Bruckmühl – Als Bürgermeister Richard Richter in der Kulturmühle den Tagesordnungspunkt zehn „Antrag SV Bruckmühl zum Bau eines Kunstrasenplatzes“ aufrief, war die Nervosität und Anspannung bei Teilen des Publikums, insbesondere bei den vielen rot gekleideten Fußballern des SVB, spürbar. Für die SVB-Spieler stand im wahrsten Sinne des Wortes „viel auf dem Spiel“. Es ging darum, ob der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung – im übertragenen Sinne – den Ball für den von den Bruckmühler Fußballern seit Jahren gewünschten Kunstrasenplatz auf den Anstoßpunkt legen oder das Spiel gar nicht erst anpfeifen würde.
Chance durch
Bundesprogramm
Nach einer gründlichen, teils kontroversen Diskussion gab das Gemeindeplenum mit einer 18:2-Entscheidung grünes Licht für die Teilnahme am Projektaufruf, eine Entscheidung über die finanzielle Projektförderung muss jedoch zu einem späteren Zeitpunkt getroffen werden.
Doch der Reihe nach: Im Oktober 2025 startete die Bundesregierung den Projektaufruf 2025/2026 und das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“, mit dem bestehende und in die Jahre gekommene Sportstätten (Hallen und Freianlagen) auf neue Beine gestellt werden können.
Nach Bekanntwerden des Projektaufrufes läuteten bei den Verantwortlichen des SV Bruckmühl (SVB) positiv die Alarmglocken. Der SVB sieht in diesem Förderprogramm die Chance, den sogenannten „Fußballplatz drei“ – den Vorgaben entsprechend – durch einen modernen und ganzjährig bespielbaren Kunstrasenbelag zu ersetzen.
Die finanzielle Kalkulation stellt sich den Aufzeichnungen zufolge wie folgt dar (alle Angaben brutto): Gesamtkosten 1,15 Millionen Euro, BLSV-Zuschuss (20 Prozent) 230.000 Euro, Eigenanteil SVB 115.000 Euro, Sonderförderung Bund (45 Prozent) 362.250 Euro, Marktgemeindeanteil 442.750 Euro, sogenanntes Einsparpotenzial 50.000 Euro.
Bürgermeister Richard Richter wies zu Beginn der Beratung darauf hin, dass die Sportvereine seit gut zehn Jahren einen Kunstrasenplatz wünschen, um auch die angespannte Situation der Hallentrainingszeiten – insbesondere in den Wintermonaten – in der Gemeinde zu entlasten. Dem CSU/PW-Politiker war es zudem wichtig, darauf hinzuweisen, dass es sich bei dem vorliegenden Antrag um die Sanierung eines bestehenden Sportplatzes handle, „und nichts Neues auf der grünen Wiese geplant ist“.
Grundsätzlich bezeichnete er eine Entscheidung „als schwierig“. Für ihn sei, gerade angesichts der angespannten Haushaltslage der Marktgemeinde, das Kostenvolumen von 442.750 Euro für „nur“ einen Sportplatz schon enorm, „andererseits bekomme man eine solche Förderquote selten“. In diesem Zusammenhang sei jedoch der Anteil sogenannter Drittmittel (Sponsoren) noch zu erhöhen, „dazu sei der SVB verpflichtet, wodurch sich dann auch der Gemeindeanteil minimieren ließe“. Auch der Schulsport, der von einer Sanierung profitieren solle, war ihm wichtig. Die Einreichung der Unterlagen bezeichnete er schließlich als „reine Lotterie“, „man brauche eben Glück, um aus dem riesigen Lostopf gezogen zu werden“.
Wolfgang Huber sah es ähnlich, „man solle die Chance nutzen“. Er verknüpfte dies mit der Bedingung, dass auch die zwei Sportvereine SV-DJK Heufeld und Götting den Kunstrasenplatz für Trainingseinheiten nutzen können. Auch für den Grünen-Gemeinderat hatte die Erhöhung der Drittmittel oberste Priorität. Konrad Hammerl hatte eine gänzlich andere Auffassung. 442.750 Euro seien dem SPD/PU-Gemeinderat für einen einzelnen Kunstrasenplatz schlichtweg zu viel, „mit dem Geld könne man ganz andere und sinnvollere Gemeindeprojekte anpacken“. Georg Ziegltrum, CSU/PW, sprach sich für einen Mittelweg aus. Er wollte den Gemeindeanteil durch die Akquise weiterer Fördergelder, Sponsoren und die Gründung eines Fördervereins auf 200.000 Euro minimieren und begrenzen, „man solle nichts unversucht lassen und könne eventuell auch andere Vereine mit ins Boot holen“.
Entscheidung in Berlin
bis Ende Februar
Am Ende stimmte das Gemeindeplenum mit deutlicher Mehrheit für den gemeindlichen Beschluss wie folgt: „Der Marktgemeinderat befürwortet die Teilnahme am Projektaufruf 2025/ 2026 zur Umwandlung eines Rasenplatzes in einen Kunstrasenplatz auf dem SVB-Vereinsgelände. Eine Entscheidung über die Bereitstellung von Haushaltsmitteln wird zu einem späteren Zeitpunkt getroffen.“
Hintergrund: Das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ umfasst insgesamt eine Milliarde Euro. Über die eingereichten Projektskizzen entscheidet der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages bis Ende Februar.
Sollte der SVB hier zum Zuge kommen, folgen Antrags- und Abstimmungsgespräche, die schließlich in einem Förderantrag der Marktgemeinde mit der Benennung ihrer finanziellen Beteiligung münden. Hierüber muss der Marktgemeinderat dann jedoch nochmals final entscheiden.