.) und vor allem auch von den Vorständen der anderen Rosenheimer Brenner-Initiativen wie Thomas Unger vom Bürgerforum Inntal („Unser wandelndes Lexikon“), Jakob Opperer und Sepp Brem (beide BiB Rohrdorf) oder Ralf Exler (BI Kolbermoor).
Seit Jahren arbeiten die Vorstände der Brennerinitiativen eng zusammen, mittlerweile auch mit mehr als 50 anderen deutschen Bahn-Bürgerinitiativen. Mit den Brenner-Initiativen aus Tirol und Südtirol befinden sich die bayerischen Initiativen in einem regen, länderübergreifenden Austausch.
Ein ganz besonderer Höhepunkt war die Vorstellung der „Interessensgemeinschaft (IG) zum Erhalt bäuerlicher Existenzen im Rosenheimer Norden“. Die IG hat sich zum Ziel gesetzt, die betroffenen Landwirte an der geplanten Strecke auf den Ernstfall vorzubereiten. Mithilfe von Gutachtern will man sich für das Planfeststellungsverfahren zum Nordzulauf wappnen.
„Flagge zeigen!“, hieß es am Ende des Abends. Interessierte konnten Banner erwerben, um sich an der aktuellen Aktion des Brennerdialogs zu beteiligen. Ziel ist es, im ganzen Landkreis den Protest gegen die Neubauplanungen der Bahn sichtbar zu machen und auf die Alternativvariante der Bürgerinitiativen hinzuweisen, die schneller, billiger und nachhaltiger sein soll als das geplante Großprojekt.