Vom Banker zum Filmemacher

von Redaktion

Als Udo Konrad in den Ruhestand ging, suchte sich der ehemalige Banker eine neue Aufgabe. Nun reist er mit seiner Frau durch die Welt und hält die Erlebnisse in Dokumentarfilmen fest, die er bei Vorträgen zeigt. In Feldkirchen-Westerham gelang das aber nicht.

Feldkirchen-Westerham – Argentinien, Schottland und Cornwall. Das sind nur ein paar der Orte, die Udo Konrad besucht und in Dokumentarfilmen festgehalten hat. Zu diesem Hobby ist Konrad erst spät gekommen. Mit dem Eintritt in den Ruhestand hat er seine Leidenschaft für das Filmen und Schneiden entwickelt. Nun tourt er nicht nur in der Welt umher, sondern auch in Deutschland.

Bei verschiedenen Veranstaltungen zeigt er seine Filme, um den Menschen die Schönheiten anderer Länder zu zeigen. So wie in Feldkirchen-Westerham vorgesehen. Doch der Termin musste aus gesundheitlichen Gründen verschoben werden. Zu erzählen hätte Udo Konrad viel gehabt.

Kreativität
neu ausprobieren

„Ich habe früher als Banker gearbeitet und das ist eher eine relativ trockene Angelegenheit“, sagt Udo Konrad, der in Gmund am Tegernsee wohnt. Nebenbei war er schon seit jungen Jahren als Sänger in einer Band tätig und trat auf vielen Bühnen auf. „Das war die zweite Seite von mir, die kreative“, sagt er.

Als er mit seiner Frau eine Familie gründete, gab er das Singen auf. Erst als er in den Ruhestand ging, überlegte er sich, was er jetzt machen sollte. „Musik machen wollte ich aber nicht mehr, das war mir zu stressig, beziehungsweise habe ich das schon lange genug gemacht“, sagt Konrad. Und da kam ihm die Idee.

Mit seiner Familie habe er immer wieder Dias erstellt und angeschaut. „Das hat mir sehr viel Spaß bereitet, weshalb ich mir dachte, dass ich ausprobieren möchte, in dieser Thematik kreativer zu werden.“ Gesagt, getan. Konrad besorgte eine Kameraausrüstung, bestehend aus einer digitalen Kamera, einer Videokamera und einem Aufnahmegerät. Damit lernte er, Videos zu produzieren und diese mit Musik, Tonaufnahmen und Bildern zu untermalen. „Es war eigentlich immer eher ein Hobby. Aber irgendwann hatte ich dann den Anspruch, das professioneller zu machen“, so Konrad.

Seinen ersten Film drehte Udo Konrad über Cornwall und dessen Umgebung. „Auf meinen Reisen trete ich immer mit den Einheimischen in Kontakt, damit ich mehr von dem Land kennenlerne. In Cornwall erzählte jemand von der Jurassic Coast“, erinnert sich der Mann vom Tegernsee. Neben den beeindruckenden Fels- und Küstenformationen ist dieser Ort auch für seine Fossilienfundstätte bekannt. „Solche Tipps möchte ich gerne mit meinen Filmen weitergeben und zum anderen möchte ich damit auch Menschen erreichen, die vielleicht schon mal an diesen Orten Urlaub gemacht haben und sich wieder zurückerinnern wollen“, sagt Konrad.

Bis zu drei Monate verbringt er deshalb auf Reisen, um genug über das Land kennenzulernen. Immer mit dabei ist seine Frau. „Es ist schon manchmal sehr anstrengend, da ich das Filmen komplett alleine mache. Manchmal unterstützt mich meine Frau aber auch und schießt viele Fotos“, sagt Konrad.

Neben Cornwall war das Ehepaar auch schon in Wales, auf den Orkney-Inseln Schottlands und im vergangenen Sommer ging es zum Nordkap in Norwegen. „Das war wirklich spannend, obwohl wir dort sauschlechtes Wetter hatten“, sagt er und lacht. Mit seinen Filmen möchte Udo Konrad aber nicht nur die Schönheit der Länder zeigen. „Mir ist besonders wichtig, die verschiedenen Kulturen zu vermitteln“, erklärt er. „Deshalb unterhalte ich mich viel mit den Einheimischen, wie sie dort leben und was sie dort alles machen. Ich gehe aber auch in die Museen, um die Geschichte des Landes kennenzulernen.“ Dazu zählt zum Beispiel die Wikingerzeit in Schottland oder die Kelten, die einst in Wales lebten. Letzteres Land ist Konrad aber auch aus einem anderen Grund in Erinnerung geblieben.

Poesiewettbewerb
mit Stuhl als Gewinn

„In Wales findet jedes Jahr im August ein Festival statt, bei dem der beste Barde gekürt wird“, erklärt der Rentner. Zusammen mit seiner Frau habe er den Poesiewettbewerb besucht und lauschte den selbst geschriebenen Gedichten. „Diese Art, selbst etwas zu verfassen und dann aufzusagen, ist in Wales noch immer sehr weit verbreitet“, sagt Konrad. Am Ende des Poesiewettbewerbs erhält der Gewinner einen vom Schreiner kunstvoll gestalteten Stuhl. „Das ist für jeden dort eine große Ehre, wenn man zum besten Barde gekürt wird“, sagt der Filmemacher.

Konrad möchte mit seinen Werken aber nicht nur die verschiedenen Kulturen zeigen, sondern auch „die nicht so schönen Seiten eines Landes“ aufzeigen. Dabei fällt ihm vor allem seine Reise ins Baltikum ein, wozu Estland, Lettland und Litauen zählen. „Die Länder liegen in der Nähe zu Russland, und viele Einwohner haben mir erzählt, dass sie Angst haben, überfallen zu werden“, erzählt Konrad. Die Landschaft der baltischen Staaten und ihre Menschen hätten Konrad allerdings sehr imponiert. Diese verschiedenen Emotionen kommentiert der Produzent gerne live bei seinen Vorstellungen. „Ich möchte, dass sowohl die positiven als auch negativen Seiten eines Landes genauso rüberkommen, wie sie sind, und ich glaube, das geht am besten, wenn ich vor dem Publikum darüber spreche“, so Konrad.

Das wollte er am 9. Februar auch im Awo-Bürgersaal in Feldkirchen-Westerham machen. Dass er aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, sei schade. „Ich war schon öfters in Feldkirchen-Westerham, Kolbermoor und Bad Aibling zu Besuch und hab mich sehr auf die Vorstellung gefreut“, sagt Konrad. Er wollte gerne seinen Dokumentarfilm vom „Ende der Welt“ zeigen. Genauer gesagt, von seiner Reise von Buenos Aires ins Feuerland und zurück nach Santiago de Chile. Was er dort alles erlebt hat, möchte er gerne im Frühjahr oder im Herbst in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham erzählen.

Gesund werden
und weiter reisen

Jetzt will er erst einmal gesund werden und plant bereits seine nächste Reise für dieses Jahr. „Wir wollen von der italienischen Riviera aus nach Sizilien und dann auf der Adriaseite wieder zurückfahren“, sagt Konrad. Und das soll definitiv nicht sein letzter Dokumentarfilm werden.

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